Auf dem Holzweg

Warum muss ich ans Atmen denken?
So viele, die Mühe damit haben.
Menschen, die ihr Herz ungünstig verschenken,
Menschen, die am Hungertuche nagen.

Das Leben, wie es versucht, mit Einsamkeit mein Selbst zu stehlen.
Ungesagtes hallt in meinem Schädel wider.
Die Schatten an der Wand soll ich als Freunde mir erwählen.
Mein Kopf singt mir die schönsten Weihnachtslieder.

Das Leben meiner Lieben ist mir teuer.
Ich spüre einen Stich, wenn ich sie weinen höre.
Mein Herz, es atmet Eis wie Feuer.
Mein Magen, wenn ich mich am Festessen störe.

Dann weiß ich plötzlich, was ich schreiben will.
Den Augenblick, möchte ich zur Lehre ziehen.
Für meine Seele ist es fast zu viel.
Würd‘ gern in traumlosen Schlaf entfliehen.

Die Worte hab‘ ich lang gemieden.
Ein Leiden hier, das wieder Worte schafft.
Und Punkte geben Halt dem Sätze schmieden.
Drehstuhl und Schreibtisch bedeuten nicht mehr Haft.

Ein Ende will ich keinem Leben schreiben.
Solch Närrin, welche hofft und bangt.
Will ewig am Gedichte sitzen bleiben,
Denn viele sind schon irgendwie erkrankt.

Kein Witz, kein Lachen und kein Segensspruch.
So gehe ich zu Bett, allein mit meinem Denken.
Die Welt lädt auf die Menschheit manchen Fluch.
Will sich wohl vom Holzweg in die Freiheit lenken.

Sind wir uns selbst die besten Henker?
Auch wenn das widersprüchlich scheint,
Spion und Angst verbrüdern sich in jeder Schänke.
Und irgendwo dann wieder eine Witwe weint.

Das Gift auf unsren Feldern frisst uns auf.
Der Honig fließt schon bald nicht mehr.
Dann nimmt das Schicksal seinen Lauf.
Als wenn es eine Gott gesandte Plage wär‘.

Wir schreiben Zukunft und gestalten Morgen.
Wir schieben auf und handeln wie ein Kind.
Ob Lügen, Täuschung oder braune Horden,
Ein Narr spielt mit dem Leben und das blind.

Was bleibt ist Zeugnis abzulegen und zu mahnen,
Wie es die Alten tun und meine Tränen lenken.
Ich schwöre ab dem Hass und all den Fahnen.
Der Zukunft werde ich meine Achtung schenken.

JB-12-2017

Gedankenflug

Gedankenflug

Gewichte am Bein
Ich gehe Langsamkeit
Schlingen um mein Herz
Ich fühle Zaudern
Waage im Kopf
Ich denke in Labyrinthen

Ich bleibe stehen
Über mir die Sterne reisen
Mein Herz pumpt Leben
Sprengt die Enge
Und in mir Wärme
Fließt in meine Glieder
Meine Gedanken fliegen wieder

JB-12-2017

Systemfehler

Fehler im System
Ich schreie nicht mehr
Ich schreibe stattdessen
System mit Fehler
Ich weine nicht mehr
Ich lache stattdessen
Mitte ohne Wissen
Ich weiß nicht mehr
Ich bin stattdessen
Wissen ohne Mitte
Ich glaube nicht mehr
Ich weiß stattdessen
Traum ohne Bedeutung
Ich träume nicht mehr
Ich deute stattdessen
Trauma mit Bedeutung
Ich handle nach Maß
Weil ich sonst fühlen müsste

JB-12-2017

Reisende 2

Der Schein der Kerze trügt
Mein Herz hat sich bewegt
Es wächst von Zeit zu Zeit
Öffnet sich, wenn die Seelen zu mir sprechen
Eines Menschen, eines Tieres, einer Pflanze
Dieser Weg auf der Weltenschneide
Geschmiedet in meine Gene
Wir alle wie wir hören und sehen
Träumen und denken
Fühlen und erleben
Sind doch Wahrnehmung
Gespielte Wesen
Gespiegelte Welt
Andacht durch Verhinderung
Ein Spiel am Tisch des Schicksals
Die Welt ist flach gedacht
Doch wir sind viele
Die träumen von Wurmlöchern
Und Freunden da draußen

JB-12-2017

Zombie-Träume

Zombie-Träume

Ich träume oft Zombie-Träume. Die Bedeutung finde ich in keinem Traumlexikon, da gibt es Geister und andere Monster aber nicht konkret Zombies. Freud kannte Romero halt leider nicht.

