Waldbaden

In der langen Dämmerung meines Breitengrades,
Gelingt es mir, Gedanken zu sortieren.
Dies und das haftet an mir beim Spazieren.
Ich lass es über meinem Kopf rotieren,
Entlang des neu gewählten Pfades.

Tierisches Rascheln hier und da,
Verlangt nach Blicken wie ein Menschenwesen.
Was auf mich zu kommt, wie um zu genesen,
Wichtig ist es, ohne zu viel zu lesen.
Mein Sein scheint mir klar.

Ankommen, sind die Wege auch verschlungen.
Vorbei an jeder Bank, Ruhe tanken in Bewegung.
Der Lauf der Sonne, verleiht dem Gange Schwung.
Von der Gedanken, wie der Füße Wanderung,
Sind meine Sinne aufnahmebereit wie meine Lungen.

Fort von allem, was mich treibt.
Der Tag endet in Verkleidung.
Der Mond trägt leicht am Sternenhimmel, er ist stumm.
Über mir zerfällt das Universum,
Seit Anbeginn der Zeit.

JB-06-2019

Das Band

 Nägel unter meinen Füßen, ich trete zu.
Dann frage ich mich, was ich da tu,
Verliere den Verstand nur ungern.
Aufräumen: Mit Listen die Wahrheit ans Licht zerren.

Ungebetene Geschenke in der Hand.
Gefühle als Band um mein Genick.
Was ich mit Icons mit schick,
Ist Verstand und Gefühl auf des Messers Rand.

Und du merkst es nicht, weil dich dein Geist umkreist.
Die ganze Zeit, fragst du nicht: „Wie geht es dir?“
Bin ich ein Tier, dass ich das ertrage,
Ohne dass ich Aufstand wage?

Mein Budget an Worten ist erschöpft.
Ich rede mit Gesicht, Händen und Füßen.
Werde von Gleichgültigkeit fast geköpft,
Renne davon, will nicht mehr büßen.

Für eine Tat, die ich nie beging,
Wo ich wieder Worte fing.
Mit meinem Ohr Zeuge war.
Gespräche als Gefahr.

Und dann dieser Moment,
Der mich immer noch hemmt,
Geheimnisse behält für sich,
Wer leise aus dem Leben schlich.

Ich bin kein Loch in einem Baum,
Sprich nicht mit mir, als wäre es ein Traum.
Sag mir nicht, was du für dich behalten musst.
Rede nicht mehr mit mir nur von Leid und Verlust.

Meine Energie richtet sich jetzt aus.
Ich baue mir ein neues Haus.
In dem wieder Licht wohnt.
In dem Zuversicht thront.

Und wer anklopft, legt die Sorgen ab.
Mit dem Versprechen uns gegenseitig aufzubauen,
Verfällt die Liebe in Trab
Und Schöpft den Überfluss ab.

Was wir so teilen das vermehrt sich.
Aufbauen statt ein zu reißen.
Nicht mehr mit Worten um sich schmeißen.
Im Hier und Jetzt mit jemandem verweilen.

Oft fehlt uns das Vertrauen,
Dass die Straße nach der Kurve weiterführt.
Ich Will mich selbst aufbauen,
Mit dem Band der Freundschaft werde ich dafür wieder gekürt.

JB-05-2019

Flimmerland

Bin ich entstanden
Durch Raumgefühl?
Bleiben war mir zu viel
Das Licht ohne Konstanz
See aus Leere vor meinen Füßen
Wer will mich da begrüßen?
In dieser Blase aus Ego
War doch schon immer so
Allein im All
Umkreist der Schall den Fall
Wenn Hütten dann Paläste werden
Wird Hochmut abfärben?
Das Alte Lied
Wie ging es noch?
Den Plan geschmiedet
Und verraten
Die heeren Ziele
Die heiligen Taten
Flimmern wiederholt
Auf Flachbildschirmen
Ich zahl die Raten
Und Narziss johlt

Panzerglas

Grad bin ich so einsam, dass ich schreiben muss.
Bilder aus Glascherben im Kopf.
Die Sehnsucht nach Grenzenlosigkeit ist es, die mich einschließt, die mich umfängt mit Vampirzähnen.
Niemand fühlt so tief, wie das unsichtbare Kind, fühlt Verlassenheit in den Armen eines Anderen.
Mein Auge und mein Herz aus Glas und du schlägst darauf ein Welt, Ordnung.
Du schlägst darauf ein – täglich, stündlich.
Doch auch Scherben sind Waffen, nicht gegen mich selbst. Nie mehr gegen mich selbst.
So wahr ich fühle, wie ich fast zerberste.
Und mein Herz, es schlägt.
Und mein Auge, es sieht.

