Narrenjahre

Dieses Zeitgefühl
Ein Schicksalsspiel
Ich tanze zu Unmöglichkeiten
Im Hunger der Gezeiten

Mahnmal vor Millionen
Will mich selbst schonen
Stolpere in ein Dilemma
Entscheidungen noch unklar

Ein Wort, das den Boden zerbricht
Stehe in meiner Pflicht
Mein Selbst nicht preiszugeben
Mir öfter zu vergeben

Erwartungen und Träume
Pflanze wieder Bäume
Aus Nussschalen baue ich Boote
Mit denen ich Tiefe auslote

Ich bin eine Frau, die fühlt
In der fruchtbaren Erde wühlt
Verschlossene Wut entfesselt
Wir haben uns so oft verzettelt

Das umso größer Alles scheint
Die Kraft, die uns eint
Ist Einfühlung und Akzeptanz
So sehen wir uns ganz

Das Heldentum ist abgewählt
Die Tage der Herrschaft sind gezählt
Da wird Turm zur Brücke verbaut
Neu wer lieben Augen traut

Traum wird Wahrheit
Mit offener Augen Klarheit
Begegne ich einem Wesen
Will in ihm lesen

JB-10-2018

 

Schwanengesang

Mein Traum ist Teilen ohne Herrschen.
Partnerschaft statt noch ein süßes Pärchen.
„Ihr passt so gut zusammen.
Vermehrt euch ohne nachzudenken.“
Ich sehe schon die Flammen
Und uns unsren Kahn den Höllenfluss hinab lenken.

Kein Teufel soll mich an dich binden.
Werd öfter suchen als finden.
Mal probieren,
Mal kennenlernen.
Dich hofieren,
Mich entfernen.

All das um einen zu erkennen.
Deinen Namen im Schlaf zu nennen.
Im Schatten hast du lang gewartet.
Dich so oft zurückgenommen.
Auf ein Lächeln hin, Gift geatmet.
Hast Schlachten verloren, doch den Krieg gewonnen.

Bin keine Helena,
Mir selber selten nah.
Doch was ich von dir sah,
Bringt mich zum Träumen.
Mein Name: Johanna.
Finde mich unter bunten Bäumen.

JB-10-2018

Darüber hinaus

Was Ermächtigung für mich heißt:
Ich erkämpfe mir meine Freiheit (zurück)
Ich erprobe, wie weit ich gehen kann
Ich ertaste Grenzen und überwinde sie
Teste aus
Ich gehe, so weit ich kann
Und darüber hinaus

Was Ermutigung für mich heißt:
Mein Leben zu leben
Ein Beispiel zu geben
Wie es auch laufen kann
Krisen anzusprechen
Und wie ich sie durchlebt habe
Probleme zu erläutern
Und wie ich sie gelöst habe

Was Entstigmatisierung für mich heißt:
Eine Krise schwächt Selbstwert, Körper nicht zuletzt Geist und Seele.
Das Umfeld re-agiert oft aus Angst, Unwissenheit, Sorge und auch mal aus Ignoranz.
Schuld ist die Folge für mich, Scham ist die Folge für mich, Angst ist die Folge für mich, Rückzug ist die Folge für mich:
STIGMA

Ich hole mir meine Unschuld zurück, ich hole mir meinen Mut zurück, ich hole mir meine Luft zum Atmen zurück, ich hole mir meine Neugier zurück auf die Welt, auf mein Wesen, auf meine Gefühle.
All das ist für mich wichtig, um zu gesunden.
Und das ist möglich: Gesund werden an Geist und Körper. Auch in dieser Welt.
Und dann anderen zu helfen, daran zu glauben und darauf zu hoffen, dass es wieder besser wird.

