Lebenswege

Ist das Du Gefahr geworden?
Schräg lachen Dächer mir entgegen
Wohn an viel bewachten Orten
Schmutz und Unrat auf Lebenswegen

Doch die Angst, die wohnt in mir
Drückt sich aus in leisem Wort
Wie ich im Gang gefrier
Gedanken sind fort

Die Glocken läuten mich dann wach
Spür wie ich immer weiter geh
Mein Haar ein schützendes Hausdach
Neu und gierig wie ich mich umseh

Mein Stolz verrät kein Drohen
Mein Wahn liegt in Eiswasser
Will mein Erleben schonen
Das macht das Beben umso krasser

Kann nicht flüchten
Kann nicht vergessen machen
Kann nur weiter verdichten
Verse aus dem Dreck scharren

Beweis, dass es Dich gibt
Verrat mir ein Wunder
Wer heute mit Kraft liebt
Macht die Welt ein Stück bunter

JB-09-2017

 

Tieraugen

Tieraugen

Katzenaugen leuchten im Dunkeln
Ohne Grinsen geben sie Richtungen preis.
Einbahnstraßen erkunden.
Dabei den Mond bewundern,
Den wir alle sehen.
Doch was hören meine Ohren.
Trau ihnen nicht mehr.
Bin ich ein Wolf für sie?

Wolfsaugen leuchten im Dunkeln.
Keinen Rat weiß dieser schwere Kopf,
Der alles sieht, alles hört,
Versucht alles zu denken.
Steinerne Herzen im Bauch.
Verzweiflung am Tragen dieser Last.
Doch dann wachsen mir Flügel.

Meine Augen sehen weit.
Der Wald unter mir liegt still.
Kein Ballast mehr.
Mein eigenes Herz,
Es schlägt im Takt meiner Flügel.
Ich trage mich selbst durch die Eisenzeit
Und irgendwann wieder ein Menschenkleid.

JB-08-2017

Zukunftsmusik

Zukunftsmusik ist alles was ich höre.
Da ein Band aus alten Liedern,
Das ich beim Besingen zerstöre.
Und alles wach in meinem Traum.
Er traut sich selbst kaum.
Flüchtet mit weichen Gliedern.

Die Hoffnung lässt mich schreiben.
Widerlich ist, was ich nicht fühlen will.
Es dröhnt in meinem Reigen,
Unterirdisch,
Oberirdisch.
Ein unsägliches Wir-Gefühl.

High Noon
Und ich hab keine Waffe.
Die Lebenden ruhen.
Die Krähen fressen.
Die Toten erpressen.
Verdammt, was ich schaffe.

Statt auf ihn zuzugehen,
Bleibe ich.
Fühle meinen Kopf verwehen.
Kein Profil mehr.
Ausflüchte lasten schwer.
Entfremde mich.

Zwei Züge auf zwei Schienen,
Was wenn es eine wär?
Der Wahnsinn ließ mich fliegen.
Du in meinem Leben.
Allen meinen Segen.
Ohne Wiederkehr?

Nun bin ich aufgeschlagen.
Sehe wieder, was andere sehen.
Will über Nichts klagen.
Den Weisen Frauen alles sagen.
Gedanken in die Luft jagen.
Klang und Melodie entstehen.

Wer will schon Romanzen?
Dornen reichen mir ihr Gift.
Will alleine tanzen.
Den Kranz gewinnen.
Den Turm erklimmen.
Herz verschifft.

JB-07-2017

Schild und Welt

Es rufen die Schattenwälder,
Blicke verraten Nichts.
Seinen Schild hält er,
Bar jedes zweiten Gesichts.

Hohn prallt ab von meinem Schild.
Das Leben geht weiter.
Bin mal munter und mal wild.
Draußen mal wolkig mal heiter.

Und will ich mich binden?
Mit jemandem so nah auch tanzen.
Will mich doch selber finden.
Wie geht das in einem Topf mit zwei Pflanzen?

Gericht und Urteil für die Masse.
Ich sitz‘ daheim, ich schreibe.
Sie gehen gemeinsam auf die Straße.
Was, wenn ich drinnen bleibe?

