Treibgut

Treibgut

Symptome abgeschaltet,
Seele verwaltet.
Worte schallen,
Sie verhallen.
Akten sichten,
Köpfe ausrichten.
Warten und sich quälen,
In stummen Sälen.
Voller Diagnosen.

Das bedeutet Krank,
Öffnet den Medizinschrank.
Helfen müssen,
Mit festgeschriebenen Schlüssen.
Doch da ist kein Leid,
Der Raum wird weit.
Das nächste Kleid,
Hexenmaid.
Flieht vor dieser Welt.

Warum der Schimmer der Gedanken,
Mir hilft nicht mehr zu wanken?
Warum mein Herz sich weitet,
Keinen Kummer mehr verbreitet?
Warum mein Geist mir Worte sagt,
Nicht mehr das schwere Los beklagt,
Sich auf neue Wege wagt,
Schwierige Fragen fragt?
Zuversicht

Verstand, Körper und Seele,
damit ich nichts verfehle,
wenn ich dies Bild wähle:
Segel, Boot und Wasser,
Die Umnachtung macht das blasser.
Was davon leitet mich?
Was umkleidet mich?
Was beschreibt mich?
Was davon kann brechen?

Ein Los ist da es einzusetzen,
Was hilft es sich den Wendungen zu widersetzen?
Mein Segel will Wind,
Tanzt wie ein Kind.
Mein Boot will Wellen,
Begreift die Stromschnellen.
Der Wasserfall,
Bedeutet Zerfall.
Ich bin Treibgut.

JB-11-2017

Tränenfluss

Tränenfluss

Eingemauert von Sorgen
Versteh ich meinen Gang
Zu Fuß
Zum Tränenfluss
Am Tiefen Wald entlang
Dort will ich Weisheit borgen

Genuss in neuen Bechern
Mein Fang ganz verwegen
Ausfahrt
Neue Tat
Mit spitzem Degen
Und Pfauenfächern

Spur verloren
Irren in Stromschnellen
Wellen
Dellen
Schreie gellen
Flut geboren

Der Kreis spuckt mich aus
Ich fühle mich angekommen
Einsam
Heilsam
Angenommen
Mein neues Haus

Mein Selbst neu erfunden
Zauber im Blick
Die Tränen fließen
Die Seelenblumen sprießen
Will nicht mehr zurück
Die Welt jetzt erkunden

Deinen Traum aufgehoben
Mit Wassern gewaschen
Gehegt
Gepflegt
Wahrheit in Flaschen
Will sich austoben

Vorbei meine Suche
Vorbei meine Flucht
Erkennen
Benennen
Fühlen ohne Schlucht
Im roten Tuche

Der Weg führt oft
Durch tiefe Pfützen
Schuhe im Matsch
Worte ohne Klatsch
Pfade verknüpfen
Weisheit unverhofft

JB-10-2017

 

Wind und Elefanten

Durch alles weht der alte Wind
Ein Dachgeschoss voller Wunden
Ich teile dich ganz wie ein Kind
Der Hofnarr bleibt verschwunden

Zahlen ohne zu verlieren
Den Menschen an meiner Seite wählen
Wände bunt und neu beschmieren
Elefanten am Himmel zählen

Weinen beim Erwachen
Nachbarn ignorieren
Feuer in Seelen entfachen
Winterlich frieren

Grenzenlos verbinden
Treu sein dem Schreiben
Wie Bäche in Flüsse münden
Sieben mal sitzen bleiben

Vom Fenster aus Liedern lauschen
Himmel und Hölle verjagen
Mit Wanderern Kleider tauschen
Werd mich ins Wasser wagen

Tanz und Traum werden in der Wiege liegen
Ein neuer Fluss wird neue Winde entfachen
Frieden und Muse werden siegen
Ein weiser Mensch wird offen lachen

JB-05-2017

 

 

 

Widerhall

Widerhall

Geborgte Stille in meinem Herzen.
Ein Blick, der im Raum steht wie ein Wasserstrahl.
Wenn ich mich falte vor Qual.
Fiktive Schmerzen.

Eine Hand im All,
Unerreichbar weit.
Nichts zu seiner Zeit.
Verfehltes Schweigen kommt vor dem Fall.

Tunnelblick und Weitsicht.
Rollende Steine vor meinem Gesicht.
Niemand hält Gericht.
Wartende sind in der Pflicht.

Schall wie Fall.
Morgen und Wiederkehr.
Nichts wollte ich so sehr.
Ein Widerhall.

JB-02-2017

Wald und Wüste

Wald und Wüste

Mein Herz wächst im Wald zu einem strahlend-schönen Baum.
Mein Herz verbrennt in der Wüste.
Ich suche den Schatten und treffe da die Maus und dort die Schlange.
Ich dürste und trinke aus der Quelle, die alles speist und tränkt, die Überfluss schenkt.
Ich dürste und treffe bei den Palmen auf einen tiefen Brunnen.

Unter Bäumen finde ich nicht die Beschränkungen, die in der Weite von Sand und Wind zu finden wären.
Sind aber nicht auch Grenzen wichtig für den Geist?
Ich würde mich anpassen, würde mich aufs Nötigste zusammenfassen.
Mich neu entdecken, gebrannt wie Ton unter der Sonne.

JB-11-2016

Selkie

Selkie

Perlen aus Licht
Rufen die Gischt
Geh ihnen nach
Wird es mein Grab?