Leuchturmlicht
Was auch geschehen ist, ich will nicht im Trüben schwimmen.
Was auch passiert, ich will leben und das selbstbestimmt.
Klare Sicht auf das Heute ist mein Ziel, das Gestern und das Morgen verschwimmen im Spiel
der Gefühlsgezeiten, will darunter nicht mehr leiden und den Faden weiterspinnen, der mein Schicksal lenkt.
Eingedenk, derer die helfen, die da sind, die zuhören, die aufstehen und einstehen für sich und andere.
Ich will nicht kaputt gehen am System, ich will es entern und meine Sicht der Dinge offenbaren.
So wie wir waren, das ist geschehen, so wie wir sein werden, das wird entstehen, egal wie auch immer wir planen.
Und darum, bin ich gefahren und bin gelaufen und angekommen im Lauf der Wesen und dem Fluss der Gefühle, ich dreh mich um mich, ja, aber auch um meine Lieben.
Dieser Kreislauf wurde von mir nun achtsam aufgeschrieben.
Ein Lied für die Seele, die aufsteht und geht, wenn es nicht mehr geht, die sich hinsetzt und ausruht, wenn nichts mehr um sie steht, die wächst, wenn es regnet, die im Wald spaziert um Ruhe zu tanken, die in der Stadt umherstreift, um zu tanzen, die die Welt sieht im Ganzen.
Und warum nicht Blumen gießen, die in den Himmel schießen?
Das Ziel: Will wie ein Leuchtturm mir den Hafen weisen, glühen und flimmern und weiter leben und träumen und schreiben, für andere Zeiten.

 

Trostpreise

Der Traum zu bleiben ist mir neu,
Bin nur mir selber treu.
Warum nicht einem Andern?
Wie da die Blicke wandern.
Wie da der Stolz wie eine Schlucht
Vor mir klafft und versucht
Was alle Menschen wollen
Nicht müssen und nicht sollen,
Den Kampf gegen sich selbst gewinnen,
Sich auf andere einstimmen.

Trank als Wand,
Zauberstab in der Hand.
Ich glaube an das Gute,
Mir ist so zu Mute.
Ich schau mich um und bin allein,
Kann mir das gern verzeih‘n.
Kann wieder meiner Wege gehen,
Aber nicht weiter als bis morgen sehen.

Doch traue ich dem nächsten Schritt,
Mein Herz bringt Freude mit.
Begleitet meine Seelenreise,
Ich gewinn‘ gern Trostpreise.
Und fliehe nicht vor Gestern,
Mit all seinen Gespensterschwestern.
Es tat mir wohl dich dort zu sehen
Und auf dich einfach zuzugehen.

Mein Weg führt oft vorbei am Schein,
Ich möchte leben, atmen, sein.
Wie ihr auch Pläne mit mir macht,
Dazu Welt und All und Schicksal lacht,
Ich schau mich um und breche Siegel,
Mit einem blinden Spiegel.
Das Hexen und das Heilen,
Das will ich gerne teilen.

Vorbei der Spuk,
Ich will verstehen.
Über Zäune springen,
Dort Saaten säen.
Grenzen überwinden,
Ohne einzudringen.
Mich erinnern,
Wie ich Räder schlug
Und an neue Ufer schwimmen.

JB-05-2018

Doppelhelix

Ein Gespräch mit dir hat mindestens zwei Wirklichkeiten
Mein Blick ins Wurmloch der Gezeiten
Berührung ohne Geländer
Unsre Geister Grabenlose Länder

Verrinnendes Gelächter gemalt auf dunkle Dielen
Verinnerlichter Blick in meinem heiligsten Raum
Und wieder reimt sich das auf Traum
Wie unsere Münder da spielen.

Ein Zweifel lässt das Glück versiegen
Was, wenn du gehst, wenn ich mich selbst vertreibe
Und ewig in der Schleife hängen bleibe
Die es bedeutet einen Geist zu lieben

Ich wache auf und finde Frieden
Im Sternenhimmel wird die Liebe siegen
Nicht nur die Griechen schrieben Wandellieder
Mir weckt der Frühling meine angespannten Glieder

Und wenn ich Wasser in mich selbst verwandel
Und mit mir wie mit allen andern handel
Und mir die Stirn mit Sternenlicht bekränze
Dann wird das Dunkel vertrieben durch meine Feuertänze.

