Lebenswege

Ist das Du Gefahr geworden?
Schräg lachen Dächer mir entgegen
Wohn an viel bewachten Orten
Schmutz und Unrat auf Lebenswegen

Doch die Angst, die wohnt in mir
Drückt sich aus in leisem Wort
Wie ich im Gang gefrier
Gedanken sind fort

Die Glocken läuten mich dann wach
Spür wie ich immer weiter geh
Mein Haar ein schützendes Hausdach
Neu und gierig wie ich mich umseh

Mein Stolz verrät kein Drohen
Mein Wahn liegt in Eiswasser
Will mein Erleben schonen
Das macht das Beben umso krasser

Kann nicht flüchten
Kann nicht vergessen machen
Kann nur weiter verdichten
Verse aus dem Dreck scharren

Beweis, dass es Dich gibt
Verrat mir ein Wunder
Wer heute mit Kraft liebt
Macht die Welt ein Stück bunter

JB-09-2017

 

Gedankensprünge

Gedankensprünge

Ein Feld aus Gedanken
Celan ist clean
Und ich Suche Antwort
In der Schrift
Vollkommenes Schweigen
Rat auf Rad
Erweitertes Ich Du
Hohles Einzel
Magisches Ganzes
Die Karten hoffen
Auf Morgendlichen Tanz
Identität gekrümmt
Versagen gemeistert
Spiel gespielt
Zerrspiegel Ich Raum Du

JB-09-2017

 

Revolution Gefühl

Revolution Gefühl

Liebe in Zeiten der Sucht
Hass in Zeiten der Vernetzung
Alle bevorzugen Flucht
Träumen in alter Besetzung

Wenn das Haus der Kälte Zuflucht scheint
Der eigene Name verschwimmt
Die Neuigkeit über Geschichte schweigt
Die Wut alle Sorgen nimmt

In meinem Inneren kein Streit
Der lacht in gewohnten Straßen
Bin zu Vielem bereit
Und von Häme nicht zu fassen

Revolution auf meiner Seite
Mit Worten Laut und Leis
Vor mir die grausame Weite
Alles hat seinen Preis

Verloren hetzen leere Münder
Bis Erde sie füllt zuletzt
Für sie ist immer Winter
Mein Gesicht mit Frühlingstau benetzt

Und Liebe eine Traube
Von der ich pflücke was ich will
Will unter keine Haube
Ehre das Wir-Gefühl

Wer hofft, der leidet.
Ja, das stimmt.
Doch wenn man alles meidet.
Die Zeit schnell verrinnt.

Dann schaut man auf die Uhr
Die Zeiger stehen still.
Dann hört man nur:
Ich tu was ich will.

Ich schreibe Blumenwiese
Ich lebe Jahreszeiten
Ich leide und genieße
Und male mit Straßenkreiden

Geborgen, ausgeliefert
Lachen, weinen, tanzen
Der Neid flieht geteert und gefedert
Will jeden Tag Bäume pflanzen

JB-08-2017

 

Tieraugen

Tieraugen

Katzenaugen leuchten im Dunkeln
Ohne Grinsen geben sie Richtungen preis.
Einbahnstraßen erkunden.
Dabei den Mond bewundern,
Den wir alle sehen.
Doch was hören meine Ohren.
Trau ihnen nicht mehr.
Bin ich ein Wolf für sie?

Wolfsaugen leuchten im Dunkeln.
Keinen Rat weiß dieser schwere Kopf,
Der alles sieht, alles hört,
Versucht alles zu denken.
Steinerne Herzen im Bauch.
Verzweiflung am Tragen dieser Last.
Doch dann wachsen mir Flügel.

Meine Augen sehen weit.
Der Wald unter mir liegt still.
Kein Ballast mehr.
Mein eigenes Herz,
Es schlägt im Takt meiner Flügel.
Ich trage mich selbst durch die Eisenzeit
Und irgendwann wieder ein Menschenkleid.

JB-08-2017

Die Insel

Die Insel

Göttin schenk mir Zeit allein.
Fühl mich so klein.
Ich will noch wachsen.
Verhöhn die alten Nachtmahrfratzen.
Im Wolkenturm bin ich daheim.

Berufung Eremit.
Ein Mensch, der Massen flieht.
Einsiedelei bewohnt.
Einsamkeit gewohnt.
Ein See, in dem du Wahrheit siehst.

Will lachen im Spiegel der Sternennacht.
Der Mond ist voller Wassermacht
Und hat mein Blut gekühlt.
Hab in der Glut gewühlt,
Des Feuers, das dich ausmacht.

Eine eiserne Menschenhand.
Mein Leben war plötzlich ohne Tand.
Bin zurück in die Wolken geeilt.
Hab dort meine Wunden geheilt.
Segen im Ort ohne Land.

