Schwanengesang

Mein Traum ist Teilen ohne Herrschen.
Partnerschaft statt noch ein süßes Pärchen.
„Ihr passt so gut zusammen.
Vermehrt euch ohne nachzudenken.“
Ich sehe schon die Flammen
Und uns unsren Kahn den Höllenfluss hinab lenken.

Kein Teufel soll mich an dich binden.
Werd öfter suchen als finden.
Mal probieren,
Mal kennenlernen.
Dich hofieren,
Mich entfernen.

All das um einen zu erkennen.
Deinen Namen im Schlaf zu nennen.
Im Schatten hast du lang gewartet.
Dich so oft zurückgenommen.
Auf ein Lächeln hin, Gift geatmet.
Hast Schlachten verloren, doch den Krieg gewonnen.

Bin keine Helena,
Mir selber selten nah.
Doch was ich von dir sah,
Bringt mich zum Träumen.
Mein Name: Johanna.
Finde mich unter bunten Bäumen.

JB-10-2018

Darüber hinaus

Was Ermächtigung für mich heißt:
Ich erkämpfe mir meine Freiheit (zurück)
Ich erprobe, wie weit ich gehen kann
Ich ertaste Grenzen und überwinde sie
Teste aus
Ich gehe, so weit ich kann
Und darüber hinaus

Was Ermutigung für mich heißt:
Mein Leben zu leben
Ein Beispiel zu geben
Wie es auch laufen kann
Krisen anzusprechen
Und wie ich sie durchlebt habe
Probleme zu erläutern
Und wie ich sie gelöst habe

Was Entstigmatisierung für mich heißt:
Eine Krise schwächt Selbstwert, Körper nicht zuletzt Geist und Seele.
Das Umfeld re-agiert oft aus Angst, Unwissenheit, Sorge und auch mal aus Ignoranz.
Schuld ist die Folge für mich, Scham ist die Folge für mich, Angst ist die Folge für mich, Rückzug ist die Folge für mich:
STIGMA

Ich hole mir meine Unschuld zurück, ich hole mir meinen Mut zurück, ich hole mir meine Luft zum Atmen zurück, ich hole mir meine Neugier zurück auf die Welt, auf mein Wesen, auf meine Gefühle.
All das ist für mich wichtig, um zu gesunden.
Und das ist möglich: Gesund werden an Geist und Körper. Auch in dieser Welt.
Und dann anderen zu helfen, daran zu glauben und darauf zu hoffen, dass es wieder besser wird.

Leuchturmlicht
Was auch geschehen ist, ich will nicht im Trüben schwimmen.
Was auch passiert, ich will leben und das selbstbestimmt.
Klare Sicht auf das Heute ist mein Ziel, das Gestern und das Morgen verschwimmen im Spiel
der Gefühlsgezeiten, will darunter nicht mehr leiden und den Faden weiterspinnen, der mein Schicksal lenkt.
Eingedenk, derer die helfen, die da sind, die zuhören, die aufstehen und einstehen für sich und andere.
Ich will nicht kaputt gehen am System, ich will es entern und meine Sicht der Dinge offenbaren.
So wie wir waren, das ist geschehen, so wie wir sein werden, das wird entstehen, egal wie auch immer wir planen.
Und darum, bin ich gefahren und bin gelaufen und angekommen im Lauf der Wesen und dem Fluss der Gefühle, ich dreh mich um mich, ja, aber auch um meine Lieben.
Dieser Kreislauf wurde von mir nun achtsam aufgeschrieben.
Ein Lied für die Seele, die aufsteht und geht, wenn es nicht mehr geht, die sich hinsetzt und ausruht, wenn nichts mehr um sie steht, die wächst, wenn es regnet, die im Wald spaziert um Ruhe zu tanken, die in der Stadt umherstreift, um zu tanzen, die die Welt sieht im Ganzen.
Und warum nicht Blumen gießen, die in den Himmel schießen?
Das Ziel: Will wie ein Leuchtturm mir den Hafen weisen, glühen und flimmern und weiter leben und träumen und schreiben, für andere Zeiten.