Panzerglas

JB-12-2018

Zerrung – Heilung

Zerrung (JB-11-2018 unten wie oben)

Verwachsen mit einem Baum,
Die Schnur, die uns trennte
Inhaltlich unschlagbare Offenbarung
Ein Eid, denn die Haltung verrät dich
Rettungsring überall vergebens

Ulmen verschaffen mir einen Vorsprung
Bin in Gnade gefallen
Überhang alter Weisheiten
Seeungeheuer postet ihr bestes Selfie
Social Nessie

Gratspaziergang im All
10000 Würfelaugen
Allein mit Mikroben
Pustekuchen aufgegessen
Es treibt mich nach oben

Heilung (JB-11-2018 oben wie unten)

Stimmenmeer

 Hab so oft erlebt,
wie Menschen in mein Leben treten.
Die Stimme, mit der sie mit mir reden,
Vergesse ich nie,
Ich fange sie ein mit meinen Ohren.

Weiß lang schon nicht mehr den Sinn der Dialoge,
Schwimme jedoch in Gedanken in vertrautem Stimmenklang herum,
Schöpfe aus Gesagtem neuen Sinn, erhalte dadurch wagen Schwung.
Mit viel Vergnügen schaff ich Stimm-Kaleiloskope.

Vertreib mir die Zeit, und kombiniere Möglichkeiten .
Werde nie satt von den erdachten Wahrheiten.
Vergesse vor lauter Fantasie fast auch die Wirklichkeit.
Und Leute sagen, sie ist still so lange Zeit.

Dabei ist in meinem Kopf ein Stimmenmeer.
Gaukelt mir vor, das alles, was ich will, auch wahr wär‘.
Verspricht mir Gutes, veräußert meine Geselligkeit,
Verlangt so oft meine volle Aufmerksamkeit.

Doch dann ein Lächeln und ein tiefer Blick.
Mensch holt mich in den Raum zurück, in dem ich sitze.
Macht vielleicht über Träumerei so manche Witze.
Ich lache mit und steh mit beiden Füßen wieder in der Alltagspfütze.

JB-1-2019
Auwald Leipzig, Pleiße

Bausatz fürs Wohlbefinden

Im Sternenzelt wie ausgekühlt, 
So sitz‘ ich hier,
Um den Kopf ganz zerwühlt,
Die Erde taumelt im All.
Gletscherschmelze mitgefühlt.

Im Viertel wird geschaut.
Im Haus wird geschlichen.
Im Traum werden riesige Welten erbaut.
Die Wolken sind bald bunt bestrichen,
Die Ungerechten ihres Goldtopfes beraubt.

Verzweiflung fühlt sich anders an,
Privileg erkannt und ins Äußere gehebelt.
Das Leben, wie ich es neu erfinden kann.
Den Regenbogen-Bausatz schon bestellt.
Wozu brauch ich da noch einen Mann?

Vor Müssen und Sollen will ich mich verstecken,
Vor Gram und Mühsal mein Haupt noch bedecken.
All die Leute, die mir ungekannt die Hand entgegenstrecken.
Wer will da nicht die Zuversicht in anderen Seelen wecken?
Will mich und andere Neu entdecken.

Das soll so sein: Verschenken und verdichten
Und geben will ich, um zu schlichten.
Mich selbst aufgeben mitnichten.
Wie die Vögel ihr Nest einrichten,
So kleide ich mein Leben in Geschichten.

JB-01-2019
Streetart – Sticker, Leipzig

Würfelaugen

Tu alles für den Tanz.
Und jetzt werd‘ ich beschreiben:
Der Faun auf meinen Schultern will mich ganz,
So muss ich ruhen und verschweigen.

Denn Vorsicht mahnt mich ungelenken Schritts,
Den Tritt zu setzen, wo schon andere gingen.
Wagemut lenkt mich in den Schneidersitz.
So will ich beschwingt und vogelfrei für mich neue Wege besingen.

Zu träumen heißt, mit klarem Blick,
Zu atmen, um zu leben.
Tat schreitet fort, ganz ohne Klick,
Gedanken aus Feuer zu erheben.

Wie diese Worte aus dem Klang sich bilden,
Der in mir schwirrt, wie ein Gesetz,
Den Raum zu verbinden und die Silben,
Ein Herz, das sich in Szene setzt.