Ein Wunsch, der bleibt.
Was mich zurücktreibt,
Zum Feuer hin,
Mein eiserner Gewinn.
Auch dein Herz dort lag.
Wie sanft ich es barg.
Es schläft bei mir.
Ganz wie ein Tier.
Und wenn ich es wecke,
Deinen Traum erschrecke,
Dann tanzen die Flammen.
Und wir sind zusammen.

Erblicke Land,
In Form einer Hand.
Ein Wunsch nach Nähe.
Wie auch ich in die Ferne spähe.
So fällt die letzte Wand.

JB-08-2017

 

Freund und Feind

Freund und Feind

Wie die Zeiten sich neu benennen,
Kehr ich den Mist zur Tür hinaus.
Wenn Mäuse in Fallen rennen,
Schalt ich die Lampen aus.

Die Wut versiegt in Sommerhitze,
Der Tag zählt seine letzten Stunden.
Im Kopf mach ich die besten Witze,
Nach außen hin, pfleg ich alte Wunden.

Zugluft und Enge und ich schreibe,
Dem Gefühl die treuen Sinne ab.
Wie ich stur beim Lesen sitzenbleibe.
Sammel ich alle Kräfte, die ich hab.

Denn Feiern will ich dieses Jahr,
Bei allem Schlimmen, was geschah,
Ist denkbar Gutes für uns wahr,
Was Lied und Text gebar.

Inspiration und Zeitenwende,
Wenn ich auch ohne Alles Ende,
Was ich geschrieben, kann mir keiner nehmen,
Lass mich nicht durch Zukunft lähmen.

Ein Satz bleibt in Erinnerung:
Keine Zeile ohne Eingebung.
Wer Quelle ist, wer Muse,
Mit dem steh ich auf gutem Fuße.

Solang ich atme will ich leben,
Den Schleier zum Gruße für euch heben.
Mal lachen und mal weinen,
Die Feinde mit den Freunden einen.

JB-08-2017

 

Zukunftsmusik

Zukunftsmusik ist alles was ich höre.
Da ein Band aus alten Liedern,
Das ich beim Besingen zerstöre.
Und alles wach in meinem Traum.
Er traut sich selbst kaum.
Flüchtet mit weichen Gliedern.

Die Hoffnung lässt mich schreiben.
Widerlich ist, was ich nicht fühlen will.
Es dröhnt in meinem Reigen,
Unterirdisch,
Oberirdisch.
Ein unsägliches Wir-Gefühl.

High Noon
Und ich hab keine Waffe.
Die Lebenden ruhen.
Die Krähen fressen.
Die Toten erpressen.
Verdammt, was ich schaffe.

Statt auf ihn zuzugehen,
Bleibe ich.
Fühle meinen Kopf verwehen.
Kein Profil mehr.
Ausflüchte lasten schwer.
Entfremde mich.

Zwei Züge auf zwei Schienen,
Was wenn es eine wär?
Der Wahnsinn ließ mich fliegen.
Du in meinem Leben.
Allen meinen Segen.
Ohne Wiederkehr?

Nun bin ich aufgeschlagen.
Sehe wieder, was andere sehen.
Will über Nichts klagen.
Den Weisen Frauen alles sagen.
Gedanken in die Luft jagen.
Klang und Melodie entstehen.

Wer will schon Romanzen?
Dornen reichen mir ihr Gift.
Will alleine tanzen.
Den Kranz gewinnen.
Den Turm erklimmen.
Herz verschifft.

JB-07-2017

Das Wunder

Fesselballon befreit
Lichterketten aufgereiht
Trugschlüsse entsperrt
Glück vermehrt

Himmelsrichtungen erweitert
Leute erheitert
Räume erhellt
Weichen gestellt

Ein Traumbuch schreiben
Im See die Zeit vertreiben
Wünsche werden wahr
Reisen machen klar

Das Wunder ist der Tag
Das Wunder
Das Wunder jetzt zu leben
Das Wunder

JB-07-2017

 

Es geht anders

Der Durst kommt in Plastikflaschen.
Das Geld landet in tiefen Taschen.
Der Verkehr kollabiert.
Schon mal nen SUV ausprobiert?
Psychopathen führen Banken,
Niemand weist sie in die Schranken.

Und wer sagt: „Es geht anders“,
Der hat hier keinen Spaß.
Und wer sagt: „Es geht anders“,
Dem geben sie Knüppel und Tränengas.

Hass bremst die Massen.
Doch rennt die Wut auf den Straßen.
Die paar Reichen reichen sich die Hand,
Bilder davon setzen Welten in Brand.
Ihre Münder sprechen Lügen,
Wer wird sich dem treudoof fügen?