JB-04-2018

Seifenblasen

Erfindung deiner Rettung
In Einsamkeit verstrickt
Der Lebenden letzte Bettung
Ungeschickt

Zerplatzt im wahrsten Sinne
Meine Berater-Stimme
An der Wirklichkeit
Schleife Zeit

Ein Seltsames Bestreben dieses Leben,
Zu tun und zu lassen ganz ohne Klassen
Bomben aus Saatgut verteil ich in Erdenglut
Dann heißt vorbei: Endlich frei.

JB-04-2018

Wellenberge

Ungenügend zu beschreiben
Wie scharf Unglück riecht
Wie weit Wahn reicht
Hände aus Bitumen
Umfassen meine Sinne

Ich suche meine Stimme
Ich suche mein Morgen
Ich handle um jede Stunde
Ich kämpfe um jedes Lächeln
In mir nie mehr ein Reigen

Will etwas von mir zeigen
Will meinen Traum aufschreiben
Will die Karten nehmen wie sie kommen
Will mich wandelbar entscheiden
Vor mir eine Walfinne

Wellenberge keine Minne
Ich suche Schutz in ihrem Anblick
Ich sehe Schönheit vor dem Augenblick
Keine Furcht mehr vorm Ertrinken
Dafür Lust auf Schweigen

Ich tauche ab und höre Geigen
Das Ufer ist Erinnerung
Ein Schwarm von Fischen
Unter mir meine Welten
Die ich für mich gewinne

Atmen wie eine Wasserspinne
Schwimmen wie ein Fisch
Die Luft erinnert mich an Land
Die Füße im nassen Sand
Die Wellen umschmeicheln die Wurzeln der Weiden.

JB-03-2018

Apfelkerngalaxie

Der Knecht hat einen Schal gewebt aus Sternen
Der König legt ihn um, um zu verschwinden
Mein Held, der die Reise wählt ins All
10.000 Welten, die mein Auge will verbinden
Bieg sie mir zurecht in Form von Apfelkernen

Sandkörner unendlich wie der Raum
Mein Fuß erfasst ein Lebenslicht
Neugier kommt vor dem endlosen Fall
Die Antwort lautet schlicht
Wir leben alle einen Traum

JB-02-2018


Tand und Tempel

Farbband ohne Sinn am Firmament
Eine Spur, die Hitze in den Himmel brennt
Ein Feuer, das mich nicht wärmt
Ein Käfer, der nur andere umschwärmt

Ein Lächeln ist alles, was Du verschenken willst
Wie Du meinen Hunger niemals stillst
Fühle mein Fühlen jetzt erkalten
Kann nicht mal mehr Deine Güte im Gedächtnis halten

Mein Zugewinn, ich gehe and‘re Wege
Bau mir am Wasser neue Stege
Und fische Menschen mit meinem Herzen
Brenne oft noch an die alten Kerzen

Sandburgen hab ich oft schon mit gebaut
Sah mich doch nie als eine Braut
Keine Flucht ohne Fänger, doch das macht
mich nicht zur Jägerin in der langen Nacht

Ich träumte Liebe in Dein Herz
Ich schrieb mich ein in Deine Augen
Hab mich geirrt und all der Schmerz
Schmeckt lange nach wie bitt‘re Trauben

Ein bares Gut, wie wir die Liebe suchen
Uns töricht übers Gras erheben
Und dann zusammen Flüge buchen
Die Sonne sinkt vor uns wie unser Leben

Dann wieder neu und wieder gleich
In Dunkel getaucht und doch so leicht
Im Flimmerglitterliebesland
Ist Liebe Tand.

