Gabe

 Fluch ist, wenn das Herz aufhört zu schlagen.
Flucht ist, wenn mein Kopf mich wanken lässt.
Gefahr, wie soll ich anders sagen,
Ist Furcht, dass was mich ausmacht, mich verlässt.
Der Spruch: „Du sollst dich selber finden!“,
Lässt mich bald mit mir selbst Verstecken spielen.
Will alles Suchen überwinden
Und mich dann im Dunkeln wieder Fühlen.
Wer hat das Schwarzlicht noch erfunden,
Das mich an Mond und Sternen zweifeln lässt?
Möchte gern im Traum das Spiegelland erkunden,
Dessen Dasein mich durch alle Tage hetzt.
Doch Gabe auch Gedanken in Gestalt zu sehen.
Und Gabe auch das Licht im Prisma aufzuspalten.
Die Verse, die daraus entstehen,
Farbenfrohe Wesen, die sich in mir selbst entfalten.


JB-03-2019

Bausatz fürs Wohlbefinden

Im Sternenzelt wie ausgekühlt, 
So sitz‘ ich hier,
Um den Kopf ganz zerwühlt,
Die Erde taumelt im All.
Gletscherschmelze mitgefühlt.

Im Viertel wird geschaut.
Im Haus wird geschlichen.
Im Traum werden riesige Welten erbaut.
Die Wolken sind bald bunt bestrichen,
Die Ungerechten ihres Goldtopfes beraubt.

Verzweiflung fühlt sich anders an,
Privileg erkannt und ins Äußere gehebelt.
Das Leben, wie ich es neu erfinden kann.
Den Regenbogen-Bausatz schon bestellt.
Wozu brauch ich da noch einen Mann?

Vor Müssen und Sollen will ich mich verstecken,
Vor Gram und Mühsal mein Haupt noch bedecken.
All die Leute, die mir ungekannt die Hand entgegenstrecken.
Wer will da nicht die Zuversicht in anderen Seelen wecken?
Will mich und andere Neu entdecken.

Das soll so sein: Verschenken und verdichten
Und geben will ich, um zu schlichten.
Mich selbst aufgeben mitnichten.
Wie die Vögel ihr Nest einrichten,
So kleide ich mein Leben in Geschichten.

JB-01-2019
Streetart – Sticker, Leipzig