Ob nun mein seelischer Schatten mich überragt oder ich einfach viel zu viele Horrorfilme gesehen habe; ich habe eine Erklärung für diese Omnipräsenz von Geistlosen Hirnfressern in meinen Träumen.

Zombies sind die Monster, die mich am meisten schrecken und somit meinem Unbewussten wohl am erfolgversprechendsten vorkommen, wenn es darum geht mich aufzurütteln aus alltäglichem Verhalten und eingefahrenen Mustern.

Zombies fressen Gehirne und das Schlimmste, was mir angetan werden kann, ist mir meinen Verstand zu rauben – also eben mein Hirn zu fressen.

Nun schafft mein Kopf am liebsten – meine Lieblingsbeschäftigung ist das Schreiben. Wenn ich darüber schreibe, wie ich Angst habe den Verstand zu verlieren, dann ist das verzwickt, denn ein bisschen muss ich den Verstand verlieren, um schreiben zu können. Ist doch Inspiration der Zugang zum Unbewussten. Und sind nicht Gefühle und Erfahrungen unter der Vernunft begraben, bis sie dann doch nachts erwachen, die Hände durch viel Erdreich in die Luft strecken auf dem neblig-trübem Friedhof meiner Erinnerungen?

Wenn ich sage, ich will nicht den Verstand verlieren meine ich vor allem: Ich will die Kontrolle über meine Gedanken nicht verlieren. Ich will nicht zu einem geistlosen Hirnfresser werden, der andere geistlosen Hirnfresser produziert. Ich will also nicht trieb- oder anderweitig gesteuert, gedankenlos und seelenlos vor mich hin leben. Ich will nicht vernichten, sondern schaffen. Das tue ich im Traum mit eben diesen untoten Vorzeichen des Alltagstrotts. Und wenn ich dann aufwache, tue ich dass indem ich den Traum aufschreibe, indem ich mich wieder mehr meinen Lieblingsbeschäftigungen zuwende und mich so ver-wirkliche. Ich bin kein Monster. Ich bin ein kreativer Mensch.

Die Zombies in meinen Träumen sind oftmals nur Randfiguren. Sie scheinen (noch) nicht sonderlich bedrohlich. Sie bringen mich aber dazu, Hürden zu überwinden, mich zu trauen, was ich mich sonst nicht traue, nämlich Türen zu öffnen, die sonst verschlossen geblieben wären: Auszubrechen aus dem Alltag, mich hinzusetzen und über Zombie-Träume zu schreiben. Dafür meinen Dank an mein Gehirn.

JB-11-2017

Begegnungen 2

Begegnungen 2

Ein Kreis wird zur Kugel und umkreist einen Feuerball. Bewegt sich jede Sekunde durchs All. Trotz dessen ich auf dieser Kugel wohne, immer in Bewegung: Ich sehne mich nach Ruhe. Bin so träge wie der Klotz, der im Physikunterricht vom Modellauto fällt, das plötzlich bewegt wird. Kurz bevor das Universum wieder implodiert werde ich diese Ruhe finden, wie auch immer meine Moleküle dann organisiert sind. Bis dahin heißt es weiter bewegt werden.

Vom gleißend schwarzem All zum Alltag. „Wir sind alle Sternenstaub.“, so heißt es. Und auch Sternenstaub steht morgens auf und geht zur Arbeit. Dabei passieren kleine Abenteuer. Ich begegne alten Feinden und neuen Verbündeten. Aus mir mache ich ein Alien, das die Welt mit dem sechsten Sinn er-spürt und ich er-trage Blicke, die durch mich hindurch gehen hin zur nächsten Ampel, zum nächsten Geschäft. Als wäre ich kein Ich, als wäre da kein Selbst.

