Wirbel

Wirbel

Geschönt ist nichts in diesem Wirbel
Ich schlage ohne Flügel
Nach dem Glück
Weicht zurück

Was ist und was war
Verblasst zu Glas
Gezwungen dem Wort zu huldigen
Ich mittendrin ohne Lied

Die Erde fängt mich auf
Die Melodie des Sturmes über mir
Tanzen oder verwehen
Wenn alles zurück bleibt

Ohne Wert und Wanderstiefel
Kein Wort sich zu verkünden
Im Tempel die Sünden
Den Verstand zu Wein verlieren

Diese Wolke ist ein Gott
Und der Wind bläst sie davon
Wieder wirbelt Staub auf
Über den Dächern von Rom

JB-01-2017

Schlucht

Schlucht

Was ich will beugt sich dem was ich tue.
Der Tanz zeigt Wege,
Wenn ich meinen Wert an der Bar hinterlege.
Hab vor dem Ziel keine Ruhe.

Du und Du und Du.
Versteht ihr wie ich ticke?
Meine Worte ins Leere schicke.
Der Rest hinter Mauern ohne Schuh.

Süßes oder Saures!
Wo ist der Trick dabei?
Sei einsam oder frei.
Begegnung ohne Aufriss.

Ein neues Augenpaar.
Und ich weiß was geschieht.
Wie er den Augenblick vermied.
Nicht sah und wollte, was was da war.

Wer ist denn Freund, wer nicht?
Bestimmen und so handeln.
So wird sich Frage in Antwort wandeln.
Die Schlucht nimmt noch die Sicht.

JB-01-2017

Frau Holle

Frau Holle

Treibst ohne Zeit im Lebensfluss umher,
Die Worte, die du sprichst bedeuten Segen.
Kein Herr, ein Heer der Toten nennst du dein,
Schenkst Rat den Frauen, das bedeutet Leben.

Gesponnen und gelenkt der Schicksalsfaden,
An deiner Hand werden wir groß und alt.
Wenn wir Verdruss und Mühe auf uns laden,
Schenken wir uns gegenseitig Halt.

Verwandelst einen See in eine Kinderstube,
Der Brunnen wird zum Tor in deine Welt.
Die Seelen feiern Neubeginn, Mädchen wie Bube.
Dein Handeln uns bewusst und wach erhält.

Um diese Welt zu schaun und zu bewandern,
Um gut und rein im Angesicht des Wahns zu sein.
Mein Herz schenke ich gerne einem Andern,
Wenn neues Leben sprießt in deinem Hain.

JB-12-2016

Traumfuge

Traumfuge

Wenn mir der Himmel lodernd wird,
Ein Schmerz in meiner Seele sich verbirgt.
Die Suche weiter wandernd macht,
Aus jeder Ecke mir ein Teufel lacht.

Der Tag hat gleißend hell begonnen,
Wohl daran ist mein Traum zerronnen.
Die Vögel draußen fressen sich satt,
Wohl dem, der Atem zu singen hat.

Und all das deutet mein Gefühl,
Als großen Tanz und gutes Spiel.
Ein neuer Traum wird mich nach Hause fliegen.
Am Ende wird sich alles fügen.

JB-12-2016

Ein Tag für mich

Ein Tag für mich

Allein auf breiten Straßen gehen,
Die Sonne wärmt die Glieder.
Seh‘ Leute, wie sie anstehen,
Geh‘ vorbei, denk mir Lieder.

Gönn‘ mir Zeit und gönn‘ mir Licht,
Schenk allen mein Lächeln.
Getan ist die Pflicht,
Such Ruhe an schmalen Bächen.

Dann setz‘ ich mich und schreibe,
Mein Herz will sich auftun.
Wie ich still für mich bleibe,
Wie die Gedanken endlich ruh‘n.

JB-12-2016

Schwebeland

Schwebeland

Nichts berührt, nichts trägt.
Wer so einsam in seiner Matte schwebt,
Kennt keine Sorgen.
Schläft traumlos bis zum Morgen.