Es schlägt und ruft mich zur Räson.
Da ist einer und will gefunden werden.
Es flimmert wieder und die Sorgen rauschen Ton in Ton,
hinab den Strom aus Spiegelscherben.

Er spricht in Rätseln,
was ich gut leiden kann.
Durchlaufe Gefühlswellen
Und erhöre diesen Mann:

„Gekleidet bin ich in Asphalt,
Die Stadt sieht dich, so würfle bald
Den Rausch, der von der Saite schallt.
Edelmut ergibt sich am ewigen Wald.“

So sag mir, was der Würfel spricht.
Das Schweigen ist ein Labyrinth.
Teilst du meine Ahnung, was für ein Licht das ist?
Ein kleiner Punkt in der Nacht, der in der Ferne glimmt.

JB-11-2018

Rom

Verbleibe im Tun, um zu vergessen,
So manches Überbleibsel von geborgter Schuld.
Wie konnt‘ ich nur so überaus versessen,
Mir nehmen, was ich lange schon gewollt.

Ein Kind mit zwei Mark in meiner Pfote,
Vergibt die Wahrheit für den nächsten Zuckerkick.
Und träumt nicht mal von Lanzarote,
Wie auch, wenn jemand Care-Pakete schickt.

Wie Michelangelo mich nun nach Rom geleitet,
So finde ich dort die Menschlichkeit in Strömen wieder.
Eine Wärme, die mich noch über den Wolken begleitet,
Erklärt mir manches und sonnt mir die Glieder.

Die Stadt, der ewigen Flamme hat beflügelt meine Seele.
Will wieder hin und meine Münze werfen.
Ein Bedauern, was mich lange quälte,
Schaut hier aus kalten Augen, die mich so sehr schmerzen.

Dort Herzenswärme, stürmisch war‘s und offen.
Die Neugier in den Blicken hab ich schnell erkannt.
Diese Stadt lässt mich auf meine Werte hoffen.
Ich bin mir selbst jetzt besser noch bekannt.

Dann lauf ich hier auf Straßen und erbebe.
Ich bin in einer Masse und begreife,
Dass ich durch Freundlichkeit und Wärme blühe und auch reife,
Ich hoffe, dass mir auch hier mehr Herzlichkeit begegne.

JB-11-2018

Oceans of void

Back in space
My head fell out of clouds
Body senseless
Gravity still works

Case and Soul
What the time stole
Want to be whole
Tension and coal
Yet Diamonds

My heart, My guts, My brain
Eaten by emotion
Where is reason
Thought works as an unpleasent ocean

Hang in there
John Grant is singing
The Circle of species
talks like endless ringing

In my head, In my soul, In my intuition
This reason stays to be true
All this because of you
Exist in the city I live in

JB-11-2018

Narrenjahre

Dieses Zeitgefühl
Ein Schicksalsspiel
Ich tanze zu Unmöglichkeiten
Im Hunger der Gezeiten

Mahnmal vor Millionen
Will mich selbst schonen
Stolpere in ein Dilemma
Entscheidungen noch unklar

Ein Wort, das den Boden zerbricht
Stehe in meiner Pflicht
Mein Selbst nicht preiszugeben
Mir öfter zu vergeben

Erwartungen und Träume
Pflanze wieder Bäume
Aus Nussschalen baue ich Boote
Mit denen ich Tiefe auslote

Ich bin eine Frau, die fühlt
In der fruchtbaren Erde wühlt
Verschlossene Wut entfesselt
Wir haben uns so oft verzettelt

Das umso größer Alles scheint
Die Kraft, die uns eint
Ist Einfühlung und Akzeptanz
So sehen wir uns ganz

Das Heldentum ist abgewählt
Die Tage der Herrschaft sind gezählt
Da wird Turm zur Brücke verbaut
Neu wer lieben Augen traut

Traum wird Wahrheit
Mit offener Augen Klarheit
Begegne ich einem Wesen
Will in ihm lesen

JB-10-2018

 

Darüber hinaus

Was Ermächtigung für mich heißt:
Ich erkämpfe mir meine Freiheit (zurück)
Ich erprobe, wie weit ich gehen kann
Ich ertaste Grenzen und überwinde sie
Teste aus
Ich gehe, so weit ich kann
Und darüber hinaus

Was Ermutigung für mich heißt:
Mein Leben zu leben
Ein Beispiel zu geben
Wie es auch laufen kann
Krisen anzusprechen
Und wie ich sie durchlebt habe
Probleme zu erläutern
Und wie ich sie gelöst habe