Sternenstaub wir alle. Und daraus eine Geschichte. Ich begegne Menschen wie eine Außerirdische. Ich habe jeden Moment Angst etwas Komisches zu sagen oder etwas „falsch zu machen“. Ich blicke hinunter auf den Bordstein neben die Person zu ihrem vierbeinigen Begleiter und endlich darf ich lächeln.

JB-11-2017

Traumsegen

Traumsegen

Tänzerischer Geist,
der mich im Nu erreicht.
Mir die Namen meiner Liebsten ins Herz schreibt.
Den Wundern meine Richtung zeigt.

Und hier nun ein Zauberwort:
„Finde deinen Traumsegensort.
Dem eine Macht innewohnt.
Wo die pure Freude thront.“

Träumerisches Ganzes,
Heilt während des Tanzes.
Wunden befreit,
Brot geteilt.

Segen für das Nah und Fern.
Ich denke ohne Grenzen und das gern.
Ich lerne dies neue Fach.
Ich handle dem Spüren nach.

Wechsle zwischen Tag und Nacht,
Bin Zeugin der letzten Schlacht.
Geh mutig vor die Tür.
Ich danke dem Leben dafür.

Zauber wohnt den Worten inne.
Erfahrung, die ich täglich gewinne.
Vollkommen steht nichts geschrieben.
Sätze in den Fels getrieben:

„Verlange alles von der Welt,
Doch achte das von dir bestellte Feld.
Gewinne Freunde, nicht den Sieg,
Sei sanft und ehre, was dir lieb.

Der Wandel ist alltäglich,
Das Festhalten kläglich.
Die Wünsche wachsen dir im Traum.
Ihre Frucht reift nicht am Baum.“

JB-11-2017

Ringkampf

Ringkampf

Wer klein ist, will ganz hoch hinaus,
Wer ’ne Wohnung hat, will doch ein Haus.
Die Schatten tanzen in deinem Gesicht,
Wenn der Herr über seine Erfolge spricht.

Lass einfach das Geld für dich sprechen,
Dann werden fremde Knochen brechen.
Neid und Missgunst wegen Ungleichheit,
Hass und Morde erzeugen Generationenleid.

Die Menschen fühlen sich allein,
Lassen sich auf Süchte ein.
Kinder, die ausreißen,
Alte, die verweisen.

Die Welt ein Ringkampf,
Jedes Wollen ein Krampf.
Jeder Tag ein neuer Sieg,
Wenn nur ein anderer am Boden liegt.

So manche erwachen aus dem Lebensrauschen.
Wollen wieder den Vögeln lauschen.
Wollen begreifen und erfahren.
Die Menschheit vor weiterem Leid bewahren.

Tanzen in andere Zeiten,
Erringen von Möglichkeiten.
Auf andere Menschen achten,
Die Macht entmachten.

Der Staat ist nicht mehr Diktatur,
Da ist nur noch Erde ohne Richtschnur.
Auf dem Markt treiben sie wieder Handel.
Welt befindet sich im Wandel.

Und willst du das Fremde umarmen,
Dich einem angstvollen Blick erbarmen.
Dann öffnen sich weite Räume.
Für alle die besten Träume.

JB-11-2017

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Das Leben eines Tagebuchs

Das Leben eines Tagebuchs

An meinem ersten Tagebuch ist ein Schloss gewesen. Den kleinen Schlüssel habe ich in einer Geldkassette aufbewahrt, deren Schlüssel aufzufinden wiederum nur ich fähig war, denn er verbarg sich in einer zugemüllten Schublade. Ich habe diesem Tagebuch viel anvertraut. Meinen aktuellen Schwarm, meine Ängste und Hoffnungen, meine alltäglichen Sorgen.