An Land gespült
Wortlos verwirrt
Hab viel getanzt
Mein Fell noch voll Glanz

Steinerne Helden
Geseh’n nur noch selten
Flieg mit den Eulen
Mein Lied wird viel bedeuten

Du hältst mich hier zurück
Will doch nur dein Glück
Die Wellen rufen mich
Es ist vergeblich

JB-03-2016

(nach „Die Melodie des Meeres“)

Verletzung

Verletzung

(nach „Mozart in the Jungle“, inspiriert von Rodrigo und Anna Maria ;))

Du spielst mit mir
Ich spiel nicht mit
Und weine trockne Tränen
Denn was uns einst versprochen war
Wird uns nun ewig quälen

Ich liebe Dich
Du treibst Dich rum
Vergiss nicht Dich zu schämen
Es ist vorbei
Ich will zurück
Der Apfel wird mich lähmen

Vergangene Schnitte
Verlorene Schlachten
Das alles treibt mich um
Gewinne Du nur
Was du kannst
Und ich, ich bleibe stumm

Rosenkrieg auf Wattebäuschen
Geh ein
Und möchte fliehen
Du Wolf, du Biest, Du einzig Wahrer
Mein Schicksal
Schon Verziehen

Tanz Du mit mir
Vergnüge mich
In Feuer und in Eis
Sing Du für mich
Ich halt Dich fest
Und zahle gern den Preis

So heißt die Liebe
Uns zu schaun
In diesen Wasserspiegel
Verzerrt und immer wieder neu
Das Bild verschwimmt
Wir öffnen alle Siegel

JB-02-2016

Doodle Paar1

beben

beben

ich hab ihn lächeln sehen
ein beben war in mir
vielleicht ja morgens
früh um vier

bin ihm gewogen
versuche zu verstehn
dass wir uns immer immer
wiedersehn

ich glaube nun zu wissen
dass alles anders ist
ich will ihn nicht mehr küssen
zu schnell verstreicht die frist

und alles wird so bleiben
her mit der schönen gier
lass mich auf immer treiben
schön war es doch mit dir

JB-09-15

rain

Zugelassen

Zugelassen

Neu das Gefühl: Wer bist du?
Ich rate nicht mehr, lass einfach zu die Woge.
Wenn ich rätsle, wer Du für mich sein könntest
Verschwimmt hier und jetzt zu Du und ich.

Wenn ich rätsle, wer Du bist, kommt das Gefühl auf
Und ich schwimme wieder.
Wirbel durchströmen mich mit Fragen.
Tropfen treffen mich mit Sorgenquellen.

Ich hadere mit Lächeln, ich träume von anderen.
Ich versorge mich mit Barrikaden.
Du leuchtest doch wie ein Planet
und ich bin Sternengucker.

JB-09-15

auwald34

Sonderbares Glück

Sonderbares Glück

Sonderbares Glück
Wächst in den Ritzen des Versuchens.
Will ein Stück dieses Kuchens,
Verkostet mit Bauchgefühl.
Behalte in mir so viel.
Vor neuen Sorgen schützt es jedoch nie.

Ist das Glück greifbar ohne festen Halt?
Wenn alles stockt und sauer wird,
Wird doch das Glück nicht alt.

Ich sehe hin und auf ein Neues,
Wächst es wie mein Lebensbaum
Beschnitten und gegossen.
Mein einer großer Traum.
Umsorgt nicht jeden Tag,
Doch immer hier im Raum.

JB-03-2015

kastanie-muehlberg

Tropfen

Tropfen

Für jeden Tropfen zahl ich Schmerzensgeld.
Und viele Tropfen hab ich übrig für die Welt.

Wenn Krieg ist, Menschen Tode sterben.
Wenn ich so einsam bin, verzweifele am Werden.

Wenn Leute gehn, nicht wiederkommen, mich beerben.
Dann wein ich mir die Augen aus.
Dann trau ich mich auch nicht mehr raus.

Und lange geht das weiter so, ich lach nicht mehr, bin nicht mehr froh.

Doch wenn ich mir dann wieder denk: S’ist jeder Tag wie ein Geschenk.

Dann wird es besser und ich lenk mich selber hin
zum neuen Tag und allem was er bringen mag.

JB-02-15

domizil-web

 

 

 

 

 

 

 

Und wenn ich untergeh

Und wenn ich untergeh

Und wenn ich untergeh,
was nehm ich mit mit mir?

Ein Kleid aus Seerosenblättern,
eine Fackel, die auch unter Wasser brennt.

Und ich träume diese Tage
in meinem neuen Reich mir zurecht.

Wenn ich schweige in dieser Wasserzelle,
alle Wege fallen weg.

Wenn ich atme um zu tanzen,
folgen mir die weißen Wände.

Ich bin schön hier
und ich singe wieder.

JB-12-2014

auwald40

 

 

 

 

 

Vertraue mir

Vertraue mir

Ich weiß selbst nicht warum und wohin
doch Vertraue mir

Alles ist Zeit und Raum
und wir tanzen in Umlaufbahnen

Wenn ich Feuer spucke,
dann für alle Zeiten.

Wenn ich Eis werde,
dann nur um Aufzutauen.

Das Gefühl hier zu sein,
geht mit mir auf Wasserwegen.

Ich bin verdammt neu zu sein.

Zugegeben ganz bin ich nicht
ich bin Du in allem was von uns spricht

JB 12-2014

auwald35

 

 

 

 

 

 

 

Ein Tropfen Glück

Ein Tropfen Glück

Die Tropfen dieses Leidens heißen Scheu,
Vergib mir meinen Namen.
Ich hebe Dich in diesen Fluss,
Denn Du bist neu.
Ich gieß mich aus mit all den Farben.

Und wie ich fließe,
So schaust Du zurück.
Und wie ich gehe,
So bist Du verrückt.

Und wenn ich mag,
Dann hast Du mich verzückt.
Wir reichen uns dies heil’ge Glück.
Kommen zum Schluss mit großen Gaben.

8-2014 JB

Wirbelsturm