Unbehandelt durchs Leben gehen.
Für sich einstehen.
Sich kennen und das Anderen verkünden.
In den Wald verschwinden.

Umkehren bis nichts mehr hält,
Keine Liebe quält,
Nur noch von Licht leben.
An Niemandem kleben.

Das bis zum Untergang?
Der Einsamkeit kosmischer Klang.
Eine Tür für mich allein?
Reue fängt mich ein.

Nicht mehr wandeln über allem,
Hoffnungsvoll aufs Leben knallen.
Angstvoll nur aufs Ganze setzen.
Sich auch mal unterschätzen.

Und wenn ich mich vergebe.
Und wenn ich Dich in Alles hebe.
Mein Tag ist nicht mehr nur banal.
Mein Herz, ein großer Saal.

JB-11-2016

himmel

Garten

Im Anfang war die Saat.
Mit meiner Familie verknüpfe ich den Garten.
Blumen und Obst und Gemüse.
Schmetterlinge, Kartoffelkäfer und Schnecken.
Früher hatten wir zwei Gärten; einen vor dem Haus und einen auf dem Feld.
Schon früh habe ich gelernt, zu säen und zu ernten.
Schoten gab es und Möhren.
Kürbiskerne habe ich gern geknabbert, genau wie Sonnenblumenkerne.
Meine Eltern kamen von Leipzig aufs Dorf und lernten dort von den bäuerlichen Nachbarn im Mangelland DDR den eigenen Garten sehr zu schätzen.
Im Herbst kochte meine Mutter ein: Gurken, Kirschen und Pflaumen zum Beispiel. Davon lebten wir im Winter, genau wie von den Kartoffeln, die im Keller lagerten.
Die Möhren schliefen derweil unter der Erde und blieben so lange frisch.
Ich denke gern an diese Zeit zurück und jedesmal, wenn ich im heutigen Garten meiner Eltern stehe, fühle ich mich heimisch, obwohl ich sechzig Kilometer entfernt wohne.

JB-09-2016

Holz

Holz

Du reibst an meiner Oberfläche,
Zerstörst meinen Panzer,
Da steh ich nackt vor dir.
Und wenn ich mich in Deinem Herzen verlier‘
zerbricht auch mein letzter kranker Wille.
So bin ich Dein nun ohne falsche Hülle.

Das ist mein Wesen
Und das aufzuschreiben.
Das ist mein Lied und meiner Augen Trauer.
Kehre mein Haus mit einem Besen aus.
Wenn es geschrieben steht,
Weiß ich es noch genauer.

Das wohnt in mir
Und leidet unter Reue.
Das ruft in mir und hält mich wach.
Ich had’re nur mit meiner Stimme Treue.
Denn wenn ich spreche,
Werden alle wach.

JB-09-2016

Lagerfeuer

Das Auge des Sturms

Das Auge des Sturms

Kann nicht weiter als bis Heute.
Das Chaos umfliegt mich.
Kann nicht weiter gehen mit meiner Beute.
Ein Sieg ist unglaublich.

Und doch geh‘ ich los,
Ein Schritt nach dem anderen.
Ich glaube an mein Herzenslos,
Will das Gebirge überwandern.

Ich lebe die Angst,
Ich laufe bis Morgen.
Sag mir: „Du kannst!“
Weg mit den Sorgen!

Nehmt mich nun an die Hand,
Lauft mit mir ein Stück.
So weitergehen mit Glückespfand,
Nie mehr zurück zu verrückt.

