Tunnelblick

War so schön in Dunkelheit
Gefiel mir, war mir Eitelkeit
Nun fällt das Licht auf meine Haut
Hab wieder nur auf Sand gebaut

Seh diesen Glanz in weiter Ferne
Da wär ich gerne
Vorbei an dem was Nähe und Pein mir verhieß
Schnell raus aus dem Pansverließ

Eine Kerze find ich vor
Und ein noch verschlossenes Tor
Ich tauche eine Hand in meine Taschen
Nehm den Schlüssel will einen Blick erhaschen

Öffne das Tor und seh nur Pflicht
Kür verdorben im Sonnenlicht
Gaben der Unterwelt von denen ich nicht esse
Da ich sonst meine Scham vergesse

Zurück am fremden Ort
Allein im Krähenhort
Ein Spiel lenkt die Augen
Töne die Angst rauben

Ein Seil gespannt durch den Raum
Ich geh darauf wie im Traum
Vertrau mir: Was ich sagen möchte
Der Berg sieht im Propheten auch das Schlechte

Die Nacht beglänzt von Sternen ist mein Haus
Der Tag von Sonne erwärmt ist meine Flucht
Wenn Augenblicke werden wie eine Sucht
Dann wird das Spiel zum Graus

Nun tanze ich den Spott aus meinen Sachen
Und singe meine Worte mit Bedacht
Was wir am Tage miteinander machen
Bleibt dunkel, was gefühlt wird zeigt die Nacht

JB-01-2018

Tand und Tempel

Farbband ohne Sinn am Firmament
Eine Spur, die Hitze in den Himmel brennt
Ein Feuer, das mich nicht wärmt
Ein Käfer, der nur andere umschwärmt

Ein Lächeln ist alles, was Du verschenken willst
Wie Du meinen Hunger niemals stillst
Fühle mein Fühlen jetzt erkalten
Kann nicht mal mehr Deine Güte im Gedächtnis halten

Mein Zugewinn, ich gehe and‘re Wege
Bau mir am Wasser neue Stege
Und fische Menschen mit meinem Herzen
Brenne oft noch an die alten Kerzen

Sandburgen hab ich oft schon mit gebaut
Sah mich doch nie als eine Braut
Keine Flucht ohne Fänger, doch das macht
mich nicht zur Jägerin in der langen Nacht

Ich träumte Liebe in Dein Herz
Ich schrieb mich ein in Deine Augen
Hab mich geirrt und all der Schmerz
Schmeckt lange nach wie bitt‘re Trauben

Ein bares Gut, wie wir die Liebe suchen
Uns töricht übers Gras erheben
Und dann zusammen Flüge buchen
Die Sonne sinkt vor uns wie unser Leben

Dann wieder neu und wieder gleich
In Dunkel getaucht und doch so leicht
Im Flimmerglitterliebesland
Ist Liebe Tand.

Zuviel: Ich tauchte ab und fand
In meinen langen Träumen
Ein grenzenloses Land
Wo Blumen kurvige Wege säumen

Tempelberg auf einem Hügel
Nichts wird dort geopfert
Und ewig floss der Strom Gefühl
Wo mein Ruf wird oft erhört

Will dieses Land nun ehren und entsagen
Der Macht, die mich in diesem Nebel irreleitet
Das Leben einer Nonne will ich planen
Und hoffen, das der Traum auch andere begleitet

Erwachen will ich und Geträumtes finden
In meiner Zeit an diesem Ort
Mich mit den Seelen anderer verbinden
Kommt Zeit, kommt Tat. Bis dahin halt ich Wort.

JB-01-2018

Systemfehler

Fehler im System
Ich schreie nicht mehr
Ich schreibe stattdessen
System mit Fehler
Ich weine nicht mehr
Ich lache stattdessen
Mitte ohne Wissen
Ich weiß nicht mehr
Ich bin stattdessen
Wissen ohne Mitte
Ich glaube nicht mehr
Ich weiß stattdessen
Traum ohne Bedeutung
Ich träume nicht mehr
Ich deute stattdessen
Trauma mit Bedeutung
Ich handle nach Maß
Weil ich sonst fühlen müsste

JB-12-2017

Schwertgürtel

Schwertgürtel

Schwerter um mich und über mir
Damoklesverschworen
Furcht daraus geboren
Fühl‘ mich gefangen wie ein Tier

Kein Gleichgewicht
Ohne die richtigen Worte
Wie ich Zweifel horte
Augen im Zwielicht

Doch meine Hände
Nehmen das erste Schwert
Tat hat sich bewährt
Das bringt die Wende

Einen machtvollen Gürtel
Knüpf ich mir mit diesen Schwertern
Werkzeuge aus Gefängniswärtern
Hoffnung zurück so schnell

Ein Schritt nach vorn
Ein Blick nach oben
Zeit verschoben
Mut geboren

Die Tür geht auf
Zu meinen Träumen
Will sie zu nennen nicht versäumen
Der Weg dahin ein heiterer Lauf

Diese meine Waffen
Wissen um die Macht
Bereit für die Lebensschlacht
Wie für mich gemacht.