 

Trostpreise

Der Traum zu bleiben ist mir neu,
Bin nur mir selber treu.
Warum nicht einem Andern?
Wie da die Blicke wandern.
Wie da der Stolz wie eine Schlucht
Vor mir klafft und versucht
Was alle Menschen wollen
Nicht müssen und nicht sollen,
Den Kampf gegen sich selbst gewinnen,
Sich auf andere einstimmen.

Trank als Wand,
Zauberstab in der Hand.
Ich glaube an das Gute,
Mir ist so zu Mute.
Ich schau mich um und bin allein,
Kann mir das gern verzeih‘n.
Kann wieder meiner Wege gehen,
Aber nicht weiter als bis morgen sehen.

Doch traue ich dem nächsten Schritt,
Mein Herz bringt Freude mit.
Begleitet meine Seelenreise,
Ich gewinn‘ gern Trostpreise.
Und fliehe nicht vor Gestern,
Mit all seinen Gespensterschwestern.
Es tat mir wohl dich dort zu sehen
Und auf dich einfach zuzugehen.

Mein Weg führt oft vorbei am Schein,
Ich möchte leben, atmen, sein.
Wie ihr auch Pläne mit mir macht,
Dazu Welt und All und Schicksal lacht,
Ich schau mich um und breche Siegel,
Mit einem blinden Spiegel.
Das Hexen und das Heilen,
Das will ich gerne teilen.

Vorbei der Spuk,
Ich will verstehen.
Über Zäune springen,
Dort Saaten säen.
Grenzen überwinden,
Ohne einzudringen.
Mich erinnern,
Wie ich Räder schlug
Und an neue Ufer schwimmen.

JB-05-2018

Doppelhelix

Ein Gespräch mit dir hat mindestens zwei Wirklichkeiten
Mein Blick ins Wurmloch der Gezeiten
Berührung ohne Geländer
Unsre Geister Grabenlose Länder

Verrinnendes Gelächter gemalt auf dunkle Dielen
Verinnerlichter Blick in meinem heiligsten Raum
Und wieder reimt sich das auf Traum
Wie unsere Münder da spielen.

Ein Zweifel lässt das Glück versiegen
Was, wenn du gehst, wenn ich mich selbst vertreibe
Und ewig in der Schleife hängen bleibe
Die es bedeutet einen Geist zu lieben

Ich wache auf und finde Frieden
Im Sternenhimmel wird die Liebe siegen
Nicht nur die Griechen schrieben Wandellieder
Mir weckt der Frühling meine angespannten Glieder

Und wenn ich Wasser in mich selbst verwandel
Und mit mir wie mit allen andern handel
Und mir die Stirn mit Sternenlicht bekränze
Dann wird das Dunkel vertrieben durch meine Feuertänze.

JB-04-2018

Tand und Tempel

Farbband ohne Sinn am Firmament
Eine Spur, die Hitze in den Himmel brennt
Ein Feuer, das mich nicht wärmt
Ein Käfer, der nur andere umschwärmt

Ein Lächeln ist alles, was Du verschenken willst
Wie Du meinen Hunger niemals stillst
Fühle mein Fühlen jetzt erkalten
Kann nicht mal mehr Deine Güte im Gedächtnis halten

Mein Zugewinn, ich gehe and‘re Wege
Bau mir am Wasser neue Stege
Und fische Menschen mit meinem Herzen
Brenne oft noch an die alten Kerzen

Sandburgen hab ich oft schon mit gebaut
Sah mich doch nie als eine Braut
Keine Flucht ohne Fänger, doch das macht
mich nicht zur Jägerin in der langen Nacht

Ich träumte Liebe in Dein Herz
Ich schrieb mich ein in Deine Augen
Hab mich geirrt und all der Schmerz
Schmeckt lange nach wie bitt‘re Trauben

Ein bares Gut, wie wir die Liebe suchen
Uns töricht übers Gras erheben
Und dann zusammen Flüge buchen
Die Sonne sinkt vor uns wie unser Leben

Dann wieder neu und wieder gleich
In Dunkel getaucht und doch so leicht
Im Flimmerglitterliebesland
Ist Liebe Tand.