JB-08-2016

Auwald Baumstumpf

Einerlei

Einerlei

Wendung in den Beinen
Ich bin Frei
Unter den Seinen
Ist mir manches Einerlei

Einen Weg zu gehen
Ein Wort zu führen
Im Mittelpunkt zu stehen
Zu Wählen zwischen Türen

Ich bin heut‘ neu gewachsen
Die Alte Haut war mir zu klein
Mein Wagen hat neue Achsen
Ich freu‘ mich hier zu sein

Und in den kleinen Booten
Ein Licht fährt mit aufs Meer
Mir ist nichts mehr verboten
Ein kleiner Schatten stört mich sehr

Mit wem will ich mein Leben teilen
Wer geht an meiner Hand
Will noch etwas allein verweilen
Brauch doch für mich den festen Stand

Und wenn ich wähle unter Vielen
Und wenn ich um Dich Tanze
Ein Weg mit reinen, guten Zielen
Wasser für die Seelenpflanze

JB-07-2016

Tulpenbaum

Zweimalseele

Zweimalseele

Hab‘ Dich gesehen, bin aufgestanden,
Raus aus dem Müll der Worte.
Nehm‘ Dein Lächeln mit an viele Orte.
Meine Maske ging abhanden.

Fühl‘ nun alles und auch Dich.
Schaust mich an wie Sonnenschein.
Herz in der Hand, so geh‘ ich heim.
Gestern und Morgen verbünden sich.

Doch ich lauf‘ den Weg der Sorgen.
Mein Kopf gewinnt den stillen Kampf.
Nicht mehr geschützt, steht unter Dampf.
Muss mir bei Freunden Hoffnung borgen.

Hin und her, das Rad dreht sich so schnell.
Will mich sammeln und neu erfinden.
Lieder singen, die von Liebe künden.
Trinken aus dem Feuer-Quell.

Hand in Hand den Weg beschreiten,
Tag und Tag zusammen leben.
Willst Du mir Dein Zeichen geben,
Die Kopfgespinste so vertreiben?

Es bleibt dabei, ich schau mich um,
Seh‘ Paare oft und überall.
Manchmal ist Liebe wie ein Fall.
Was soll’s, ich scher‘ mich nicht darum.

JB-06-2016

sonnenuntergang

Tauchgang

Tauchgang

Mein Boot steht unter Wasser
Tauchen und überleben
Will mich aufs Ganze hingeben
Wittere Heilung

Wenn er sich zeigt
Wenn ich mich verliere
Herzen aufgereiht
Ahne, dass ich nicht mehr friere

Rutsche die Erde hinab
Und sehe Schattenwälder
Verneine die Blutgelder
Verliere meinen Stab

Und wieder tauche ich
Sehe den Schatz
Und wieder wildere ich
in meinen Eingeweiden

Will mich so scheinbar verkleiden
Wandere auf Sonnenwegen
Füttere alte Seelen
Umschließe meine Weiden

Wenn ich mich umarme
Mich wähle und andere umsorge
Mir Liebe und Hoffnung borge
Tanze für volle Säle

JB-05-2016

Vergissmeinnicht

Weisheit

Weisheit

Kein Schamanengeschick
Ich übe Unglück
Rohe Gedanken umkreisen mit Härte meine Seele
Wie ich mich sonderbar erwähle

Blicke in die Zukunft zurück
Suche das Bauernglück
Wenn ich Deinen Blick verhehle
Mich mit Ent-Täuschung quäle

Spring in den Brunnen hinab
Ist eher Pfad als Grab
Finde den Himmelsschatz
Schreibe einen gültigen Satz

Neue Worte heilen mich
Setze auf Sonnenlicht
Der Wald kennt meinen wahren Namen
Will immer mehr erfahren

Ich singe für den Holunder
Das Seelenschiff fährt munter
Meine Träume sagen Dank
Ich finde den Wundertrank

Du lehrst mich zu lieben
Ich zähle bis sieben
Erwache aus der Lähmung
Der Wilden Zähmung

JB-05-2016

Schwarzspecht im Wald

Grün

Grün

Ich ziehe meine Kraft aus frischem Grün,
Ich wähle meine Worte mit Bedacht.
Der Holunderbusch gibt auf mich acht.
Und über allem weiße Wolken ziehn.

Ich wandle auf verträumten Wegen,
Nehm alles in mich auf.
Die Natur zieht ihren Degen,
Der Jahreskreis nimmt seinen Lauf.

So wie der Baum nach Regen grünt,
So öffnet sich mein Herz in neuer Milde.
Die Seele hat den Winter schon gesühnt,
Reih mich ein in die Frühlings-Dichter-Gilde.