Auf die Innere Klappe habe ich am 9.07.1997 Folgendes geschrieben: „In diesem Tagebuch steht einiges was ich nicht wirklich so meine und daß mir in dem Augenblick als ich es schrieb wirklich cool vorgekommen ist. Es ist wirklich schwierig, das zu schreiben, was man denkt, wirklich denkt, wenn man im Unterbewußtsein immer daran denken muß, dass es ja irgendwann doch einmal jemand zu lesen bekommen kann. Also wenn das passiert, dann bekommt keinen Schreck, das meiste ist doch nur Rumgelabre.“

Damals war ich 15 und ich hatte mich immer mal hingesetzt und mein „Rumgelabre“ wieder durchgelesen und ich hatte mich schon damals immer wieder gewundert, wie selbstverständlich, die Tagebücher berühmter Schriftsteller von Nachlassverwaltern veröffentlicht wurden. Das kam für mich dem Veröffentlichen von niemals ausgesprochenen Gedanken gleich. Jetzt könnte das Argument kommen: „Aber warum hat er/sie es denn dann aufgeschrieben?“ Meine Antwort darauf: Um Gedanken zu sortieren, um sich an Geschehenes zu erinnern, um daraus zu schöpfen für den Lebensweg und als Orientierung: Wo komme ich her, wo stehe ich jetzt, wo gehe ich hin?

Niemals würde ich wollen, dass Menschen, die ich nicht kenne, und auch Leute, die ich kenne diese Hilfestellungen lesen. Einmal hat mein Ex-Freund in meinen Tagebuchkalender gelesen und eine Bemerkung von mir über jemanden, den er kannte fand er sehr lustig und hat mir davon erzählt. Ich bin aus allen Wolken gefallen, wie er es wagen kann, dieses Buch zu öffnen. Er meinte, er sei sich keiner Schuld bewusst gewesen, ich hätte es ja auf dem Tisch liegen lassen. Daraufhin, sagte, ich ihm, ich wäre davon ausgegangen, dass ein das ein unantastbares Heiligtum sei, egal wo es läge und ich würde es als Vertrauensbruch auffassen, mein Tagebuch zu lesen. Er entschuldigte sich aufrichtig.

Ich habe mich schon damals mit 15 mit dem Sachverhalt, dass Tagebücher veröffentlicht werden auseinandergesetzt und nun schreibe ich Gedichte, die ich ins Internet stelle. Lese die Blogs von anderen Leuten und überlege mir, wie viel ich von meiner Biografie preisgeben kann und will. Für wen schreibe ich? Vor allem für mich. Warum veröffentliche es dann? Gute Frage! Ich veröffentliche, damit es gelesen wird, damit es helfen kann, damit sich andere durch Worte fremder Menschen verstanden fühlen und nicht mehr so allein.

Es gibt dabei große Unterschiede zwischen dem was ich meinem Tagebuch anvertraue und dem, was ich beabsichtige zu veröffentlichen:

Die Form wäre da zunächst: Wenn ich Tagebuch schreibe, ist da nicht viel mit Synonymen, der zeitliche Ablauf wird durch die häufige Nutzung des Wortes „dann“ strukturiert. Einmal hatte ich den Gedanken, dass doch alles eher in Briefform zu gießen aber den habe ich schnell wieder verworfen, denn ich möchte mein Tagebuch für nicht gebetene Leser so langweilig und ausdruckslos wie möglich halten. Als Strafe vielleicht, als letzten Fluch der Schreiberin.

Dann ist da der Inhalt: Ich zensiere in Lyrik, wie in Prosa. Ich werde hier keine Namen nennen, wenn sich jemand erkennt oder sich an jemanden erinnert fühlt, dann so vage, dass niemand mich verklagen kann. Ich verhülle nicht meine Gefühle aber meine Person. Ich gebe mir ein Pseudonym und fühle mich dadurch bereit und befreit zu schreiben, was ich der Welt hinterlassen will.

Das was ich in Form gieße, gebe ich gern nach außen. Vielleicht wird das klarer mit folgendem Text, den ich vor kurzem geschrieben habe:

Mit Sinnen erfahre ich.

In meinem Kopf sammle ich diese Erfahrungen als Erinnerungen ein.

Ich stelle mir vor sie als Fäden auf Spulen aufzurollen.

Dann nehme ich ein paar dieser Spulen und webe damit Stoffe.

