Die Insel

Die Insel

Göttin schenk mir Zeit allein.
Fühl mich so klein.
Ich will noch wachsen.
Verhöhn die alten Nachtmahrfratzen.
Im Wolkenturm bin ich daheim.

Berufung Eremit.
Ein Mensch, der Massen flieht.
Einsiedelei bewohnt.
Einsamkeit gewohnt.
Ein See, in dem du Wahrheit siehst.

Will lachen im Spiegel der Sternennacht.
Der Mond ist voller Wassermacht
Und hat mein Blut gekühlt.
Hab in der Glut gewühlt,
Des Feuers, das dich ausmacht.

Eine eiserne Menschenhand.
Mein Leben war plötzlich ohne Tand.
Bin zurück in die Wolken geeilt.
Hab dort meine Wunden geheilt.
Segen im Ort ohne Land.

Ein Wunsch, der bleibt.
Was mich zurücktreibt,
Zum Feuer hin,
Mein eiserner Gewinn.
Auch dein Herz dort lag.
Wie sanft ich es barg.
Es schläft bei mir.
Ganz wie ein Tier.
Und wenn ich es wecke,
Deinen Traum erschrecke,
Dann tanzen die Flammen.
Und wir sind zusammen.

Erblicke Land,
In Form einer Hand.
Ein Wunsch nach Nähe.
Wie auch ich in die Ferne spähe.
So fällt die letzte Wand.

JB-08-2017

 

Freund und Feind

Freund und Feind

Wie die Zeiten sich neu benennen,
Kehr ich den Mist zur Tür hinaus.
Wenn Mäuse in Fallen rennen,
Schalt ich die Lampen aus.

Die Wut versiegt in Sommerhitze,
Der Tag zählt seine letzten Stunden.
Im Kopf mach ich die besten Witze,
Nach außen hin, pfleg ich alte Wunden.

Zugluft und Enge und ich schreibe,
Dem Gefühl die treuen Sinne ab.
Wie ich stur beim Lesen sitzenbleibe.
Sammel ich alle Kräfte, die ich hab.

Denn Feiern will ich dieses Jahr,
Bei allem Schlimmen, was geschah,
Ist denkbar Gutes für uns wahr,
Was Lied und Text gebar.

Inspiration und Zeitenwende,
Wenn ich auch ohne Alles Ende,
Was ich geschrieben, kann mir keiner nehmen,
Lass mich nicht durch Zukunft lähmen.

Ein Satz bleibt in Erinnerung:
Keine Zeile ohne Eingebung.
Wer Quelle ist, wer Muse,
Mit dem steh ich auf gutem Fuße.

Solang ich atme will ich leben,
Den Schleier zum Gruße für euch heben.
Mal lachen und mal weinen,
Die Feinde mit den Freunden einen.

JB-08-2017

 

Sinneswandel

Ohren wie schwarze Löcher hat mein Tier,
Augen wie Ozeane.
Und die Krallen gefallen dir,
Unter der Galaxienplane.

Die Kristallkugel verstummt,
Wenn ich meinen Namen rufe.
Bin nicht vermummt,
Die Zukunft nur die nächste Stufe.

Das Herz eines Barbaren halten,
Wie muss er frieren.
Das Holz des letzten Waldes spalten,
Um ihm zu imponieren.

Magisch überall,
Hexe oder Fee?
Komme zu Fall,
Wenn ich nach morgen seh‘.

Die Motive der Leute,
Sind mir verschlossen,
Überrascht flitzt die Meute,
durch glitzernde Gossen.

Ein Zauberspruch,
Ein Sinneswandel,
ein neues Buch,
ein alter Handel.

JB-07-2017

 

Utopie in Wolken

Jetzt oder nie das Schiff nach morgen kapern,
Soll nicht an Mut oder Kraft hapern.
Hab das Handbuch nicht gelesen,
Besser reit ich einen Besen.
Steig hinauf zu den Sternen,
Entdecke die weiten Fernen.
Besuche noch fremde Wesen.
Sitzen dort an vollen Tresen.

Wir fliegen durch Wolkenfetzen,
Wollen Leid durch Lieder ersetzen.
Die Gedanken blitzen auf in unseren Köpfen,
Kein Wort mehr nötig, wir schöpfen.
Landen auf Moses Berg und fluten das Land mit Hoffnung.
Wir werden sesshaft, die Tiere liefern uns nur Dung;
Für Häuser und fürs Märchenfeuer.
Alles andere wäre ungeheuer.