Zuviel: Ich tauchte ab und fand
In meinen langen Träumen
Ein grenzenloses Land
Wo Blumen kurvige Wege säumen

Tempelberg auf einem Hügel
Nichts wird dort geopfert
Und ewig floss der Strom Gefühl
Wo mein Ruf wird oft erhört

Will dieses Land nun ehren und entsagen
Der Macht, die mich in diesem Nebel irreleitet
Das Leben einer Nonne will ich planen
Und hoffen, das der Traum auch andere begleitet

Erwachen will ich und Geträumtes finden
In meiner Zeit an diesem Ort
Mich mit den Seelen anderer verbinden
Kommt Zeit, kommt Tat. Bis dahin halt ich Wort.

JB-01-2018

 

Der Eremit und die Sphinx

Wüste und tiefster Wald, wann würden sie sich treffen? Er lebt und atmet das Wissen der Bäume. Überbringt es nur selten den Menschenkindern. Sie lebt und atmet das Wissen des Sandes. Fragt die Menschen was sie träumen.

Ein Blatt vorm Mund wäscht seine Seele rein. Verlorene Pein ist sein Wesen nicht, aber Erinnerung. Daraus wäscht er das Gedächtnisgold und schmilzt es ein. In Weisheit bewahrt auf Baumkronen.

Ein Rätsel gibt ihr Wesen frei. Sie bittet um Fragen. Sie hellt alle Dinge auf, um ihren Besitzer zu verschlingen. Wahrheit ohne Gaben.

Am Wasser ruht er aus. Am Wasser leckt sie ihre Wunden. Ein Wasser trennt die heiligen Stunden. Sie sehen ihre Spiegelbilder.

Wer bist du fragt sie ihn? Bist du ein Gott?

Wer bist du fragt er sie? Bist du ein Ungeheuer?

Die Fragen verhallen auf der Spiegelfläche. Sie gehen ihrer Wege. Doch in Gedanken sieht er sie und sie sieht ihn.

Äste seine Krone. Ein Rabe sein Geleit. Allein in unsrer Zeit wie ich. Ein Geschöpf, das für sich spricht.

Aus Sand gebaut und unnahbar. Ihre Augen sprachen wahr. Und sie teilt ihr Wissen in Fragen die wir stellen müssen.

Am nächsten Tag das Wasser ruft. Beide wandern vorbei an der nassen Schlucht. Bei Delphi treffen sie aufeinander. Er wahrt ihre Größe, sie sieht seinen Traum.

Ich erkenne dich und frage dich: Wer bist du?

Ich bin auf der Suche nach meinem zu Hause. Warum fragst du?

Ich frage um zu leben. Warum bist du hier?

Ich habe dich gesehen als mein Spiegelbild. Dein Auge hat mir versprochen wahr zu sein. Täuscht es mich?

Ich täusche nie. Wahrheit ist meine Waffe. Du bist allein.

Ich bin allein mit mir und wechsle meine Orte denn mein Heim ist die Welt. Gefunden habe ich was ich suche in der Frage. Frage weiter!

Was bin ich?

Du bist der Spiegel, der zu uns Wahrheit spricht. Du nimmst meine Scheuklappen und ich sehe, was ich sehen muss. Kein Nebel hüllt mehr meinen Geist ein. Ich sehe durch dich klar.

Das Wasser hat uns geleitet. Jetzt lass uns trinken. Und sie tranken vom Wasser des Lebens.

JB-01-2018

 

Begegnungen 2

Begegnungen 2

Ein Kreis wird zur Kugel und umkreist einen Feuerball. Bewegt sich jede Sekunde durchs All. Trotz dessen ich auf dieser Kugel wohne, immer in Bewegung: Ich sehne mich nach Ruhe. Bin so träge wie der Klotz, der im Physikunterricht vom Modellauto fällt, das plötzlich bewegt wird. Kurz bevor das Universum wieder implodiert werde ich diese Ruhe finden, wie auch immer meine Moleküle dann organisiert sind. Bis dahin heißt es weiter bewegt werden.