Und wer sagt: „Es geht anders“,
Der hat hier keinen Spaß.
Und wer sagt: „Es geht anders“,
Dem geben sie Knüppel und Tränengas.

Vorurteile wie Mauern abreißen.
Menschen willkommen heißen.
Freiräume halten und gestalten
Wissen teilen und Wesen entfalten.
Städte und Dörfer besetzen.
Mit Rädern die Spuren wechseln.

Und wer zeigt: „Es geht anders“.
Der beweist, jede_r kann das.
Und wer zeigt: „Es geht anders“,
Braucht nie mehr einen Pass.

JB-07-2017

 

Schild und Welt

Es rufen die Schattenwälder,
Blicke verraten Nichts.
Seinen Schild hält er,
Bar jedes zweiten Gesichts.

Hohn prallt ab von meinem Schild.
Das Leben geht weiter.
Bin mal munter und mal wild.
Draußen mal wolkig mal heiter.

Und will ich mich binden?
Mit jemandem so nah auch tanzen.
Will mich doch selber finden.
Wie geht das in einem Topf mit zwei Pflanzen?

Gericht und Urteil für die Masse.
Ich sitz‘ daheim, ich schreibe.
Sie gehen gemeinsam auf die Straße.
Was, wenn ich drinnen bleibe?

Wie außen und innen Verbinden,
In einer Welt so ungleich und feindlich?
Wie neue Wege verkünden?
Wie neu werden ohne dich?

Ein Blick und ich bin hier und jetzt.
Das Schild senkt sich hinab.
Wenn er mir auch meinen Glauben zerfetzt.
Weiß, dass ich einen Grund zu glauben hab.

Rollen wir die Welt auf andren Wegen.
Das Schaf in mir verschenkt gebrauchtes Glück.
Ich geb es dir und meinen Segen.
Will nur mein Herz zurück.

JB-07-2017

 

 

 

Dunkelheit

Dunkelheit

Es umfasst mich die Dunkelheit.
Ich sage: „Geh!“
Geh spielen mit deinen Kindern.
Geh jagen im weiten Wald.
Geh fort von mir und bald,
Bin ich allein und ohne Furcht.
Das Morgen ist mir wieder hold.
Ich finde mich mir innerlich verbunden.
Die Dunkelheit für heute überwunden.

JB-06-2017

 

 

 

Weichen stellen

Steinchen von Salzwogen umspült
Falter treiben im Grasgewühl
Ein Fuchs gräbt Mäuse aus
Der Eisvogel steigt in die Höhe

Elemente schaukeln mich
In einen Schlaf der hundert Seelen
Sie umkreisen mich
Öffnen die Nachtpforte

Da ist ein Tisch voller Arbeit
Dann ein Becher Klarheit
Ein Buch voller Gedanken
Mein Geist will wanken

Ein Mann, der an meine Seite schlich
Reifende Blicke und Wünsche
Nach Nähe und Ferne
Merke wieder, ich reise gerne
Woanders Augenblicke sammeln
Dem Sommer die Weichen stellen

JB-06-17

 

 

 

Eremit

Artenreiche Einöde
Mit fremden Menschen geteilt
Ein Faden zieht sich durch den Raum
Worte entstehen
Keinen Traum erinnert im neuen Bett
Allein nicht einsam.
Erwachsen aus Kindheitsängsten
Ohne Verstrickungen sehe ich klar

Ich muss gehen, um anzukommen
Netze verbrennen
Weiter ohne Wege
Das Außen wird Innen
Aus Vision wird Aufgabe
So viele Seile hat mein Bewusstsein
Eine Puppe unmöglich zu spielen
Ich spiele sie.

JB-06-2017

 

 

 

Wunschlieder

Auf Wiesen und in Wäldern
Da finde ich Ruhe
Mein Geist mischt sich mit Fabelwesen
Wild wird mein Traum
Frei mein Körper sich zu strecken
Wie die Bäume in den Wind zu wachsen
Gehen auf schmalen Achsen
Dem Wesen zu, das ich immer war
Und bar mein Fuß im Fluss des Lebens
Da und wahr
Einzig
Klare Worte für mein Gegenüber
Reisen auf einer Panflöte
Lachend, vorausschauend und frei
Der Wolkenbruch geht vorbei
Ich find mich wieder
Sing dabei
Wunschlieder

JB-06-2017

 

 

 

Utopie in Wolken

Jetzt oder nie das Schiff nach morgen kapern,
Soll nicht an Mut oder Kraft hapern.
Hab das Handbuch nicht gelesen,
Besser reit ich einen Besen.
Steig hinauf zu den Sternen,
Entdecke die weiten Fernen.
Besuche noch fremde Wesen.
Sitzen dort an vollen Tresen.