Was Entstigmatisierung für mich heißt:
Eine Krise schwächt Selbstwert, Körper nicht zuletzt Geist und Seele.
Das Umfeld re-agiert oft aus Angst, Unwissenheit, Sorge und auch mal aus Ignoranz.
Schuld ist die Folge für mich, Scham ist die Folge für mich, Angst ist die Folge für mich, Rückzug ist die Folge für mich:
STIGMA

Ich hole mir meine Unschuld zurück, ich hole mir meinen Mut zurück, ich hole mir meine Luft zum Atmen zurück, ich hole mir meine Neugier zurück auf die Welt, auf mein Wesen, auf meine Gefühle.
All das ist für mich wichtig, um zu gesunden.
Und das ist möglich: Gesund werden an Geist und Körper. Auch in dieser Welt.
Und dann anderen zu helfen, daran zu glauben und darauf zu hoffen, dass es wieder besser wird.

Leuchturmlicht
Was auch geschehen ist, ich will nicht im Trüben schwimmen.
Was auch passiert, ich will leben und das selbstbestimmt.
Klare Sicht auf das Heute ist mein Ziel, das Gestern und das Morgen verschwimmen im Spiel
der Gefühlsgezeiten, will darunter nicht mehr leiden und den Faden weiterspinnen, der mein Schicksal lenkt.
Eingedenk, derer die helfen, die da sind, die zuhören, die aufstehen und einstehen für sich und andere.
Ich will nicht kaputt gehen am System, ich will es entern und meine Sicht der Dinge offenbaren.
So wie wir waren, das ist geschehen, so wie wir sein werden, das wird entstehen, egal wie auch immer wir planen.
Und darum, bin ich gefahren und bin gelaufen und angekommen im Lauf der Wesen und dem Fluss der Gefühle, ich dreh mich um mich, ja, aber auch um meine Lieben.
Dieser Kreislauf wurde von mir nun achtsam aufgeschrieben.
Ein Lied für die Seele, die aufsteht und geht, wenn es nicht mehr geht, die sich hinsetzt und ausruht, wenn nichts mehr um sie steht, die wächst, wenn es regnet, die im Wald spaziert um Ruhe zu tanken, die in der Stadt umherstreift, um zu tanzen, die die Welt sieht im Ganzen.
Und warum nicht Blumen gießen, die in den Himmel schießen?
Das Ziel: Will wie ein Leuchtturm mir den Hafen weisen, glühen und flimmern und weiter leben und träumen und schreiben, für andere Zeiten.

 

Inspirierend

Insistierend sitze ich auf einem Stuhl
Verfehle die Worte um Längen
Singe Lieder oft schon gehört
Verweile wach im Jetzt
Ich Sammlerin für Geschichten

Dem Klang nach, dem wir alle folgen wollen
Und im Gekreisel des Gelächters
Singt der Pan den Götzen etwas vor
Ein wacher Geist, ein lichter Tor
Der mich an eine Lichtung führt

Beschreibe, was ich sehe
Verwandelt, ungebunden
Auf das zu, was ich fürchte
Wege für Entwicklung
Mit Lachendem Herzen

Sie treten für sich ein
Rebell*innen der Zeit
Heilen, Tanzen, Malen,
Denken, Kämpfen, Sein,
Nie da zur Begleitung

Herzlich und teuer
Mir diese Geschichten
Ihre Namen sagen soviel aus
Mutter Erde erinnert
Held*innen

Wer da sagt
Du kannst nicht
Du darfst nicht
Du sollst nicht
Ohne Fantasie

Soll nicht im Weg stehn
Soll sich trolln
Und zusehn
Wie sie aufstehn
Um zu wirken

JB-07-2018

 

Trostpreise

Der Traum zu bleiben ist mir neu,
Bin nur mir selber treu.
Warum nicht einem Andern?
Wie da die Blicke wandern.
Wie da der Stolz wie eine Schlucht
Vor mir klafft und versucht
Was alle Menschen wollen
Nicht müssen und nicht sollen,
Den Kampf gegen sich selbst gewinnen,
Sich auf andere einstimmen.

Trank als Wand,
Zauberstab in der Hand.
Ich glaube an das Gute,
Mir ist so zu Mute.
Ich schau mich um und bin allein,
Kann mir das gern verzeih‘n.
Kann wieder meiner Wege gehen,
Aber nicht weiter als bis morgen sehen.