Vom gleißend schwarzem All zum Alltag. „Wir sind alle Sternenstaub.“, so heißt es. Und auch Sternenstaub steht morgens auf und geht zur Arbeit. Dabei passieren kleine Abenteuer. Ich begegne alten Feinden und neuen Verbündeten. Aus mir mache ich ein Alien, das die Welt mit dem sechsten Sinn er-spürt und ich er-trage Blicke, die durch mich hindurch gehen hin zur nächsten Ampel, zum nächsten Geschäft. Als wäre ich kein Ich, als wäre da kein Selbst.

Sternenstaub wir alle. Und daraus eine Geschichte. Ich begegne Menschen wie eine Außerirdische. Ich habe jeden Moment Angst etwas Komisches zu sagen oder etwas „falsch zu machen“. Ich blicke hinunter auf den Bordstein neben die Person zu ihrem vierbeinigen Begleiter und endlich darf ich lächeln.

JB-11-2017

Ringkampf

Ringkampf

Wer klein ist, will ganz hoch hinaus,
Wer ’ne Wohnung hat, will doch ein Haus.
Die Schatten tanzen in deinem Gesicht,
Wenn der Herr über seine Erfolge spricht.

Lass einfach das Geld für dich sprechen,
Dann werden fremde Knochen brechen.
Neid und Missgunst wegen Ungleichheit,
Hass und Morde erzeugen Generationenleid.

Die Menschen fühlen sich allein,
Lassen sich auf Süchte ein.
Kinder, die ausreißen,
Alte, die verweisen.

Die Welt ein Ringkampf,
Jedes Wollen ein Krampf.
Jeder Tag ein neuer Sieg,
Wenn nur ein anderer am Boden liegt.

So manche erwachen aus dem Lebensrauschen.
Wollen wieder den Vögeln lauschen.
Wollen begreifen und erfahren.
Die Menschheit vor weiterem Leid bewahren.

Tanzen in andere Zeiten,
Erringen von Möglichkeiten.
Auf andere Menschen achten,
Die Macht entmachten.

Der Staat ist nicht mehr Diktatur,
Da ist nur noch Erde ohne Richtschnur.
Auf dem Markt treiben sie wieder Handel.
Welt befindet sich im Wandel.

Und willst du das Fremde umarmen,
Dich einem angstvollen Blick erbarmen.
Dann öffnen sich weite Räume.
Für alle die besten Träume.

JB-11-2017

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Treibgut

Treibgut

Symptome abgeschaltet,
Seele verwaltet.
Worte schallen,
Sie verhallen.
Akten sichten,
Köpfe ausrichten.
Warten und sich quälen,
In stummen Sälen.
Voller Diagnosen.

Das bedeutet Krank,
Öffnet den Medizinschrank.
Helfen müssen,
Mit festgeschriebenen Schlüssen.
Doch da ist kein Leid,
Der Raum wird weit.
Das nächste Kleid,
Hexenmaid.
Flieht vor dieser Welt.

Warum der Schimmer der Gedanken,
Mir hilft nicht mehr zu wanken?
Warum mein Herz sich weitet,
Keinen Kummer mehr verbreitet?
Warum mein Geist mir Worte sagt,
Nicht mehr das schwere Los beklagt,
Sich auf neue Wege wagt,
Schwierige Fragen fragt?
Zuversicht

Verstand, Körper und Seele,
damit ich nichts verfehle,
wenn ich dies Bild wähle:
Segel, Boot und Wasser,
Die Umnachtung macht das blasser.
Was davon leitet mich?
Was umkleidet mich?
Was beschreibt mich?
Was davon kann brechen?

Ein Los ist da es einzusetzen,
Was hilft es sich den Wendungen zu widersetzen?
Mein Segel will Wind,
Tanzt wie ein Kind.
Mein Boot will Wellen,
Begreift die Stromschnellen.
Der Wasserfall,
Bedeutet Zerfall.
Ich bin Treibgut.