Wie außen und innen Verbinden,
In einer Welt so ungleich und feindlich?
Wie neue Wege verkünden?
Wie neu werden ohne dich?

Ein Blick und ich bin hier und jetzt.
Das Schild senkt sich hinab.
Wenn er mir auch meinen Glauben zerfetzt.
Weiß, dass ich einen Grund zu glauben hab.

Rollen wir die Welt auf andren Wegen.
Das Schaf in mir verschenkt gebrauchtes Glück.
Ich geb es dir und meinen Segen.
Will nur mein Herz zurück.

JB-07-2017

 

 

 

Dunkelheit

Dunkelheit

Es umfasst mich die Dunkelheit.
Ich sage: „Geh!“
Geh spielen mit deinen Kindern.
Geh jagen im weiten Wald.
Geh fort von mir und bald,
Bin ich allein und ohne Furcht.
Das Morgen ist mir wieder hold.
Ich finde mich mir innerlich verbunden.
Die Dunkelheit für heute überwunden.

JB-06-2017

 

 

 

Dauerregen

Wildes Leben in meinem Kopf
Bestien laden ein Ich zu sein
Wählen zwischen Lachen und Pein
Wenn ich an ihre Türen klopf

Rot und schwarz und grau
Blau dazu gemischt
Ich springe in die Regengischt
Dame, Biest, ganz Frau

Das Lachen und das Weinen
Das Hoffen und das Fürchten
Kann nur vor Anderen flüchten
Und auch nur mit meinen Beinen

Ihr Reden hallt in meinem Schädel
Als wäre er hohl, mein Ohr ein Mikrofon
Ich wünsche mir Regen, ganz monoton
Leg um meinen Gedankenhebel

Wünsche werden Rauch wie Nebel
Worte sind mit mir so oft allein
Da draußen im Gossip Rampenschein
Hab dafür kein angeborenes Faible

Das dann in Reime verwandeln
Die Welt da draußen denken wie sie ist
Wenn wieder eine vor mir wird geküsst
Bin ich dabei ganz neu mit dir zu handeln

JB-06-2017

 

 

 

Herz geboren

Herz geboren

Unter Klängen gewandert
Aufgestanden, um zu verstehen

Darum darf diese Welt nicht untergehen
Die Irren haben es begriffen
Begreifen werden es auch alle andern

Wenn wir bis zum Rand des Abgrunds wandern
Sind wir nicht mehr fern den weiten Schiffen
Aufnehmen werden die uns kaum

Was Wahn ist und was Traum
Vergebens alle Müh‘ zu unterscheiden
Wenn sich Leute am Vergessen weiden

Und alle sich wandeln zu Meeresschaum
Wer Tod erleidet und wer Leben
Wer Freude sucht im Netze weben

Zusammen finden wir den Ausgang
Sonst wird dieser Tunnel endlos lang

JB-04-2017

 

Auferstanden

Auferstanden

Schauer im Regenbogen
Von der Erde aufgehoben
Wallen meine Haare
Auf der Totenbahre

Blicke ohne Richtung
Der Jungfrauen Ächtung
Kein Unglück ist geschehen
Das kann niemand verstehen

Allein fast unter Männern
Verloren im Erinnern
Aufgabe ist aufgegeben
Träume wichtig aufzuleben

Auferstanden und umnachtet
Was, wenn niemand auf mich achtet
Schlüpfe aus der Tarnung
Für jeden eine Warnung

Der Tanz beginnt im Heben
Die Erde wird erbeben
Ich gebe meinen Segen
Dem ewig wahren Leben

JB-03-2017

 

 

 

Widerhall

Widerhall

Geborgte Stille in meinem Herzen.
Ein Blick, der im Raum steht wie ein Wasserstrahl.
Wenn ich mich falte vor Qual.
Fiktive Schmerzen.

Eine Hand im All,
Unerreichbar weit.
Nichts zu seiner Zeit.
Verfehltes Schweigen kommt vor dem Fall.