JB-10-2017

Tieraugen

Tieraugen

Katzenaugen leuchten im Dunkeln
Ohne Grinsen geben sie Richtungen preis.
Einbahnstraßen erkunden.
Dabei den Mond bewundern,
Den wir alle sehen.
Doch was hören meine Ohren.
Trau ihnen nicht mehr.
Bin ich ein Wolf für sie?

Wolfsaugen leuchten im Dunkeln.
Keinen Rat weiß dieser schwere Kopf,
Der alles sieht, alles hört,
Versucht alles zu denken.
Steinerne Herzen im Bauch.
Verzweiflung am Tragen dieser Last.
Doch dann wachsen mir Flügel.

Meine Augen sehen weit.
Der Wald unter mir liegt still.
Kein Ballast mehr.
Mein eigenes Herz,
Es schlägt im Takt meiner Flügel.
Ich trage mich selbst durch die Eisenzeit
Und irgendwann wieder ein Menschenkleid.

JB-08-2017

 

Zukunftsmusik

Zukunftsmusik ist alles was ich höre.
Da ein Band aus alten Liedern,
Das ich beim Besingen zerstöre.
Und alles wach in meinem Traum.
Er traut sich selbst kaum.
Flüchtet mit weichen Gliedern.

Die Hoffnung lässt mich schreiben.
Widerlich ist, was ich nicht fühlen will.
Es dröhnt in meinem Reigen,
Unterirdisch,
Oberirdisch.
Ein unsägliches Wir-Gefühl.

High Noon
Und ich hab keine Waffe.
Die Lebenden ruhen.
Die Krähen fressen.
Die Toten erpressen.
Verdammt, was ich schaffe.

Statt auf ihn zuzugehen,
Bleibe ich.
Fühle meinen Kopf verwehen.
Kein Profil mehr.
Ausflüchte lasten schwer.
Entfremde mich.

Zwei Züge auf zwei Schienen,
Was wenn es eine wär?
Der Wahnsinn ließ mich fliegen.
Du in meinem Leben.
Allen meinen Segen.
Ohne Wiederkehr?

Nun bin ich aufgeschlagen.
Sehe wieder, was andere sehen.
Will über Nichts klagen.
Den Weisen Frauen alles sagen.
Gedanken in die Luft jagen.
Klang und Melodie entstehen.

Wer will schon Romanzen?
Dornen reichen mir ihr Gift.
Will alleine tanzen.
Den Kranz gewinnen.
Den Turm erklimmen.
Herz verschifft.

JB-07-2017

 

Adele

Adele

Du bist unfassbar.
Unnahbar im Widerschein.
Allein geh ich heim.
Fühle mich wunderwahr.

Verbindung durch Augenblicke.
Gezeichnet im Sonnenlicht.
Ich bin auf mehr erpicht.
Meine Hand durch eine Mauerlücke.

Momente kosten auf deiner Haut.
Kein Sonnenschein wärmt mich mehr.
Von dir lassen fällt mir schwer.
Deine Lippen so vertraut.

Tanzen und vergessen.
Falsche Adresse.
Du liest mir die letzte Messe.
Ich war zu versessen.

Treibend im Meer.
Keine Berührung.
Ohne Verführung.
Blätter fallen schwer.

Deine Hand schließt die Mauer.
Dein Mund sagt Worte.
Bring mich zurück an die schönen Orte.
Ich lieg auf der Lauer.

Deine Bilder an der Wand.
Alt und neu.
Was ich nicht bereu.
Deine Hand.