JB-11-2017

Ruheraum

Ruheraum

Ich gehe manchmal einen Weg, von dem ich weiß, dass er nicht meine Bestimmung ist und werde geführt an einer Leine der Versuchung durch Länder des Stillstandes.

Dabei sind da Orte der Besinnung, die meist Orte des Schreibens sind.

Beim Schreiben besinne ich mich auf die Zeit, verbinde Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges. Knüpfe einen Flickenteppich, den ich dann in mein Zimmer hänge und Traum vergessen betrachte, wenn Muße ist, wenn die Muse gegenwärtig ist.

Und was ist Gegenwart für mich? Der Moment – ausgekostet. Zur Ruhe kommen im Augenblick.

Wenn dann die Fragen aufkommen, die mein Selbst mir aus den Tiefen meines Bewusstseins heraus stellt, dann will ich mich diesen stellen: Was will ich? Wer bin ich? Wohin leitet mich mein Weg?

Ich will meinen Willen begreifen. Ich will mein Schicksal in die Hand nehmen und im Sein die Tat finden, die mich sein lässt. Auf das ich bin und weiter werde, was ich bin.

Ich bin ein Bewusstsein unter vielen, das sich dessen bewusst ist, dass es ist. Unter Sternen wandle ich auf der Suche nach mir selbst. Im Kreis gehen oder ruhen, Spiegelbilder suchen oder sich finden. Mir begreiflich machen, wer die Hände führt, die dies schreiben.

Schreiben ist ein Weg zur Selbstfindung, ja. Nicht für Geld, nicht um Zeit totzuschlagen schreibe ich. Ich schreibe den Tag, ich schreibe die Nacht, ich schreibe die Zeit in meinem Leben fest. Erinnerung in Worten festgehalten, um zu umfassen, was mir geschieht und was ich geschehen lasse. Doch wohin wird mich das führen?

Oft habe ich Anleitung gesucht für den „richtigen“ Weg, das „richtige“ Leben. Doch jedes Leben ist wertvoll, wie auch immer wir es aushalten oder ausgestalten. Sobald mir ein Mensch aus seinem Leben erzählt, höre ich zu und lerne; höre ich zu und lebe. So sind wir für uns gesehen Lehrende und Lernende des Lebens und unsere Fehler retten andere, die Fehler machen, die uns retten.

Erfahrungen machen uns aus. Fehler machen uns aus. Siege, Niederlagen – einfach Versuche.

Neugier auf das Kommende ist die Triebfeder. Meine Füße laufen und erfassen dabei die Beschaffenheit des Bodens, die Augen sehen und die Ohren lauschen. Das Rauschen in meinem Kopf. Das Leben hinter meinem Leben. Es ist eine Ohnmacht, die mich schreiben lässt. Was immer Muster wird; aus diesem Rauschen heraus geboren, was immer wird aus diesem Schreiben.

Sinn finden aus der Wahrnehmung heraus und alle Form will Gestalt werden.

JB-10-2017

Schwertgürtel

Schwertgürtel

Schwerter um mich und über mir
Damoklesverschworen
Furcht daraus geboren
Fühl‘ mich gefangen wie ein Tier

Kein Gleichgewicht
Ohne die richtigen Worte
Wie ich Zweifel horte
Augen im Zwielicht

Doch meine Hände
Nehmen das erste Schwert
Tat hat sich bewährt
Das bringt die Wende

Einen machtvollen Gürtel
Knüpf ich mir mit diesen Schwertern
Werkzeuge aus Gefängniswärtern
Hoffnung zurück so schnell

Ein Schritt nach vorn
Ein Blick nach oben
Zeit verschoben
Mut geboren

Die Tür geht auf
Zu meinen Träumen
Will sie zu nennen nicht versäumen
Der Weg dahin ein heiterer Lauf

Diese meine Waffen
Wissen um die Macht
Bereit für die Lebensschlacht
Wie für mich gemacht.

JB-10-2017

Dazwischen

Dazwischen

Die Stimme einer Göttin,
Versucht mich zu wecken.
Will mich davor verstecken,
Seh‘ darin keinen Sinn.