Diese Stoffe sind mal einfarbig, mal gemustert, mal bunt. Je nach Tag, Laune und Zeit.

Wenn ich ein paar beisammen habe, webe ich mir daraus ein Kleid.“

Die Stoffe bleiben im Schrank. Die Kleider bin ich gern bereit zu geben.

Franz Kafka, Terry Pratchett und viele andere berühmte Künstler_innen und auch Persönlichkeiten, je mehr ich über das Tagebuch schreiben schreibe, desto mehr interessiert mich, was andere davon hielten, Unveröffentlichtes, Unfertiges, Privates postmortem veröffentlicht zu wissen. Ob nun verbrannt oder gewalzt, was wäre und was ist uns entgangen? Ich schreibe von uns, denn ich bin Leserin und auch sehr neugierig. Ich interessiere mich für die Biografie eine_r Künstler_in. Da komme ich zur Frage, was ich über mich veröffentlichen möchte, was nicht in Form gegossen ist?

Ich habe Biografisches schon aufgeschrieben aber nur für bestimmte Leute und es gibt Tatsachen von denen ich mich nicht in ein Korsett drängen lassen will. Andererseits ist Kreativität oftmals auf der Schwelle zum verrückt sein angesiedelt, das scheint nichts erschreckend neues oder ungewöhnliches zu sein. Was wiederum mich beruhigt und befähigt weiter zu tippen.

Ich schreibe oftmals wie in Trance und prüfe erst später, ob es sich stimmig anfühlt, was ich da getippt habe. Wenn das der Fall ist, dann veröffentliche ich es auf auf meinen Blogs, auf verschiedenen Plattformen und als größte Herausforderung für mich auf Facebook. Ich teile mich in diesem Netz der Aufmerksamkeiten, ich bin die, die Ihre Diplomarbeit unter ihrem Geburtsnamen online stellt. Ich bin aber auch die, die als Johanna Blau Gedichte über Wir-Gefühl, über die Angst vor dem Wahn, über Hoffnung und Heilung durch Schreiben schreibt.

Verschmolzen sind diese Identitäten in einem Gedicht veröffentlicht von Kirsten Becken in dem wundervollen Kunstbuch „Seeing Her Ghosts“ unter meinem eigenen Namen. Das Gedicht heißt Zunder und es ist das erste, was in einem Buch von mir erschienen ist. Aber eben losgelöst von den anderen Gedichten, die ich unter dem Namen Johanna Blau veröffentlicht habe.

Wenn Freude und Leid aufeinander treffen in einer Person, zusammen mit Ideen von Verbindungen unter Menschen, die es ihnen unmöglich machen noch einander zu hassen, dann zeigt sich ein wandelbares Selbst der unerträglich schönen Welt. Wenn Leben und Kunst aufeinander treffen, dann frage ich mich, wie es weitergeht und immer wieder wer ich bin. Und so soll es sein.

Zunder

Ein Kleid genäht aus Zunder
Und wieder geh ich unter.
Schuhe gemacht aus Leid,
Langsam vergeht die Zeit.

Tanze zu Herzenstönen.
Will wieder dem Leben frönen.
Will wieder mit Lachen im Blick,
Weben an meinem Geschick.

Jana Burmeister

Regenbogenschmiede

Regenbogenschmiede

In meiner Erinnerung
Schwankt das All
In meinem Herzen
Kocht das Blut
Versuch es erneut
Und komm zu Fall
Das schürt die Glut

Ich bin hexenfrei
Weiß von magischen Orten
Ich bin seelenoffen
Kreise um andere Menschenbilder
Quell der Einsamkeit versiegt
Such nach passenden Worten
Male unverhoffte Schilder

Dampf steigt auf
Sonnenstrahlen tanzen
Die Farben teilen sich
Der Wind trägt Stille
Regenbogenschmiede
Beglückt die wilden Pflanzen
Stark mein neuer Wille

JB-11-2017

Treibgut

Treibgut

Symptome abgeschaltet,
Seele verwaltet.
Worte schallen,
Sie verhallen.
Akten sichten,
Köpfe ausrichten.
Warten und sich quälen,
In stummen Sälen.
Voller Diagnosen.