Zuviel: Ich tauchte ab und fand
In meinen langen Träumen
Ein grenzenloses Land
Wo Blumen kurvige Wege säumen

Tempelberg auf einem Hügel
Nichts wird dort geopfert
Und ewig floss der Strom Gefühl
Wo mein Ruf wird oft erhört

Will dieses Land nun ehren und entsagen
Der Macht, die mich in diesem Nebel irreleitet
Das Leben einer Nonne will ich planen
Und hoffen, das der Traum auch andere begleitet

Erwachen will ich und Geträumtes finden
In meiner Zeit an diesem Ort
Mich mit den Seelen anderer verbinden
Kommt Zeit, kommt Tat. Bis dahin halt ich Wort.

JB-01-2018

 

Der Eremit und die Sphinx

Wüste und tiefster Wald, wann würden sie sich treffen? Er lebt und atmet das Wissen der Bäume. Überbringt es nur selten den Menschenkindern. Sie lebt und atmet das Wissen des Sandes. Fragt die Menschen was sie träumen.

Ein Blatt vorm Mund wäscht seine Seele rein. Verlorene Pein ist sein Wesen nicht, aber Erinnerung. Daraus wäscht er das Gedächtnisgold und schmilzt es ein. In Weisheit bewahrt auf Baumkronen.

Ein Rätsel gibt ihr Wesen frei. Sie bittet um Fragen. Sie hellt alle Dinge auf, um ihren Besitzer zu verschlingen. Wahrheit ohne Gaben.

Am Wasser ruht er aus. Am Wasser leckt sie ihre Wunden. Ein Wasser trennt die heiligen Stunden. Sie sehen ihre Spiegelbilder.

Wer bist du fragt sie ihn? Bist du ein Gott?

Wer bist du fragt er sie? Bist du ein Ungeheuer?

Die Fragen verhallen auf der Spiegelfläche. Sie gehen ihrer Wege. Doch in Gedanken sieht er sie und sie sieht ihn.

Äste seine Krone. Ein Rabe sein Geleit. Allein in unsrer Zeit wie ich. Ein Geschöpf, das für sich spricht.

Aus Sand gebaut und unnahbar. Ihre Augen sprachen wahr. Und sie teilt ihr Wissen in Fragen die wir stellen müssen.

Am nächsten Tag das Wasser ruft. Beide wandern vorbei an der nassen Schlucht. Bei Delphi treffen sie aufeinander. Er wahrt ihre Größe, sie sieht seinen Traum.

Ich erkenne dich und frage dich: Wer bist du?

Ich bin auf der Suche nach meinem zu Hause. Warum fragst du?

Ich frage um zu leben. Warum bist du hier?

Ich habe dich gesehen als mein Spiegelbild. Dein Auge hat mir versprochen wahr zu sein. Täuscht es mich?

Ich täusche nie. Wahrheit ist meine Waffe. Du bist allein.

Ich bin allein mit mir und wechsle meine Orte denn mein Heim ist die Welt. Gefunden habe ich was ich suche in der Frage. Frage weiter!

Was bin ich?

Du bist der Spiegel, der zu uns Wahrheit spricht. Du nimmst meine Scheuklappen und ich sehe, was ich sehen muss. Kein Nebel hüllt mehr meinen Geist ein. Ich sehe durch dich klar.

Das Wasser hat uns geleitet. Jetzt lass uns trinken. Und sie tranken vom Wasser des Lebens.

JB-01-2018

 

Auf dem Holzweg

Warum muss ich ans Atmen denken?
So viele, die Mühe damit haben.
Menschen, die ihr Herz ungünstig verschenken,
Menschen, die am Hungertuche nagen.

Das Leben, wie es versucht, mit Einsamkeit mein Selbst zu stehlen.
Ungesagtes hallt in meinem Schädel wider.
Die Schatten an der Wand soll ich als Freunde mir erwählen.
Mein Kopf singt mir die schönsten Weihnachtslieder.