Diese Welt ist doch so wage,
Die Menschen so nüchtern.
Wie wir uns in Süchte flüchten,
Wie ich an meinem Selbst schwer trage.

Keine Magie gefunden,
Nicht in Liebe noch in Vergebung.
Der Nichtigkeit Ehrung.
An Logik mein Leben gebunden.

Da bricht es hervor,
Das Gefühl, da ist mehr.
Die Einsicht so schwer,
Ein noch geschlossenes Tor.

Da ruft sie wieder,
Tanzt auf den Hügeln.
„Sollst dich nicht fügen,
Schreib auf meine Lieder!“

Auf dem Grat zu wandeln,
Balance zu finden zwischen Welten.
Wie sonst meine Sinne mich schelten,
Das Dazwischen lässt mich handeln.

JB-10-2017

 

Blätter rascheln

Blätter rascheln

Blätter rascheln draußen und auf dem Tisch vor mir.

Ich schreibe einen Namen auf, fühle Pappellaub in meinem Inneren.

Will mich erinnern und daran glauben, dass der Baum unserer Freundschaft bald weiter wächst – gegossen von Worten.

Ich hoffe, der Herbst färbt unsere Beziehung bunt wie das Laub.

Ich fürchte, der Winter lässt sie in Schlaf fallen.

Aber wie die Blätter den Baum nähren, daran erinnere ich mich.

Eine Freundschaft kann sich wandeln wie Blätter in den Jahreszeiten.

Es wird wieder Frühling sein.
Ich esse das junge Grün und seine Kraft geht auf mich über.

Von Sonne durch schienen unser Beieinander sein, wenn alles von Neuem beginnt.

JB-09-2017

 

Gedankensprünge

Gedankensprünge

Ein Feld aus Gedanken
Celan ist clean
Und ich Suche Antwort
In der Schrift
Vollkommenes Schweigen
Rat auf Rad
Erweitertes Ich Du
Hohles Einzel
Magisches Ganzes
Die Karten hoffen
Auf Morgendlichen Tanz
Identität gekrümmt
Versagen gemeistert
Spiel gespielt
Zerrspiegel Ich Raum Du

JB-09-2017

 

 

Revolution Gefühl

Revolution Gefühl

Liebe in Zeiten der Sucht
Hass in Zeiten der Vernetzung
Alle bevorzugen Flucht
Träumen in alter Besetzung

Wenn das Haus der Kälte Zuflucht scheint
Der eigene Name verschwimmt
Die Neuigkeit über Geschichte schweigt
Die Wut alle Sorgen nimmt

In meinem Inneren kein Streit
Der lacht in gewohnten Straßen
Bin zu Vielem bereit
Und von Häme nicht zu fassen

Revolution auf meiner Seite
Mit Worten Laut und Leis
Vor mir die grausame Weite
Alles hat seinen Preis

Verloren hetzen leere Münder
Bis Erde sie füllt zuletzt
Für sie ist immer Winter
Mein Gesicht mit Frühlingstau benetzt

Und Liebe eine Traube
Von der ich pflücke was ich will
Will unter keine Haube
Ehre das Wir-Gefühl

Wer hofft, der leidet.
Ja, das stimmt.
Doch wenn man alles meidet.
Die Zeit schnell verrinnt.

Dann schaut man auf die Uhr
Die Zeiger stehen still.
Dann hört man nur:
Ich tu was ich will.

Ich schreibe Blumenwiese
Ich lebe Jahreszeiten
Ich leide und genieße
Und male mit Straßenkreiden

Geborgen, ausgeliefert
Lachen, weinen, tanzen
Der Neid flieht geteert und gefedert
Will jeden Tag Bäume pflanzen

JB-08-2017

 

 

Freund und Feind

Freund und Feind

Wie die Zeiten sich neu benennen,
Kehr ich den Mist zur Tür hinaus.
Wenn Mäuse in Fallen rennen,
Schalt ich die Lampen aus.

Die Wut versiegt in Sommerhitze,
Der Tag zählt seine letzten Stunden.
Im Kopf mach ich die besten Witze,
Nach außen hin, pfleg ich alte Wunden.