Doch traue ich dem nächsten Schritt,
Mein Herz bringt Freude mit.
Begleitet meine Seelenreise,
Ich gewinn‘ gern Trostpreise.
Und fliehe nicht vor Gestern,
Mit all seinen Gespensterschwestern.
Es tat mir wohl dich dort zu sehen
Und auf dich einfach zuzugehen.

Mein Weg führt oft vorbei am Schein,
Ich möchte leben, atmen, sein.
Wie ihr auch Pläne mit mir macht,
Dazu Welt und All und Schicksal lacht,
Ich schau mich um und breche Siegel,
Mit einem blinden Spiegel.
Das Hexen und das Heilen,
Das will ich gerne teilen.

Vorbei der Spuk,
Ich will verstehen.
Über Zäune springen,
Dort Saaten säen.
Grenzen überwinden,
Ohne einzudringen.
Mich erinnern,
Wie ich Räder schlug
Und an neue Ufer schwimmen.

JB-05-2018

Achsen

Laut ist nichts an dieser Stimme
Die ich ehrlich gewinne
Kein Körper sich abzugrenzen
Keine Stunde zu schwänzen
In mir um mich
Kein Dunkel, kein Licht
Bei mir in allen Angelegenheiten
Will mit ihr lachen und streiten
Der Turm gefallen
Die Nebel wallen
Und die Wächter schreiten
Zu neuen Taten
Kann es kaum erwarten
Das Leben neu zu träumen
Im Garten mit dem Spaten
Aufzuräumen
Die Schmetterlinge tanzen
Auf den heiligen Pflanzen
Legen sie den Segen
Mir ist vergeben
Ich schau zu beim Wachsen
Ich wässre und hege
Und wie ich dazu mich bewege
Gedeihen auch meine Achsen

JB-05-2018

 

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Über die Kleine Meerjungfrau

Die Geschichte der kleinen Meerjungfrau hat mich als Kind gepackt. Diese Seele, die das Gewohnte aufgibt, um sich der Liebe und dem Fremden hinzugeben. Es ist für mich nicht die Opferbereitschaft gewesen, die mich angesprochen hat – eher ihre Verwandlung und ihre Reise: Von Schwanzflosse zu schmerzenden Füßen, die sie nicht tragen wollen, in eine Welt, die ihr unbekannt ist, die sie jedoch anzieht.

Die kleine Meerjungfrau kennt die Welt über dem Meeresspiegel nur durch dass, was ihre Bewohner in der See verloren haben. Schiffswracks säumen den Meeresboden, Verlorenes wird durch das Mädchen neu entdeckt und sie reimt sich die irdische Welt vielleicht zusammen, wie wir, wenn wir ein Museum besuchen, Scherben in unserer Vorstellung zusammensetzen und die Grabbeigaben einer Priesterin bewundern.

Dann ist da ein Mensch, der von ihr gerettet und in seine Welt zurückgebracht wird. Was geht in ihr vor? Sie hat ihn gefunden und wieder verloren, weil er sonst sein Leben verloren hätte. Nun will sie ihm folgen, denn nichts ist ihr in ihrer Welt so vertraut wie sein Antlitz. Sie schließt einen Pakt mit der Seehexe, die ihr die Stimme raubt und ihr dafür den Gang an Land ermöglicht. Und dort taumelt sie nun umher, wie ein Schiff in sturmgepeitschter See. Der, den sie gerettet hat, erkennt sie nicht, wird getäuscht. Am Ende treibt sie als Meerschaum auf der Wasseroberfläche, weil sie es nicht schafft, sein Glück, ihn, zu zerstören.

Ist dies die Geschichte eines Opfertodes oder der Liebe, die am Gegenüber verzweifelt? Die Vorstellungen, die wir uns vom Geliebten machen beginnen mit Eindrücken, Gesten, Berührungen vielleicht. Erinnerungen, die im Museum unseres Geistes landen und dort bewahrt werden, bis dann der Ersehnte sich herablässt uns dort zu besuchen und alles scheint sich zu fügen. Fügung ist überhaupt eine Erscheinung in dieser Angelegenheit, die alle Mauerritzen ausfüllt, die unser benommener Geist vielleicht noch wahrnehmen könnte, in der Wand aus Ergebenheit. Wir folgen ihm oder ihr wohin auch immer und was auch immer es kosten mag. Doch die Ernüchterung folgt auf den Füßen, die über Messer laufen müssen und wir haben keine Stimme uns zu offenbaren. Die Maske ist angewachsen auf unseren Gesichtern. Und alles was uns zu ihm oder ihr geführt hat, baut sich nun als Mauer vor uns auf – als unüberwindbares Hindernis.

