Die Wurzelfrau

Die Wurzelfrau

Heldensagen aufgeschüttet,
auf die Ahnen deiner Krone.
Heute sind sie so zerrüttet.
Sag nicht das jetzt ich hier wohne!

Treues Feld sich selber pflegt,
Heilkraut und das Leid der Welt.
Vergiss nicht, dass ich auf ihm geh.
Hab‘ es so oft schon bestellt.

Fahl leicht tanzend über Leichen,
Füße wandeln  über Blut.
Helden vor mir kraftlos weichen,
ihnen tat ich selten gut.

Und der Glanz jetzt dieser Krone,
meiner ganzen Sorgenlast,
ist verblasst, da ich hier wohne,
in dem müden Pestpalast.

Niederschmetternd deine Worte,
hab sie schon einmal gehört.
Sitze hier, schmeck meine Horde,
grausam, einsam, aufgestört.

Dieser Ort, jetzt will er mich,
tot und blass steigt aus dem Laub,
eine kalte Frau ins Licht,
daran hat niemand geglaubt.

Sie erhebt die greise Stimme,
ruft mich, hat mein Grab gebaut.
Ich, ich geh und fliehe nimmer.
Bin nun die verlor’ne Braut.

Unter Erde, unter Eichen,
lieg‘ ich hier, dies ist mein Fluch.
Alle diese grauen Leichen,
webten mir mein letztes Tuch.

Geh nicht mehr, sie heimzusuchen,
flieh nicht mehr den letzten Tag.
Kann nicht mehr die Büste buchen,
für den wahren Heldensarg.

Meine Zeit in dieser Welt,
geht zur Neige und ich sag:
Wer den Stein in Händen hält,
tue auch den ersten Schlag.

Krieg sei Dank bin ich geboren,
Krieg verdank‘ ich meine Macht.
Helden, die auf mich geschworen,
nehm ich mir in jeder Schlacht.

Mit alten Wurzeln saug ich Blut,
lass es fließen in des Feuers Glut.
Ja, mein Hunger der heißt Wut,
selten sah ich wahren Mut.

Und solange Ränke dauert,
werd ich wieder aufersteh’n,
werd mir nehmen, was mir zusteht,
werd auf euren Leichen geh’n.

Eines nur das ist mein Wunsch,
nie mehr wandeln unter Helden.
Doch nur ew’ge Friedenszeiten,
würden meine Fesseln schmelzen.

Lasst mich schlafen unter Eichen,
lasst mich ruhen, seid so hold.
Viele Särge, viele Leichen,
so viel Trauer, so viel Schuld.

Ich will nie gewesen sein,
niemals packte mich die Lust,
auszulösen solche Pein
und zu bringen nur Verlust.

Nur der Held im Ruhmeswahn,
rief mich, war mir zugetan.
Doch ich will nicht weiterleben,
ihm den Heldentod zu geben.

Bin ein Werkzeug eurer Macht,
legt mich nieder
in die Nacht.

Lasst mich ruh’n,
lähmt mir die Glieder,
will nur schlafen nie mehr Tun.

/ 11-2010

Wurzelfrau

Echo?