Traurigkeit ist eine Tugend in dieser schönen neuen Welt.
Wer Felder nicht mit Tränen bestellt – hat vergessen.
Gnade vor Unschuld, Sein vor Haben.
Alles andere – Fressen für die Raben.
Uhr eingebaut in Spiegel,
Die Zeit bricht das Siegel,
Weil wir nicht mehr an Mauern bauen.
Andern ins Herz schauen.

Der Tag beginnt und Philosophen tanzen.
Der Abend bricht an, wir essen Pflanzen.
Frieden steht im Sand geschrieben.
Wär ich doch nur dort geblieben.
Doch morgens ruft die Pflicht,
Geh mit meinem Traum hart ins Gericht.
Doch was ist schlimm an Utopie?
Wer wagt gewinnt manchmal, wer zweifelt nie.

JB-06-2017

 

 

 

Wind und Elefanten

Durch alles weht der alte Wind
Ein Dachgeschoss voller Wunden
Ich teile dich ganz wie ein Kind
Der Hofnarr bleibt verschwunden

Zahlen ohne zu verlieren
Den Menschen an meiner Seite wählen
Wände bunt und neu beschmieren
Elefanten am Himmel zählen

Weinen beim Erwachen
Nachbarn ignorieren
Feuer in Seelen entfachen
Winterlich frieren

Grenzenlos verbinden
Treu sein dem Schreiben
Wie Bäche in Flüsse münden
Sieben mal sitzen bleiben

Vom Fenster aus Liedern lauschen
Himmel und Hölle verjagen
Mit Wanderern Kleider tauschen
Werd mich ins Wasser wagen

Tanz und Traum werden in der Wiege liegen
Ein neuer Fluss wird neue Winde entfachen
Frieden und Muse werden siegen
Ein weiser Mensch wird offen lachen

JB-05-2017

 

 

 

Widerhall

Widerhall

Geborgte Stille in meinem Herzen.
Ein Blick, der im Raum steht wie ein Wasserstrahl.
Wenn ich mich falte vor Qual.
Fiktive Schmerzen.

Eine Hand im All,
Unerreichbar weit.
Nichts zu seiner Zeit.
Verfehltes Schweigen kommt vor dem Fall.

Tunnelblick und Weitsicht.
Rollende Steine vor meinem Gesicht.
Niemand hält Gericht.
Wartende sind in der Pflicht.

Schall wie Fall.
Morgen und Wiederkehr.
Nichts wollte ich so sehr.
Ein Widerhall.

JB-02-2017

Wirbel

Wirbel

Geschönt ist nichts in diesem Wirbel
Ich schlage ohne Flügel
Nach dem Glück
Weicht zurück

Was ist und was war
Verblasst zu Glas
Gezwungen dem Wort zu huldigen
Ich mittendrin ohne Lied

Die Erde fängt mich auf
Die Melodie des Sturmes über mir
Tanzen oder verwehen
Wenn alles zurück bleibt

Ohne Wert und Wanderstiefel
Kein Wort sich zu verkünden
Im Tempel die Sünden
Den Verstand zu Wein verlieren

Diese Wolke ist ein Gott
Und der Wind bläst sie davon
Wieder wirbelt Staub auf
Über den Dächern von Rom

JB-01-2017

Schlucht

Schlucht

Was ich will beugt sich dem was ich tue.
Der Tanz zeigt Wege,
Wenn ich meinen Wert an der Bar hinterlege.
Hab vor dem Ziel keine Ruhe.

Du und Du und Du.
Versteht ihr wie ich ticke?
Meine Worte ins Leere schicke.
Der Rest hinter Mauern ohne Schuh.

Süßes oder Saures!
Wo ist der Trick dabei?
Sei einsam oder frei.
Begegnung ohne Aufriss.

Ein neues Augenpaar.
Und ich weiß was geschieht.
Wie er den Augenblick vermied.
Nicht sah und wollte, was was da war.

Wer ist denn Freund, wer nicht?
Bestimmen und so handeln.
So wird sich Frage in Antwort wandeln.
Die Schlucht nimmt noch die Sicht.

JB-01-2017

Frau Holle

Frau Holle

Treibst ohne Zeit im Lebensfluss umher,
Die Worte, die du sprichst bedeuten Segen.
Kein Herr, ein Heer der Toten nennst du dein,
Schenkst Rat den Frauen, das bedeutet Leben.

Gesponnen und gelenkt der Schicksalsfaden,
An deiner Hand werden wir groß und alt.
Wenn wir Verdruss und Mühe auf uns laden,
Schenken wir uns gegenseitig Halt.

Verwandelst einen See in eine Kinderstube,
Der Brunnen wird zum Tor in deine Welt.
Die Seelen feiern Neubeginn, Mädchen wie Bube.
Dein Handeln uns bewusst und wach erhält.