Ich kehre den Boden, auf dem du schreitest? So nicht! Ich bin ein Wesen, dass sich nicht beugt, ich gehe meinen Weg mit Kurven und Sackgassen – aber es ist mein Gang, mein Weg, meine Entscheidung. Ja, ich liebe dich aber, wenn du mich leiden lässt, dann wird es sein, als wäre ich nie dagewesen. Denn dienen will ich nicht, genauso wenig wie herrschen.

Gehen wir aufeinander zu ohne Masken und hören uns an, was unser Gegenüber zu sagen hat, was er fühlt, wovor er Angst hat, worüber er nachdenkt und stellen uns gleichzeitig die Frage: Wie ist das bei mir? Erkenntnis ist die Frucht, die wir pflücken werden. Über uns, über die geliebten Menschen, über die Welt. Und wenn dann Machtgefälle ausgeglichen ist und wenn wir uns in die Augen schauen können ohne Lüge im Herzen, dann ist da die Chance auf eine Partnerschaft.

JB-04-2018

Doppelhelix

Ein Gespräch mit dir hat mindestens zwei Wirklichkeiten
Mein Blick ins Wurmloch der Gezeiten
Berührung ohne Geländer
Unsre Geister Grabenlose Länder

Verrinnendes Gelächter gemalt auf dunkle Dielen
Verinnerlichter Blick in meinem heiligsten Raum
Und wieder reimt sich das auf Traum
Wie unsere Münder da spielen.

Ein Zweifel lässt das Glück versiegen
Was, wenn du gehst, wenn ich mich selbst vertreibe
Und ewig in der Schleife hängen bleibe
Die es bedeutet einen Geist zu lieben

Ich wache auf und finde Frieden
Im Sternenhimmel wird die Liebe siegen
Nicht nur die Griechen schrieben Wandellieder
Mir weckt der Frühling meine angespannten Glieder

Und wenn ich Wasser in mich selbst verwandel
Und mit mir wie mit allen andern handel
Und mir die Stirn mit Sternenlicht bekränze
Dann wird das Dunkel vertrieben durch meine Feuertänze.

JB-04-2018

Seifenblasen

Erfindung deiner Rettung
In Einsamkeit verstrickt
Der Lebenden letzte Bettung
Ungeschickt

Zerplatzt im wahrsten Sinne
Meine Berater-Stimme
An der Wirklichkeit
Schleife Zeit

Ein Seltsames Bestreben dieses Leben,
Zu tun und zu lassen ganz ohne Klassen
Bomben aus Saatgut verteil ich in Erdenglut
Dann heißt vorbei: Endlich frei.

JB-04-2018

Ermächtigt

Etwas
Verletzt mich
Es Umnachtet sich mein Geist
Umgetreten wird meine Lebenswiese
Ich bin ein Werkzeug meines Leidens
Vertrauen abhanden wie Zuversicht

Etwas
Versucht mich
Es umwindet mein Herz
Es tanzt damit hinaus in die Nacht
Zurück bleibt eine Hülle aus Wollen
Liebe zu Trauer

Etwas
Ermächtigt mich
Aus Worten wird Wahrheit
Aus Träumen werden Taten
Aus Himmel wird Heim
Aus Tanz wird Leben

JB-03-2018

Wellenberge

Ungenügend zu beschreiben
Wie scharf Unglück riecht
Wie weit Wahn reicht
Hände aus Bitumen
Umfassen meine Sinne

Ich suche meine Stimme
Ich suche mein Morgen
Ich handle um jede Stunde
Ich kämpfe um jedes Lächeln
In mir nie mehr ein Reigen

Will etwas von mir zeigen
Will meinen Traum aufschreiben
Will die Karten nehmen wie sie kommen
Will mich wandelbar entscheiden
Vor mir eine Walfinne

Wellenberge keine Minne
Ich suche Schutz in ihrem Anblick
Ich sehe Schönheit vor dem Augenblick
Keine Furcht mehr vorm Ertrinken
Dafür Lust auf Schweigen

Ich tauche ab und höre Geigen
Das Ufer ist Erinnerung
Ein Schwarm von Fischen
Unter mir meine Welten
Die ich für mich gewinne

Atmen wie eine Wasserspinne
Schwimmen wie ein Fisch
Die Luft erinnert mich an Land
Die Füße im nassen Sand
Die Wellen umschmeicheln die Wurzeln der Weiden.

JB-03-2018