Das bedeutet Krank,
Öffnet den Medizinschrank.
Helfen müssen,
Mit festgeschriebenen Schlüssen.
Doch da ist kein Leid,
Der Raum wird weit.
Das nächste Kleid,
Hexenmaid.
Flieht vor dieser Welt.

Warum der Schimmer der Gedanken,
Mir hilft nicht mehr zu wanken?
Warum mein Herz sich weitet,
Keinen Kummer mehr verbreitet?
Warum mein Geist mir Worte sagt,
Nicht mehr das schwere Los beklagt,
Sich auf neue Wege wagt,
Schwierige Fragen fragt?
Zuversicht

Verstand, Körper und Seele,
damit ich nichts verfehle,
wenn ich dies Bild wähle:
Segel, Boot und Wasser,
Die Umnachtung macht das blasser.
Was davon leitet mich?
Was umkleidet mich?
Was beschreibt mich?
Was davon kann brechen?

Ein Los ist da es einzusetzen,
Was hilft es sich den Wendungen zu widersetzen?
Mein Segel will Wind,
Tanzt wie ein Kind.
Mein Boot will Wellen,
Begreift die Stromschnellen.
Der Wasserfall,
Bedeutet Zerfall.
Ich bin Treibgut.

JB-11-2017

Ruheraum

Ruheraum

Ich gehe manchmal einen Weg, von dem ich weiß, dass er nicht meine Bestimmung ist und werde geführt an einer Leine der Versuchung durch Länder des Stillstandes.

Dabei sind da Orte der Besinnung, die meist Orte des Schreibens sind.

Beim Schreiben besinne ich mich auf die Zeit, verbinde Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges. Knüpfe einen Flickenteppich, den ich dann in mein Zimmer hänge und Traum vergessen betrachte, wenn Muße ist, wenn die Muse gegenwärtig ist.

Und was ist Gegenwart für mich? Der Moment – ausgekostet. Zur Ruhe kommen im Augenblick.

Wenn dann die Fragen aufkommen, die mein Selbst mir aus den Tiefen meines Bewusstseins heraus stellt, dann will ich mich diesen stellen: Was will ich? Wer bin ich? Wohin leitet mich mein Weg?

Ich will meinen Willen begreifen. Ich will mein Schicksal in die Hand nehmen und im Sein die Tat finden, die mich sein lässt. Auf das ich bin und weiter werde, was ich bin.

Ich bin ein Bewusstsein unter vielen, das sich dessen bewusst ist, dass es ist. Unter Sternen wandle ich auf der Suche nach mir selbst. Im Kreis gehen oder ruhen, Spiegelbilder suchen oder sich finden. Mir begreiflich machen, wer die Hände führt, die dies schreiben.

Schreiben ist ein Weg zur Selbstfindung, ja. Nicht für Geld, nicht um Zeit totzuschlagen schreibe ich. Ich schreibe den Tag, ich schreibe die Nacht, ich schreibe die Zeit in meinem Leben fest. Erinnerung in Worten festgehalten, um zu umfassen, was mir geschieht und was ich geschehen lasse. Doch wohin wird mich das führen?

Oft habe ich Anleitung gesucht für den „richtigen“ Weg, das „richtige“ Leben. Doch jedes Leben ist wertvoll, wie auch immer wir es aushalten oder ausgestalten. Sobald mir ein Mensch aus seinem Leben erzählt, höre ich zu und lerne; höre ich zu und lebe. So sind wir für uns gesehen Lehrende und Lernende des Lebens und unsere Fehler retten andere, die Fehler machen, die uns retten.

Erfahrungen machen uns aus. Fehler machen uns aus. Siege, Niederlagen – einfach Versuche.

Neugier auf das Kommende ist die Triebfeder. Meine Füße laufen und erfassen dabei die Beschaffenheit des Bodens, die Augen sehen und die Ohren lauschen. Das Rauschen in meinem Kopf. Das Leben hinter meinem Leben. Es ist eine Ohnmacht, die mich schreiben lässt. Was immer Muster wird; aus diesem Rauschen heraus geboren, was immer wird aus diesem Schreiben.