Um diese Welt zu schaun und zu bewandern,
Um gut und rein im Angesicht des Wahns zu sein.
Mein Herz schenke ich gerne einem Andern,
Wenn neues Leben sprießt in deinem Hain.

JB-12-2016

Traumfuge

Traumfuge

Wenn mir der Himmel lodernd wird,
Ein Schmerz in meiner Seele sich verbirgt.
Die Suche weiter wandernd macht,
Aus jeder Ecke mir ein Teufel lacht.

Der Tag hat gleißend hell begonnen,
Wohl daran ist mein Traum zerronnen.
Die Vögel draußen fressen sich satt,
Wohl dem, der Atem zu singen hat.

Und all das deutet mein Gefühl,
Als großen Tanz und gutes Spiel.
Ein neuer Traum wird mich nach Hause fliegen.
Am Ende wird sich alles fügen.

JB-12-2016

Ein Tag für mich

Ein Tag für mich

Allein auf breiten Straßen gehen,
Die Sonne wärmt die Glieder.
Seh‘ Leute, wie sie anstehen,
Geh‘ vorbei, denk mir Lieder.

Gönn‘ mir Zeit und gönn‘ mir Licht,
Schenk allen mein Lächeln.
Getan ist die Pflicht,
Such Ruhe an schmalen Bächen.

Dann setz‘ ich mich und schreibe,
Mein Herz will sich auftun.
Wie ich still für mich bleibe,
Wie die Gedanken endlich ruh‘n.

JB-12-2016

Schwebeland

Schwebeland

Nichts berührt, nichts trägt.
Wer so einsam in seiner Matte schwebt,
Kennt keine Sorgen.
Schläft traumlos bis zum Morgen.

Unbehandelt durchs Leben gehen.
Für sich einstehen.
Sich kennen und das Anderen verkünden.
In den Wald verschwinden.

Umkehren bis nichts mehr hält,
Keine Liebe quält,
Nur noch von Licht leben.
An Niemandem kleben.

Das bis zum Untergang?
Der Einsamkeit kosmischer Klang.
Eine Tür für mich allein?
Reue fängt mich ein.

Nicht mehr wandeln über allem,
Hoffnungsvoll aufs Leben knallen.
Angstvoll nur aufs Ganze setzen.
Sich auch mal unterschätzen.

Und wenn ich mich vergebe.
Und wenn ich Dich in Alles hebe.
Mein Tag ist nicht mehr nur banal.
Mein Herz, ein großer Saal.

JB-11-2016

himmel

Garten

Im Anfang war die Saat.
Mit meiner Familie verknüpfe ich den Garten.
Blumen und Obst und Gemüse.
Schmetterlinge, Kartoffelkäfer und Schnecken.
Früher hatten wir zwei Gärten; einen vor dem Haus und einen auf dem Feld.
Schon früh habe ich gelernt, zu säen und zu ernten.
Schoten gab es und Möhren.
Kürbiskerne habe ich gern geknabbert, genau wie Sonnenblumenkerne.
Meine Eltern kamen von Leipzig aufs Dorf und lernten dort von den bäuerlichen Nachbarn im Mangelland DDR den eigenen Garten sehr zu schätzen.
Im Herbst kochte meine Mutter ein: Gurken, Kirschen und Pflaumen zum Beispiel. Davon lebten wir im Winter, genau wie von den Kartoffeln, die im Keller lagerten.
Die Möhren schliefen derweil unter der Erde und blieben so lange frisch.
Ich denke gern an diese Zeit zurück und jedesmal, wenn ich im heutigen Garten meiner Eltern stehe, fühle ich mich heimisch, obwohl ich sechzig Kilometer entfernt wohne.

JB-09-2016

Holz

Holz

Du reibst an meiner Oberfläche,
Zerstörst meinen Panzer,
Da steh ich nackt vor dir.
Und wenn ich mich in Deinem Herzen verlier‘
zerbricht auch mein letzter kranker Wille.
So bin ich Dein nun ohne falsche Hülle.

Das ist mein Wesen
Und das aufzuschreiben.
Das ist mein Lied und meiner Augen Trauer.
Kehre mein Haus mit einem Besen aus.
Wenn es geschrieben steht,
Weiß ich es noch genauer.

Das wohnt in mir
Und leidet unter Reue.
Das ruft in mir und hält mich wach.
Ich had’re nur mit meiner Stimme Treue.
Denn wenn ich spreche,
Werden alle wach.

JB-09-2016

Lagerfeuer

Das Auge des Sturms

Das Auge des Sturms

Kann nicht weiter als bis Heute.
Das Chaos umfliegt mich.
Kann nicht weiter gehen mit meiner Beute.
Ein Sieg ist unglaublich.