Das Leben meiner Lieben ist mir teuer.
Ich spüre einen Stich, wenn ich sie weinen höre.
Mein Herz, es atmet Eis wie Feuer.
Mein Magen, wenn ich mich am Festessen störe.

Dann weiß ich plötzlich, was ich schreiben will.
Den Augenblick, möchte ich zur Lehre ziehen.
Für meine Seele ist es fast zu viel.
Würd‘ gern in traumlosen Schlaf entfliehen.

Die Worte hab‘ ich lang gemieden.
Ein Leiden hier, das wieder Worte schafft.
Und Punkte geben Halt dem Sätze schmieden.
Drehstuhl und Schreibtisch bedeuten nicht mehr Haft.

Ein Ende will ich keinem Leben schreiben.
Solch Närrin, welche hofft und bangt.
Will ewig am Gedichte sitzen bleiben,
Denn viele sind schon irgendwie erkrankt.

Kein Witz, kein Lachen und kein Segensspruch.
So gehe ich zu Bett, allein mit meinem Denken.
Die Welt lädt auf die Menschheit manchen Fluch.
Will sich wohl vom Holzweg in die Freiheit lenken.

Sind wir uns selbst die besten Henker?
Auch wenn das widersprüchlich scheint,
Spion und Angst verbrüdern sich in jeder Schänke.
Und irgendwo dann wieder eine Witwe weint.

Das Gift auf unsren Feldern frisst uns auf.
Der Honig fließt schon bald nicht mehr.
Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Als wenn es eine Gott gesandte Plage wär‘.

Wir schreiben Zukunft und gestalten Morgen.
Wir schieben auf und handeln wie ein Kind.
Ob Lügen, Täuschung oder braune Horden,
Ein Narr spielt mit dem Leben und das blind.

Was bleibt ist Zeugnis abzulegen und zu mahnen,
Wie es die Alten tun und meine Tränen lenken.
Ich schwöre ab dem Hass und all den Fahnen.
Der Zukunft werde ich meine Achtung schenken.

JB-12-2017

Systemfehler

Fehler im System
Ich schreie nicht mehr
Ich schreibe stattdessen
System mit Fehler
Ich weine nicht mehr
Ich lache stattdessen
Mitte ohne Wissen
Ich weiß nicht mehr
Ich bin stattdessen
Wissen ohne Mitte
Ich glaube nicht mehr
Ich weiß stattdessen
Traum ohne Bedeutung
Ich träume nicht mehr
Ich deute stattdessen
Trauma mit Bedeutung
Ich handle nach Maß
Weil ich sonst fühlen müsste

JB-12-2017

Zombie-Träume

Zombie-Träume

Ich träume oft Zombie-Träume. Die Bedeutung finde ich in keinem Traumlexikon, da gibt es Geister und andere Monster aber nicht konkret Zombies. Freud kannte Romero halt leider nicht.

Ob nun mein seelischer Schatten mich überragt oder ich einfach viel zu viele Horrorfilme gesehen habe; ich habe eine Erklärung für diese Omnipräsenz von Geistlosen Hirnfressern in meinen Träumen.

Zombies sind die Monster, die mich am meisten schrecken und somit meinem Unbewussten wohl am erfolgversprechendsten vorkommen, wenn es darum geht mich aufzurütteln aus alltäglichem Verhalten und eingefahrenen Mustern.

Zombies fressen Gehirne und das Schlimmste, was mir angetan werden kann, ist mir meinen Verstand zu rauben – also eben mein Hirn zu fressen.