Sinn finden aus der Wahrnehmung heraus und alle Form will Gestalt werden.

JB-10-2017

Schwertgürtel

Schwertgürtel

Schwerter um mich und über mir
Damoklesverschworen
Furcht daraus geboren
Fühl‘ mich gefangen wie ein Tier

Kein Gleichgewicht
Ohne die richtigen Worte
Wie ich Zweifel horte
Augen im Zwielicht

Doch meine Hände
Nehmen das erste Schwert
Tat hat sich bewährt
Das bringt die Wende

Einen machtvollen Gürtel
Knüpf ich mir mit diesen Schwertern
Werkzeuge aus Gefängniswärtern
Hoffnung zurück so schnell

Ein Schritt nach vorn
Ein Blick nach oben
Zeit verschoben
Mut geboren

Die Tür geht auf
Zu meinen Träumen
Will sie zu nennen nicht versäumen
Der Weg dahin ein heiterer Lauf

Diese meine Waffen
Wissen um die Macht
Bereit für die Lebensschlacht
Wie für mich gemacht.

JB-10-2017

Dazwischen

Dazwischen

Die Stimme einer Göttin,
Versucht mich zu wecken.
Will mich davor verstecken,
Seh‘ darin keinen Sinn.

Diese Welt ist doch so wage,
Die Menschen so nüchtern.
Wie wir uns in Süchte flüchten,
Wie ich an meinem Selbst schwer trage.

Keine Magie gefunden,
Nicht in Liebe noch in Vergebung.
Der Nichtigkeit Ehrung.
An Logik mein Leben gebunden.

Da bricht es hervor,
Das Gefühl, da ist mehr.
Die Einsicht so schwer,
Ein noch geschlossenes Tor.

Da ruft sie wieder,
Tanzt auf den Hügeln.
„Sollst dich nicht fügen,
Schreib auf meine Lieder!“

Auf dem Grat zu wandeln,
Balance zu finden zwischen Welten.
Wie sonst meine Sinne mich schelten,
Das Dazwischen lässt mich handeln.

JB-10-2017

 

Die Wandlung

Die Wandlung

Die Münze wandert wie mein Auge
Von der Händlerin zum Kunden
Mein Herz fliegt wie eine Taube
Die hat einen Ast gefunden

Der morsch ist und ohne Blatt
Doch noch nicht ganz kaputt
So lässt sich die Taube herab
Sie wärmt ihn mit ihrem Mut

Die Münze wandert weiter
Mein Auge folgt nicht mehr
Mein Herz ist nicht mehr heiter
Die Taube war zu schwer

Doch noch nicht ganz am Boden
Ein Feuer sich entfacht
Taube und Ast verwoben
Fliegen in die Nacht

Nun will mein Herz so handeln
So seine Liebe zeigen
Von morsch sich zu Asche wandeln
Um phönixgleich aufzusteigen

JB-10-2017

Tränenfluss

Tränenfluss

Eingemauert von Sorgen
Versteh ich meinen Gang
Zu Fuß
Zum Tränenfluss
Am Tiefen Wald entlang
Dort will ich Weisheit borgen

Genuss in neuen Bechern
Mein Fang ganz verwegen
Ausfahrt
Neue Tat
Mit spitzem Degen
Und Pfauenfächern

Spur verloren
Irren in Stromschnellen
Wellen
Dellen
Schreie gellen
Flut geboren

Der Kreis spuckt mich aus
Ich fühle mich angekommen
Einsam
Heilsam
Angenommen
Mein neues Haus

Mein Selbst neu erfunden
Zauber im Blick
Die Tränen fließen
Die Seelenblumen sprießen
Will nicht mehr zurück
Die Welt jetzt erkunden

Deinen Traum aufgehoben
Mit Wassern gewaschen
Gehegt
Gepflegt
Wahrheit in Flaschen
Will sich austoben

Vorbei meine Suche
Vorbei meine Flucht
Erkennen
Benennen
Fühlen ohne Schlucht
Im roten Tuche

Der Weg führt oft
Durch tiefe Pfützen
Schuhe im Matsch
Worte ohne Klatsch
Pfade verknüpfen
Weisheit unverhofft

JB-10-2017

 

Blätter rascheln

Blätter rascheln

Blätter rascheln draußen und auf dem Tisch vor mir.