Zugluft und Enge und ich schreibe,
Dem Gefühl die treuen Sinne ab.
Wie ich stur beim Lesen sitzenbleibe.
Sammel ich alle Kräfte, die ich hab.

Denn Feiern will ich dieses Jahr,
Bei allem Schlimmen, was geschah,
Ist denkbar Gutes für uns wahr,
Was Lied und Text gebar.

Inspiration und Zeitenwende,
Wenn ich auch ohne Alles ende,
Was ich geschrieben, kann mir keiner nehmen,
Lass mich nicht durch Zukunft lähmen.

Ein Satz bleibt in Erinnerung:
Keine Zeile ohne Eingebung.
Wer Quelle ist, wer Muse,
Mit dem steh ich auf gutem Fuße.

Solang ich atme will ich leben,
Den Schleier zum Gruße für euch heben.
Mal lachen und mal weinen,
Die Feinde mit den Freunden einen.

JB-08-2017

 

 

Sinneswandel

Ohren wie schwarze Löcher hat mein Tier,
Augen wie Ozeane.
Und die Krallen gefallen dir,
Unter der Galaxienplane.

Die Kristallkugel verstummt,
Wenn ich meinen Namen rufe.
Bin nicht vermummt,
Die Zukunft nur die nächste Stufe.

Das Herz eines Barbaren halten,
Wie muss er frieren.
Das Holz des letzten Waldes spalten,
Um ihm zu imponieren.

Magisch überall,
Hexe oder Fee?
Komme zu Fall,
Wenn ich nach morgen seh‘.

Die Motive der Leute,
Sind mir verschlossen,
Überrascht flitzt die Meute,
durch glitzernde Gossen.

Ein Zauberspruch,
Ein Sinneswandel,
ein neues Buch,
ein alter Handel.

JB-07-2017

 

Utopie in Wolken

Jetzt oder nie das Schiff nach morgen kapern,
Soll nicht an Mut oder Kraft hapern.
Hab das Handbuch nicht gelesen,
Besser reit ich einen Besen.
Steig hinauf zu den Sternen,
Entdecke die weiten Fernen.
Besuche noch fremde Wesen.
Sitzen dort an vollen Tresen.

Wir fliegen durch Wolkenfetzen,
Wollen Leid durch Lieder ersetzen.
Die Gedanken blitzen auf in unseren Köpfen,
Kein Wort mehr nötig, wir schöpfen.
Landen auf Moses Berg und fluten das Land mit Hoffnung.
Wir werden sesshaft, die Tiere liefern uns nur Dung;
Für Häuser und fürs Märchenfeuer.
Alles andere wäre ungeheuer.

Traurigkeit ist eine Tugend in dieser schönen neuen Welt.
Wer Felder nicht mit Tränen bestellt – hat vergessen.
Gnade vor Unschuld, Sein vor Haben.
Alles andere – Fressen für die Raben.
Uhr eingebaut in Spiegel,
Die Zeit bricht das Siegel,
Weil wir nicht mehr an Mauern bauen.
Andern ins Herz schauen.

Der Tag beginnt und Philosophen tanzen.
Der Abend bricht an, wir essen Pflanzen.
Frieden steht im Sand geschrieben.
Wär ich doch nur dort geblieben.
Doch morgens ruft die Pflicht,
Geh mit meinem Traum hart ins Gericht.
Doch was ist schlimm an Utopie?
Wer wagt gewinnt manchmal, wer zweifelt nie.

JB-06-2017

 

 

 

Freitag, der 13.

Freitag, der 13.

Diese Wände haben soviel zu bieten:
Ablenkung, Geborgenheit.
Wenn die Zeit schläft.
Wenn mein Mund nicht ruht.
Alles passiert.
Ich bin dabei.

Laut und da sind Hunde.
Sich um sich selbst drehen.
Andere ich spielen lassen.
Anderes Du da drüben.
Alles,
Alles an mir vorbei.

Der Tag ein Spiel.
Ich habe zugehört.
Bin aufgestanden.
Der Mond hält wach.
Frei.
Alles da oben ist frei.

JB-01-2017