Tunnelblick und Weitsicht.
Rollende Steine vor meinem Gesicht.
Niemand hält Gericht.
Wartende sind in der Pflicht.

Schall wie Fall.
Morgen und Wiederkehr.
Nichts wollte ich so sehr.
Ein Widerhall.

JB-02-2017

Ungesagtes

Ungesagtes

Gedanken perlen ab von diesen Augen,
Will mir kein Urteil erlauben.
Wahrheit oder Pflicht,
Ganz so einfach ist das nicht.

Erlebnisse aufgestapelt,
Hinein in die Traumwelt.
Wenn ich an diese Tür klopf,
Hab ich Bilder vom Niemalsland im Kopf.

Und trotzdem schweige ich.
Leise verneig ich mich.
Dein Lächeln, ein Pfad in den Dunst.
Weiterlachen meine Kunst.

Loslassen und Leben erfassen.
Wieder unter Massen.
Ein weißes Licht erlischt in Farben.
Über mir kreisen weise Raben.

JB-02-2017

Bindung

Bindung

In diesem Traum wie im Netz gefangen,
Graben nach dem Schatz.
Das Schiff ist wohl mit Dir untergegangen.
Was für ein trostloser Satz.

Bekleide mich mit Bildern der Vergangenheit.
Gehe die Stufen ins Beben hinab.
Die Hoffnung braucht Liebe und auch Zeit.
Doch die wird mir knapp.

Eine Blüte öffnet sich im Licht,
Tau tropft herab.
Du nimmst mir gleißend die Sicht.
Was, wenn ich dieses Band jetzt kapp?

Was Zauber war ist wie ein Bann,
Der mich an gestern bindet.
Ich lebe und ich frage wann,
Mein Selbst sich den Fesseln entwindet?

JB-01-2017

Mondumnachtet

Mondumnachtet

Will morden unter meiner Haut
Ein Kleid, das brennt
Ein Kessel, der braut
Ein Weg, der trennt

Umwindet mich der alte Wein
Ich lass nicht los
Will standhaft sein
Nie mehr machtlos

Garten und Gebälk
Worte sind was bleibt
Geh unter im Gewölk
Bin vor nichts mehr gefeit

Ein Tag ist vorbei
Der Mond will wachsen
Das Tier in mir ist frei
Mache nächtliche Faxen

Wie ich Dich suche
In meinem Innern
Mich selbst verfluche
Will nicht verkümmern

Einsame Wanderung
Durch Traumgewinde
Hin bis zum Aufschwung
Wie ich mich schinde

Heilung ohne Atem
Pfade ohne Dich
Segne den Paten
Wahrheit versehentlich

JB-11-2016

nachthimmel

Herkunft

Herkunft

Ich seh‘ in dir ein Häufchen Asche
Und doch bist Du jetzt hier
Ich denk von dir Du bist vergangen
Und doch bist sprichst Du zu mir

Dein Haar wie ihr’s so lang und rot
Deine Augen so voll ihres Leides
Dein Mund verlangt nach Wahrheit
Wir gehen Schritt für Schritt zum Grab

Du zeigst mir Leben und gibst es dann hin
Ich wandle in deinen Spuren
Dein Hauch verweht
Mein Heim ist nicht mehr mein Heim

Wer bin ich nun, da du mich berührt hast?
Wen suche ich, der mich leiten kann?
Ich folge dir nicht ins Banale
Kehre der Welt den Rücken für alle Zeit.

(nach dem Film „Ida“ von Pawel Pawlikowski)

JB-10-2016

Kirche Thallwitz

Ernte

Ernte

Ich hock in einer Grube,
Kein Häschen sagt Hallo.
Ich kann nicht richtig denken,
Verloren ist mein Flow.

Kein Wesen bringt mir Lieder.
Kein Mensch hält mich hier warm.
Wann kommt die Hoffnung wieder?
Verloren der heilige Schwarm.

Wann werd ich wieder tanzen?
Wann kehrt mein Glück zurück?
Will junge Bäume pflanzen,
Von denen ich bald goldne Äpfel pflück.