Ich schreibe einen Namen auf, fühle Pappellaub in meinem Inneren.

Will mich erinnern und daran glauben, dass der Baum unserer Freundschaft bald weiter wächst – gegossen von Worten.

Ich hoffe, der Herbst färbt unsere Beziehung bunt wie das Laub.

Ich fürchte, der Winter lässt sie in Schlaf fallen.

Aber wie die Blätter den Baum nähren, daran erinnere ich mich.

Eine Freundschaft kann sich wandeln wie Blätter in den Jahreszeiten.

Es wird wieder Frühling sein.
Ich esse das junge Grün und seine Kraft geht auf mich über.

Von Sonne durch schienen unser Beieinander sein, wenn alles von Neuem beginnt.

JB-09-2017

 

Begegnungen

Begegnungen

Augenblicke setzen sich fort auf Spaziergängen.
Ich laufe durch Straßen und die Leute begegnen mir. Ihre Augen begegnen mir. Ich male mir Charaktere aus. Es gibt Leute mit bunten Haaren, Leute mit Brille, Leute in Arbeitskleidung.
Wie sehen sie mich? Wie sehe ich sie?
Ich begegne mir in diesen Augenblicken.
Weiß, dass ich nicht viel von mir verraten will. Weiß, dass ich Menschen, so sehr mag, dass ich mich manchmal vor ihnen verstecke.
Und trotzdem: Ich begegne ihrem Blick, male mir Geschichten aus.
Bin neugierig und interessiert.
Und ich weiß, dass niemand mich wirklich erkennen kann, bevor wir nicht auch Worte getauscht haben.
Blicke tauschen weckt Neugier, Sympathie und Interesse auf alles, was hinter den Augen vorgeht.
Kennenlernen ist doch aber nur möglich im Gespräch.
Ich möchte Worte wechseln um meine Augen zu sättigen.

JB-09-2017

Sinneswahr

Sinneswahr

Das Vernehmen ist nicht einvernehmlich
Die Sinne selektiv
Was ich spüre ist Raum
Was Du erfährst ist Enge

Auftrieb und Abrieb der Gedanken
Stille ist selten
Der Vorwand zu Hören
Ein neues Lied

Gehen, Steinchen unter mir
Der Fuß sprüht Funken
Schwimmen, eingehüllt
Mein Nächster berührt

Nebenbei oder einzig schmecken
Ersatz für so Vieles speisen
Auf Reisen Würze entdecken
Erinnerung an Münder

So müde meine Augen
Hab so viel gesehen
Ohne aufzunehmen
Der Traum zerrt an mir

Trau dich zu tanzen
Spür dem Schwingen nach
In Umgrenzung aus Körpern
Musik durchdringt

JB-10-2017

Hybrid Moments

Hybrid Moments

Spiralnebel Wirklichkeit
Von Wolken befreit
Erwartungen abgewählt
Kopf nicht mehr gequält

Ruhe im Krach gefunden
Wunden verbunden
Heulen mit Werwölfen
Dem Herzen hats geholfen

Der Drahtesel ruht am Haus
Mich zieht es hinaus
All das auf Papier
Ich bin hier

Methoden zu vergessen greifen nicht
Seh immer nur ein Gesicht
Allein nach Hause gehen
Um mich ganz zu verstehen

Fragmente von Gefühl
Ohne Kalkül
Geschichten warten auf Geburt
Friedlich in mir ruht

Ein Wort
Dieser Ort
Zu heilen
Zu teilen

Senk die Lider
Streck meine Glieder
Die Freiheit zu lieben
Meiner Seele verblieben

Den Sinn zu erfassen
Musste Nerven lassen
Das zu verstehen
Nun auf euch zugehen

Den Tag unter Sonne verschenken
Wagen ohne Pferde lenken
Nichts darunter
Bin wieder munter

JB-09-2017