JB-02-2017

(nach dem Film: Blau ist eine warme Farbe, Regie: Abdellatif Kechiche)

Herkunft

Herkunft

Ich seh‘ in dir ein Häufchen Asche
Und doch bist Du jetzt hier
Ich denk von dir Du bist vergangen
Und doch bist sprichst Du zu mir

Dein Haar wie ihr’s so lang und rot
Deine Augen so voll ihres Leides
Dein Mund verlangt nach Wahrheit
Wir gehen Schritt für Schritt zum Grab

Du zeigst mir Leben und gibst es dann hin
Ich wandle in deinen Spuren
Dein Hauch verweht
Mein Heim ist nicht mehr mein Heim

Wer bin ich nun, da du mich berührt hast?
Wen suche ich, der mich leiten kann?
Ich folge dir nicht ins Banale
Kehre der Welt den Rücken für alle Zeit.

(nach dem Film „Ida“ von Pawel Pawlikowski)

JB-10-2016

Kirche Thallwitz

Ernte

Ernte

Ich hock in einer Grube,
Kein Häschen sagt Hallo.
Ich kann nicht richtig denken,
Verloren ist mein Flow.

Kein Wesen bringt mir Lieder.
Kein Mensch hält mich hier warm.
Wann kommt die Hoffnung wieder?
Verloren der heilige Schwarm.

Wann werd ich wieder tanzen?
Wann kehrt mein Glück zurück?
Will junge Bäume pflanzen,
Von denen ich bald goldne Äpfel pflück.

JB-08-2016

Brombeeren

Worte

Worte

Worte aufgeschrieben
Lachfalten geglättet
Würds so gern aufschieben
Bin ganz geplättet

Wenn ich mich umseh
Weiß nicht wohin
Wenn ich dann durchdreh
Macht nichts mehr Sinn

Nach Außen wie nach Innen
Ungeklärt und unbesprochen
Bin voll von Stimmen
Leib noch da, nicht ganz ungebrochen

JB-11-2015 (Erinnerung an Krankheit)

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Wortlos

Wortlos

Es geht um, wie es umgeht;
Gnadenlos.
Bin drauf und dran mich einzufügen.
Wenn alle Worte dich zerfetzen
Und du blind bist für Werte.
Wann hab ich bloß gewartet?
Wann bin ich los gestürmt?

Hab ich mich gefügt? Jemals und bin ich geschmolzen in der Glut ihrer Gedanken?
Wenn alles untergeht, meine Worte bleiben.
Träum von guten Tagen wie immer.
Setz mich auf die Bank und schau den Leuten zu.
Dann träum ich wieder vor mich hin.
Lass mich bescheinen.
Und ruh mich aus für meine neue Kür.

Gegangen bin ich ohne Worte und nahm Bilder mit.
Sie sind in mir gewachsen und das Licht fing sie ein.
Ich bin unter Leuten gewesen und hab dort gezaubert.
Mit meinen Händen gab ich alles preis.
Er fehlt und ich lache selten über mich.
Wenn ich tanze, gleiten Worte an mir ab und ich sprühe Leben.
Die Leute, unter die ich mich mische, sind sie wahrhaftig für mich bestimmt?
Der Träumer mit seinen blauen Augen. So rein und neu.

Wer geht die Wege wie die Worte?
Wunderbare Einkehr.
Wenn ich weiß, wie ich klinge ohne Klavier.
Du taumelst durch die Welt und ich erkenne dich.
Wie immer wieder traurig durch das Glas.

Ein Freund für mich, oh ja der beste.
An meiner Seite führt er ohne Fehl und Tadel.
Ein Ritter der Zeiten mit Stachel und Lachfalten.
Wenn ich ihn rufe ist er bald schon nah.
Und Freundschaft ist mir so viel wieder wert.

JB-08-15

auwald45

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tage wie dieser

Tage wie dieser

Jeder Schritt ein weiter Weg, in diesem Land aus Melancholie.
Ich liege hier und lasse Zeit verstreichen.
Interesse haben, wie ging das nochmal?
Morgen wird besser, muss besser werden.
Versuche mich zu beschäftigen, mit losen Dingen und lieben Menschen.

Nicht zu weit voraus planen,
Nicht zu weit in sich hinein horchen,
Nicht zu weit zurück denken.
Nicht zu viel wollen.
Ja nichts entscheiden.

Aufstehen oder liegen bleiben.
Das ist die große Frage.
Musik als Seelentröster.
Nachrichten als Auslöser.
Freunde, gern gesehen.

Durchatmen bis zum Aufatmen.
Bis dahin liegen alle Mittel brach.
Yoga hilft, Joggen hilft, Meditation hilft.
Ich bin mit mir selbst beschäftigt.
Aufstehen. Essen. Einkaufen. Reden.