JB-04-2016

Auwald Waldweg

Bannkreis

Bannkreis

Im Bann meiner Träume
Meine Schuld lastet schwer auf Dir
Mein Soll und Haben wiegt ungleich
Frisst sich in die Seele
Wenn ich mich wieder quäle
Mit dem Morgen
Und das Lasso wähle
Zu treiben und zu binden
Den Magier zu finden
Ich bin hier

Im Bann der Mähne
Ich lasse meine Löwen los
Wer mich versucht
Den bekämpfe ich gnadenlos
werd ungehemmt nach Hause gehen
Und der Zukunft
Hoffend entgegen sehen
Die Gnade liegt auf dem Grund
Ich schwimme mich gesund
Ich bin jetzt

JB-04-2016

Zauneidechse auf Kompost

 

 

 

 

Feuerquelle

Feuerquelle

Sturzbäche voll Gefühl.
Ich bin aufgewacht.
Hab geweint und gelacht.
Du bedeutest mir viel.

Diese Tür, sie öffnet sich,
Sobald ich Dich seh‘.
Erneure, umtanze mich
Und all das Hadern ist passé.

Wie wird es weiter gehen?
Wann bin ich am Ziel?
Will nur noch Sterne sehen.
Schreibe, weil ich Dir verfiel.

Die Karten lügen nicht.
Begebe mich auf eine Reise.
Die Wahrheit ist mir Pflicht.
Siehst Du das auf Deine Weise?

Werden wir zusammen gehen,
Ein Stück im eignen Land?
Wird uns ein frischer Wind umwehen,
Herz und Kopf in unsrer Hand?

JB-04-2016

Bluetenbaum

Selkie

Selkie

Perlen aus Licht
Rufen die Gischt
Geh ihnen nach
Wird es mein Grab?

An Land gespült
Wortlos verwirrt
Hab viel getanzt
Mein Fell noch voll Glanz

Steinerne Helden
Geseh’n nur noch selten
Flieg mit den Eulen
Mein Lied wird viel bedeuten

Du hältst mich hier zurück
Will doch nur dein Glück
Die Wellen rufen mich
Es ist vergeblich

JB-03-2016

(nach „Die Melodie des Meeres“)

Spiel im Spiegel

Spiel im Spiegel

Kreuzgewölbe über mir
Ich bin da, wo ich sein will
Schöne wilde Gier
Du ganz nah bei mir

Ohne Stoff, Haut auf Haut
Hast mir mein Herz geklaut
Niemand, der zuschaut
Spiegel, der mich aufraut

Deine Zunge will nicht sprechen
Deine Hand führt zu Feuer
Ist mir so ungeheuer
Meine Lust ist mir teuer

Gemeinsam durch den Spiegel
Zusammen spielen
Zusammen aufs Höchste zielen
Nie mehr eine unter Vielen

JB-03-2016

kreuzgewölbe

Ufer

Ufer

Was siehst Du in mir?
Tanzendes Gebälk.
Freudig, unverstellt.
Wenn ich gehe, dann mit Dir.

Rote, blinde Sucht.
Unumkehrbar Deine Hand.
Wir knüpfen ein Lebensband.
Liebe meine Flucht.

Schritte lösen sich.
Blicke öffnen mich.
Tränen rollen schlicht.
Trage an dem Gewicht.

Wenn Du bei mir bist,
Tröstest meine Glieder.
Singst mir schöne Lieder,
Schnell verstreicht die Frist.

Zwei zu einem wird.
Blicke sich versammeln.
Worte einsam stammeln.
Kälte morgens klirrt.

Wind durch alle Gassen.
Reise um die Welt.
Hast so viel erzählt.
Will nicht von Dir lassen.

Du bist fortgegangen.
Ufer trennen uns.
Dein Leben ist mein Wunsch.
Hab Dein Herz empfangen.

JB-03-2016

(Film: Der Baum der Helden von Yang Zimou)

Schneeglöckchen schwarz weiß