Nun schafft mein Kopf am liebsten – meine Lieblingsbeschäftigung ist das Schreiben. Wenn ich darüber schreibe, wie ich Angst habe den Verstand zu verlieren, dann ist das verzwickt, denn ein bisschen muss ich den Verstand verlieren, um schreiben zu können. Ist doch Inspiration der Zugang zum Unbewussten. Und sind nicht Gefühle und Erfahrungen unter der Vernunft begraben, bis sie dann doch nachts erwachen, die Hände durch viel Erdreich in die Luft strecken auf dem neblig-trübem Friedhof meiner Erinnerungen?

Wenn ich sage, ich will nicht den Verstand verlieren meine ich vor allem: Ich will die Kontrolle über meine Gedanken nicht verlieren. Ich will nicht zu einem geistlosen Hirnfresser werden, der andere geistlosen Hirnfresser produziert. Ich will also nicht trieb- oder anderweitig gesteuert, gedankenlos und seelenlos vor mich hin leben. Ich will nicht vernichten, sondern schaffen. Das tue ich im Traum mit eben diesen untoten Vorzeichen des Alltagstrotts. Und wenn ich dann aufwache, tue ich dass indem ich den Traum aufschreibe, indem ich mich wieder mehr meinen Lieblingsbeschäftigungen zuwende und mich so ver-wirkliche. Ich bin kein Monster. Ich bin ein kreativer Mensch.

Die Zombies in meinen Träumen sind oftmals nur Randfiguren. Sie scheinen (noch) nicht sonderlich bedrohlich. Sie bringen mich aber dazu, Hürden zu überwinden, mich zu trauen, was ich mich sonst nicht traue, nämlich Türen zu öffnen, die sonst verschlossen geblieben wären: Auszubrechen aus dem Alltag, mich hinzusetzen und über Zombie-Träume zu schreiben. Dafür meinen Dank an mein Gehirn.

JB-11-2017

Ringkampf

Ringkampf

Wer klein ist, will ganz hoch hinaus,
Wer ’ne Wohnung hat, will doch ein Haus.
Die Schatten tanzen in deinem Gesicht,
Wenn der Herr über seine Erfolge spricht.

Lass einfach das Geld für dich sprechen,
Dann werden fremde Knochen brechen.
Neid und Missgunst wegen Ungleichheit,
Hass und Morde erzeugen Generationenleid.

Die Menschen fühlen sich allein,
Lassen sich auf Süchte ein.
Kinder, die ausreißen,
Alte, die verweisen.

Die Welt ein Ringkampf,
Jedes Wollen ein Krampf.
Jeder Tag ein neuer Sieg,
Wenn nur ein anderer am Boden liegt.

So manche erwachen aus dem Lebensrauschen.
Wollen wieder den Vögeln lauschen.
Wollen begreifen und erfahren.
Die Menschheit vor weiterem Leid bewahren.

Tanzen in andere Zeiten,
Erringen von Möglichkeiten.
Auf andere Menschen achten,
Die Macht entmachten.

Der Staat ist nicht mehr Diktatur,
Da ist nur noch Erde ohne Richtschnur.
Auf dem Markt treiben sie wieder Handel.
Welt befindet sich im Wandel.

Und willst du das Fremde umarmen,
Dich einem angstvollen Blick erbarmen.
Dann öffnen sich weite Räume.
Für alle die besten Träume.

JB-11-2017

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Regenbogenschmiede

Regenbogenschmiede

In meiner Erinnerung
Schwankt das All
In meinem Herzen
Kocht das Blut
Versuch es erneut
Und komm zu Fall
Das schürt die Glut

Ich bin hexenfrei
Weiß von magischen Orten
Ich bin seelenoffen
Kreise um andere Menschenbilder
Quell der Einsamkeit versiegt
Such nach passenden Worten
Male unverhoffte Schilder

Dampf steigt auf
Sonnenstrahlen tanzen
Die Farben teilen sich
Der Wind trägt Stille
Regenbogenschmiede
Beglückt die wilden Pflanzen
Stark mein neuer Wille

JB-11-2017

Treibgut

Treibgut

Symptome abgeschaltet,
Seele verwaltet.
Worte schallen,
Sie verhallen.
Akten sichten,
Köpfe ausrichten.
Warten und sich quälen,
In stummen Sälen.
Voller Diagnosen.