JB-08-2016

Brombeeren

Was bleibt

Was bleibt

Was bleibt mir, wenn in dunklen Nächten,
Gedanken und Gefühle knechten?
Und über den Tag gesehen,
Da will ich nichts mehr verstehen.

Was bleibt zu tun, wenn ich in dieser Haut,
Unruhe und Not nur spüre?
Wenn ich gedanklich friere.
Mein Körper zahlt die Maut.

Was bleibt, wenn ich so Vieles will?
Viel tun, viel spüren, Vieles denken.
Kann mir nicht den Kopf verrenken.
Die Wahrheit ist das Ziel.

Da steht es nun geschrieben.
Und da steckt Heilung drin.
Erkennen und verwinden.
Gleichgewicht finden.
Dazu Ruhe und Maß; das macht Sinn.

JB-05-2016

Zauneidechse gruen im Gestruepp

Menschen

Menschen

Ich schnitze mich aus einem Weidenstock,
Den Körper, den Kopf, meine Frisur.
Ich leide unter Menschen, bekomme oft ’nen Schock.
Brauch Ruhe oder Leben, was wird meine Kur?

Du fehlst in diesem Stadt-Gewimmel.
Ich finde dich nicht mehr.
Ich gehe unter einem grauen Himmel.
Das Herz ist einsam und es wird mir schwer.

Da sind die Freunde und sie scheinen fern.
Da ist der Beste, der ist unterwegs.
Hab‘ Menschen wohl einfach zu gern.
Ich lebe diese Wahrheit und das stets.

JB-05-2016

Burgruine schwarz weiß

Bannkreis

Bannkreis

Im Bann meiner Träume
Meine Schuld lastet schwer auf Dir
Mein Soll und Haben wiegt ungleich
Frisst sich in die Seele
Wenn ich mich wieder quäle
Mit dem Morgen
Und das Lasso wähle
Zu treiben und zu binden
Den Magier zu finden
Ich bin hier

Im Bann der Mähne
Ich lasse meine Löwen los
Wer mich versucht
Den bekämpfe ich gnadenlos
werd ungehemmt nach Hause gehen
Und der Zukunft
Hoffend entgegen sehen
Die Gnade liegt auf dem Grund
Ich schwimme mich gesund
Ich bin jetzt

JB-04-2016

Zauneidechse auf Kompost

 

 

 

 

Ein Versprechen

Ein Versprechen

Wenn du mich anschaust
Verspricht mein Herz mir mehr
Bin ganz ausgelaugt
Denn die Leere ist nicht fair
Stoßen zusammen
Fallen auseinander
Sping‘ aus dem Rahmen
Wenn ich alleine lande
Spüre so viel
Sage so wenig
Seh‘ doch mein Ziel
Sind wir uns einig?
Will dich nur schauen
Sprechen das fällt mir schwer
Will mich nicht quälen
Trag‘ in mir ein ganzes Meer
Wenn du mal mit mir bist
Unschuld und Hoffnung
Sind dann schnell in der Pflicht
Wage den großen Sprung

JB-03-2016

Thomas G.

Thomas G.

Hab ich Dich zerstört?
Deine Leber zerfressen?
Will Dich nicht vergessen
Hab‘ Deinen Ruf nie erhört

Co-Abhängigkeit seit meiner Kindheit
Wie ein flüssiges Kleid
Mit Küssen von Leid befreit
Sag Du mir, warum er schreit

Zu schlau zu leben warst Du
Immer drei Schritte voraus
Nun ist Dein Leben aus
Kommst Du jetzt endlich zur Ruh?

Getroffen hab ich Deinen Geist
Geredet über Gießkannen
Wie sie Dich holen kamen
Mein Herz war zu früh schon vereist

Hätt‘ ich Dich retten können?
Kaputt wie ich bin
Mein Herz, meine Seele flog zu Dir hin
Wollt Dir doch die Nähe nicht gönnen

Nun bist Du tot
Nun bist Du nicht mehr hier
Was bleibt ist ein Kuss im alten Revier
Und ich hab‘ mit Liebe meine liebe Not

JB-02-2016