So wie ich jetzt bin, das ist Tiefpunkt.
Besuche das „Land Unter“.
Absinken, um wieder aufzutauchen.

Auf zu neuen Ufern.
Frei vom Grübeln.
Frei von der Meinung anderer.
Frei vom Beherrschen wollen.
Frei vom Machen müssen.
Frei von perfekt und sofort.

Selbstwert wiederfinden.
Wege wagen.
Wunden heilen lassen.
Zeit geben.
Weitergehen.

JB 10.8.2015

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Tropfen

Tropfen

Für jeden Tropfen zahl ich Schmerzensgeld.
Und viele Tropfen hab ich übrig für die Welt.

Wenn Krieg ist, Menschen Tode sterben.
Wenn ich so einsam bin, verzweifele am Werden.

Wenn Leute gehn, nicht wiederkommen, mich beerben.
Dann wein ich mir die Augen aus.
Dann trau ich mich auch nicht mehr raus.

Und lange geht das weiter so, ich lach nicht mehr, bin nicht mehr froh.

Doch wenn ich mir dann wieder denk: S’ist jeder Tag wie ein Geschenk.

Dann wird es besser und ich lenk mich selber hin
zum neuen Tag und allem was er bringen mag.

JB-02-15

domizil-web

 

 

 

 

 

 

 

Noch ein Tag

noch ein tag

wie ich blende
gerade wieder meine phasen wende
wie ich gaunere von ihnen
diesen menschen
wie ich ziehe, drücke, schubse
mich selbst über den tag

das meer scheint mir weit
mein leid scheint so nah
warum?

wenn ich doch gründe hätte
wenn ich doch gründe hätte

und wieder doch ein tag
die sonne hilft
der mond wandelt sich mit mir

und wieder noch ein tag
sie helfen mir

JB 10-2014

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Der Herrscher

Der Herrscher

Du hälst mein Herz fest, ich leide.
Du legst mir ne Kette um, ich zerre.
Du schreist mich an, ich fliehe.

Du, der du Macht willst;
lebe mit dir selbst und wenn du andere versuchst,
folgen sie dir ins Nirgendwo.

Warum auch immer,
niemand ist da froh,
es wird nur immer schlimmer.

JB 8-2014

Alien Umbrella

Brennen im Kopf

Brennen im Kopf

Wer hilft, wenn niemand schlafen kann;
der Arzt, das Bett, die Schwester?

Wer hilft, wenn Träume baden gehen;
der Vater, der Junge, der Unheilige Sohn;
Oder doch Abwesende Liebste?

Und so geht sie dahin die Zeit,
wenn Träume brennen lernen;
wenn Körper krankend sterben.

8-2014 JB

Monster

Stammheim

Stammheim

Ulrike meine Hoffnung schwindet
und wie die Hoffnung bist du tot.
Der Traum vom wahren Wesen kündet
und in der Wahrheit steht die Not.
Doch ohne Klarheit lebt sichs schlecht
in dieser Welt aus Gier und Macht.
Und wenn ich an das Morgen denk,
dann bin ich um den Schlaf gebracht.

8-2014 JB

(die letzten beiden Zeilen habe ich von Heinrich Heine gemopst)

Atemzug

Atemzug

Welk ist mein Herz,
da es schlägt,
aber Deines nicht mehr.

Schwer meine Brust,
da sie sich hebt und Deine nicht mehr.

Trüb meine Augen,
da sie noch sehen,
wie Deine nicht mehr.

Und ich weiß, Du willst nicht, dass ich weine.
Und ich weiß,
Du willst,
dass ich lebe,
atme und erkenne.

Dass ich lebe wie Du,
bis zum letzten Atemzug
und solang‘ ich atme, will ich leben.

2-2014 JBStatue Suedfriedhof schwarz weiß

 

Farbenspiele

Farbenspiele

Wenn der Himmel schwarz
herunter tropft auf meine Füße,
hab‘ ich ihn zuvor angemalt
mit meinen Sorgen.

Wenn Sonne scheint
in meine Fenster,
ist das die Hoffnung,
auf ein heit’res Morgen.

Wenn all mein Fühlen Farbe ist,
so mal ich oft mit schwarz und blau.
Verlass‘ mich auf die Einsamkeit
und seh‘ mich als die Wolkenbraut.

Doch träum‘ ich uns in regenbogenbunt.
Und auch mein Herz das pumpt,
damit sein Rot auf meiner Haut
Dir ohne Worte alles anvertraut.

JB 1-2014

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