Das bedeutet Krank,
Öffnet den Medizinschrank.
Helfen müssen,
Mit festgeschriebenen Schlüssen.
Doch da ist kein Leid,
Der Raum wird weit.
Das nächste Kleid,
Hexenmaid.
Flieht vor dieser Welt.

Warum der Schimmer der Gedanken,
Mir hilft nicht mehr zu wanken?
Warum mein Herz sich weitet,
Keinen Kummer mehr verbreitet?
Warum mein Geist mir Worte sagt,
Nicht mehr das schwere Los beklagt,
Sich auf neue Wege wagt,
Schwierige Fragen fragt?
Zuversicht

Verstand, Körper und Seele,
damit ich nichts verfehle,
wenn ich dies Bild wähle:
Segel, Boot und Wasser,
Die Umnachtung macht das blasser.
Was davon leitet mich?
Was umkleidet mich?
Was beschreibt mich?
Was davon kann brechen?

Ein Los ist da es einzusetzen,
Was hilft es sich den Wendungen zu widersetzen?
Mein Segel will Wind,
Tanzt wie ein Kind.
Mein Boot will Wellen,
Begreift die Stromschnellen.
Der Wasserfall,
Bedeutet Zerfall.
Ich bin Treibgut.

JB-11-2017

Ruheraum

Ruheraum

Ich gehe manchmal einen Weg, von dem ich weiß, dass er nicht meine Bestimmung ist und werde geführt an einer Leine der Versuchung durch Länder des Stillstandes.

Dabei sind da Orte der Besinnung, die meist Orte des Schreibens sind.

Beim Schreiben besinne ich mich auf die Zeit, verbinde Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges. Knüpfe einen Flickenteppich, den ich dann in mein Zimmer hänge und Traum vergessen betrachte, wenn Muße ist, wenn die Muse gegenwärtig ist.

Und was ist Gegenwart für mich? Der Moment – ausgekostet. Zur Ruhe kommen im Augenblick.

Wenn dann die Fragen aufkommen, die mein Selbst mir aus den Tiefen meines Bewusstseins heraus stellt, dann will ich mich diesen stellen: Was will ich? Wer bin ich? Wohin leitet mich mein Weg?

Ich will meinen Willen begreifen. Ich will mein Schicksal in die Hand nehmen und im Sein die Tat finden, die mich sein lässt. Auf das ich bin und weiter werde, was ich bin.

Ich bin ein Bewusstsein unter vielen, das sich dessen bewusst ist, dass es ist. Unter Sternen wandle ich auf der Suche nach mir selbst. Im Kreis gehen oder ruhen, Spiegelbilder suchen oder sich finden. Mir begreiflich machen, wer die Hände führt, die dies schreiben.

Schreiben ist ein Weg zur Selbstfindung, ja. Nicht für Geld, nicht um Zeit totzuschlagen schreibe ich. Ich schreibe den Tag, ich schreibe die Nacht, ich schreibe die Zeit in meinem Leben fest. Erinnerung in Worten festgehalten, um zu umfassen, was mir geschieht und was ich geschehen lasse. Doch wohin wird mich das führen?

Oft habe ich Anleitung gesucht für den „richtigen“ Weg, das „richtige“ Leben. Doch jedes Leben ist wertvoll, wie auch immer wir es aushalten oder ausgestalten. Sobald mir ein Mensch aus seinem Leben erzählt, höre ich zu und lerne; höre ich zu und lebe. So sind wir für uns gesehen Lehrende und Lernende des Lebens und unsere Fehler retten andere, die Fehler machen, die uns retten.

Erfahrungen machen uns aus. Fehler machen uns aus. Siege, Niederlagen – einfach Versuche.