Wir fliegen durch Wolkenfetzen,
Wollen Leid durch Lieder ersetzen.
Die Gedanken blitzen auf in unseren Köpfen,
Kein Wort mehr nötig, wir schöpfen.
Landen auf Moses Berg und fluten das Land mit Hoffnung.
Wir werden sesshaft, die Tiere liefern uns nur Dung;
Für Häuser und fürs Märchenfeuer.
Alles andere wäre ungeheuer.

Traurigkeit ist eine Tugend in dieser schönen neuen Welt.
Wer Felder nicht mit Tränen bestellt – hat vergessen.
Gnade vor Unschuld, Sein vor Haben.
Alles andere – Fressen für die Raben.
Uhr eingebaut in Spiegel,
Die Zeit bricht das Siegel,
Weil wir nicht mehr an Mauern bauen.
Andern ins Herz schauen.

Der Tag beginnt und Philosophen tanzen.
Der Abend bricht an, wir essen Pflanzen.
Frieden steht im Sand geschrieben.
Wär ich doch nur dort geblieben.
Doch morgens ruft die Pflicht,
Geh mit meinem Traum hart ins Gericht.
Doch was ist schlimm an Utopie?
Wer wagt gewinnt manchmal, wer zweifelt nie.

JB-06-2017

 

 

 

Dauerregen

Wildes Leben in meinem Kopf
Bestien laden ein Ich zu sein
Wählen zwischen Lachen und Pein
Wenn ich an ihre Türen klopf

Rot und schwarz und grau
Blau dazu gemischt
Ich springe in die Regengischt
Dame, Biest, ganz Frau

Das Lachen und das Weinen
Das Hoffen und das Fürchten
Kann nur vor Anderen flüchten
Und auch nur mit meinen Beinen

Ihr Reden hallt in meinem Schädel
Als wäre er hohl, mein Ohr ein Mikrofon
Ich wünsche mir Regen, ganz monoton
Leg um meinen Gedankenhebel

Wünsche werden Rauch wie Nebel
Worte sind mit mir so oft allein
Da draußen im Gossip Rampenschein
Hab dafür kein angeborenes Faible

Das dann in Reime verwandeln
Die Welt da draußen denken wie sie ist
Wenn wieder eine vor mir wird geküsst
Bin ich dabei ganz neu mit dir zu handeln

JB-06-2017

 

 

 

Für dich

Für dich

Für dich ein Haus,
Das du bauen kannst.
In dem du dich schützen kannst,
Dem Sturm zu entgehen.

Für dich einen Garten,
Den du pflegen kannst.
In dem du aufblühst,
Deiner Bestimmung entgegen.

Für dich ein Instrument,
das du spielen kannst.
Mit dem du dich entfaltest.
Um neue Hoffnung zu hegen.

Für dich einen Anderen,
den du lieben kannst.
Für Schutz, Blüte und Entfaltung.
Für dich meinen Segen.

JB-05-2017

 

 

Herzenskunde

Herzenskunde

Wenn ich mich in Träumereien verliere,
Nicht mehr nur ein Wort kreiere.
Den Himmel bitte auf zu tauen
Und Dich auf meine Wünsche zu vertrauen.
Die Wimpern wehen in den blauen Dunst,
Ich werbe nicht um Deine Gunst.

Gerade weil ich dich nicht brauche.
Deinen Namen trotzdem dabei hauche.
Gerade weil du mich nicht wollen willst.
Dein Antlitz träumend wie meins verhüllst.
Kein Suchen findet Glück im Liebesleben.
Nur ich kann den Stein vor dieser Höhle heben.

Die Gabe zu geben, die Welt zu lieben,
sich selbst zu verlieren und Zukunft zu schmieden.
Das alles will ich für mich finden,
Den Tag nutzen um der Welt das zu verkünden:

Ich will Niemanden haben,
Ich will Niemanden besitzen.
Nicht vor Jemandes Tür sitzen,
Mich nicht an leeren Worten laben.

Ich will an mir und an Dir wachsen,
Dich und Mich glücklich sehen.
In hohen Bergen einsame Wege gehen.
Dann wieder wandern auf breiten Achsen.

Ich will mit Jemandem zusammen fühlen.
Anregende Gespräche führen.
Den König des Frühlings küren.
Mit dem Wasser des Lebens mein Herz spülen.

All das in grenzenlosen Weiten.
Mit viel Gefühl und viel Verstand.
Mein Herz das nehm ich bei der Hand.
Um diese Kunde zu verbreiten.

JB-04-2017