Und doch geh‘ ich los,
Ein Schritt nach dem anderen.
Ich glaube an mein Herzenslos,
Will das Gebirge überwandern.

Ich lebe die Angst,
Ich laufe bis Morgen.
Sag mir: „Du kannst!“
Weg mit den Sorgen!

Nehmt mich nun an die Hand,
Lauft mit mir ein Stück.
So weitergehen mit Glückespfand,
Nie mehr zurück zu verrückt.

JB-08-2016

Auwald Baumstumpf

Einerlei

Einerlei

Wendung in den Beinen
Ich bin Frei
Unter den Seinen
Ist mir manches Einerlei

Einen Weg zu gehen
Ein Wort zu führen
Im Mittelpunkt zu stehen
Zu Wählen zwischen Türen

Ich bin heut‘ neu gewachsen
Die Alte Haut war mir zu klein
Mein Wagen hat neue Achsen
Ich freu‘ mich hier zu sein

Und in den kleinen Booten
Ein Licht fährt mit aufs Meer
Mir ist nichts mehr verboten
Ein kleiner Schatten stört mich sehr

Mit wem will ich mein Leben teilen
Wer geht an meiner Hand
Will noch etwas allein verweilen
Brauch doch für mich den festen Stand

Und wenn ich wähle unter Vielen
Und wenn ich um Dich Tanze
Ein Weg mit reinen, guten Zielen
Wasser für die Seelenpflanze

JB-07-2016

Tulpenbaum

Zweimalseele

Zweimalseele

Hab‘ Dich gesehen, bin aufgestanden,
Raus aus dem Müll der Worte.
Nehm‘ Dein Lächeln mit an viele Orte.
Meine Maske ging abhanden.

Fühl‘ nun alles und auch Dich.
Schaust mich an wie Sonnenschein.
Herz in der Hand, so geh‘ ich heim.
Gestern und Morgen verbünden sich.

Doch ich lauf‘ den Weg der Sorgen.
Mein Kopf gewinnt den stillen Kampf.
Nicht mehr geschützt, steht unter Dampf.
Muss mir bei Freunden Hoffnung borgen.

Hin und her, das Rad dreht sich so schnell.
Will mich sammeln und neu erfinden.
Lieder singen, die von Liebe künden.
Trinken aus dem Feuer-Quell.

Hand in Hand den Weg beschreiten,
Tag und Tag zusammen leben.
Willst Du mir Dein Zeichen geben,
Die Kopfgespinste so vertreiben?

Es bleibt dabei, ich schau mich um,
Seh‘ Paare oft und überall.
Manchmal ist Liebe wie ein Fall.
Was soll’s, ich scher‘ mich nicht darum.

JB-06-2016

sonnenuntergang

Tauchgang

Tauchgang

Mein Boot steht unter Wasser
Tauchen und überleben
Will mich aufs Ganze hingeben
Wittere Heilung

Wenn er sich zeigt
Wenn ich mich verliere
Herzen aufgereiht
Ahne, dass ich nicht mehr friere

Rutsche die Erde hinab
Und sehe Schattenwälder
Verneine die Blutgelder
Verliere meinen Stab

Und wieder tauche ich
Sehe den Schatz
Und wieder wildere ich
in meinen Eingeweiden

Will mich so scheinbar verkleiden
Wandere auf Sonnenwegen
Füttere alte Seelen
Umschließe meine Weiden

Wenn ich mich umarme
Mich wähle und andere umsorge
Mir Liebe und Hoffnung borge
Tanze für volle Säle

JB-05-2016

Vergissmeinnicht

Weisheit

Weisheit

Kein Schamanengeschick
Ich übe Unglück
Rohe Gedanken umkreisen mit Härte meine Seele
Wie ich mich sonderbar erwähle

Blicke in die Zukunft zurück
Suche das Bauernglück
Wenn ich Deinen Blick verhehle
Mich mit Ent-Täuschung quäle

Spring in den Brunnen hinab
Ist eher Pfad als Grab
Finde den Himmelsschatz
Schreibe einen gültigen Satz

Neue Worte heilen mich
Setze auf Sonnenlicht
Der Wald kennt meinen wahren Namen
Will immer mehr erfahren

Ich singe für den Holunder
Das Seelenschiff fährt munter
Meine Träume sagen Dank
Ich finde den Wundertrank

Du lehrst mich zu lieben
Ich zähle bis sieben
Erwache aus der Lähmung
Der Wilden Zähmung

JB-05-2016

Schwarzspecht im Wald