Neugier auf das Kommende ist die Triebfeder. Meine Füße laufen und erfassen dabei die Beschaffenheit des Bodens, die Augen sehen und die Ohren lauschen. Das Rauschen in meinem Kopf. Das Leben hinter meinem Leben. Es ist eine Ohnmacht, die mich schreiben lässt. Was immer Muster wird; aus diesem Rauschen heraus geboren, was immer wird aus diesem Schreiben.

Sinn finden aus der Wahrnehmung heraus und alle Form will Gestalt werden.

JB-10-2017

Dazwischen

Dazwischen

Die Stimme einer Göttin,
Versucht mich zu wecken.
Will mich davor verstecken,
Seh‘ darin keinen Sinn.

Diese Welt ist doch so wage,
Die Menschen so nüchtern.
Wie wir uns in Süchte flüchten,
Wie ich an meinem Selbst schwer trage.

Keine Magie gefunden,
Nicht in Liebe noch in Vergebung.
Der Nichtigkeit Ehrung.
An Logik mein Leben gebunden.

Da bricht es hervor,
Das Gefühl, da ist mehr.
Die Einsicht so schwer,
Ein noch geschlossenes Tor.

Da ruft sie wieder,
Tanzt auf den Hügeln.
„Sollst dich nicht fügen,
Schreib auf meine Lieder!“

Auf dem Grat zu wandeln,
Balance zu finden zwischen Welten.
Wie sonst meine Sinne mich schelten,
Das Dazwischen lässt mich handeln.

JB-10-2017

 

Tränenfluss

Tränenfluss

Eingemauert von Sorgen
Versteh ich meinen Gang
Zu Fuß
Zum Tränenfluss
Am Tiefen Wald entlang
Dort will ich Weisheit borgen

Genuss in neuen Bechern
Mein Fang ganz verwegen
Ausfahrt
Neue Tat
Mit spitzem Degen
Und Pfauenfächern

Spur verloren
Irren in Stromschnellen
Wellen
Dellen
Schreie gellen
Flut geboren

Der Kreis spuckt mich aus
Ich fühle mich angekommen
Einsam
Heilsam
Angenommen
Mein neues Haus

Mein Selbst neu erfunden
Zauber im Blick
Die Tränen fließen
Die Seelenblumen sprießen
Will nicht mehr zurück
Die Welt jetzt erkunden

Deinen Traum aufgehoben
Mit Wassern gewaschen
Gehegt
Gepflegt
Wahrheit in Flaschen
Will sich austoben

Vorbei meine Suche
Vorbei meine Flucht
Erkennen
Benennen
Fühlen ohne Schlucht
Im roten Tuche

Der Weg führt oft
Durch tiefe Pfützen
Schuhe im Matsch
Worte ohne Klatsch
Pfade verknüpfen
Weisheit unverhofft

JB-10-2017

 

Menschenbild

Menschenbild

Wie ein Welpe warte ich auf Nahrung
Die weise Offenbarung
Seelenfutter, Herzenssaft
Lebensart und Tatenkraft

Ich sitze hier in meiner Zelle
Schreib meine Träume nieder
Wart drauf, dass ich kläffe und belle
Geh in zu engem Mieder

Kein Baum, der in die Höhe ragt
Kein Mond, der meine Furcht bescheint
Kein Mensch, der Liebesworte sagt
Traurig, auch wenn es sich reimt

Ein Fahrzeug bahnt sich seinen Weg
Die Sonne rahmt es ein
Wenn ich Töne in meinen Mund leg
Sprech ich sie in einen Flüsterschrein

Vergessen die Pein im Licht zu stehen
Genieße warme Glieder
Und ich will mit dem Wind verwehen
Die Bunten Farben malen Lieder

Ich nehm mir einen Stift
Mal einen Menschen neben mich
Dein Auge süßes Gift
In meinem Herzen halt ich Dich

JB-09-2017