Verzeih dir selbst

Verzeih dir selbst, den gröbsten Unfug, der aus dir spricht.
Krumen der letzten Züge deiner Ungeduld,
Denn wer so einsam Herzen bricht,
Bewahrt sich einen Batzen Unschuld.
Und träumt für die, die heimlich wissen, wem du dich versprichst.

Schätze, was ich trage,
Wissen um das, was ich nicht vermag.
Fühle, was ich sage,
Und träume für den nächsten Tag.
In dem ich sehe, was ich wage,
Worin ein Fünkchen Wahrheit lag.

Verzeih dir selbst, das wollüstige Wollen,
Das in dir kocht wie Marmelade,
Da hilft nicht mal mehr Schmollen,
Bricht durch jede Fassade.
Süß und verboten mit leisem Grollen.

Gedenke aller alten Muster, die ich von mir gab,
Zehre von Gedankenspielen.
Erzähle davon, wie ich jetzt wieder Lust hab,
Auf Herzensmitte abzuzielen.
Das Du, das Ich, ist alles, was ich schwer vermag.
Innen und Außen, wie sie miteinander spielen.

Verzeih dir selbst die Wahl der Worte,
Kryptisch und Verheißend,
Es gibt sie die gefundenen Orte,
Zügellos und gleißend.
Fühl dich als seltene Sorte,
Mit Wonne um dich schmeißend.

JB-07-2019

Gefühlsleiter

Ach Liebe, was ist, wenn sie fehlt,
Wenn das Herz nicht mehr wählt,
Oder gar den verfehlt,
den mein Blick beseelt.

Die Waage zeigt nur selten gleich.
Gefühl wiegt schwer bei der einen,
Beim anderen vielleicht eher leicht.

Vermag mein Herz zu schmachten,
Vermag mein Mund so offen nicht zu sprechen.
Will vor allem keine Schwüre brechen.
Und auch nicht gleich übernachten.

Am Abend, wenn die Glocken schweigen,
Bin ich an Worten reich,
Um dem Außen mein Innerstes zu zeigen.

Ganz anders, wenn ich Blicke sende,
Gedanken trudeln da in meinem Geist,
Mein Mut vergreist,
Im spannendsten Momente.

Doch hier nun Zeilen, durch die es mal gelinge:
So dass mein Mut verjüngt aufspringe
Und er dir die oberste Sprosse einer Leiter bringe,
Bewahrt für Leute, denen ich Lieder singe.

Wo führt sie hin?
So einfach ist das nicht:
Es gibt da viel Schatten und viel Licht,
Viel Sinn und Unsinn.

Vergangenes spielt da mit der Zukunft.
Mein Erleben streitet mit der Welt,
Begreift, wie Vieles bald zerfällt.
Darunter leidet dann meine Vernunft.

Will dieses Mal auf mich vertrauen.
Mein Kopf, mein Herz,
Sie wollen neue Räume bauen.

Die Sprosse, die dir zugedacht,
führt nirgends hin.
Zeigt doch mein Leben, am Tag und in der Nacht.

JB-06-2019

Waldbaden

In der langen Dämmerung meines Breitengrades,
Gelingt es mir, Gedanken zu sortieren.
Dies und das haftet an mir beim Spazieren.
Ich lass es über meinem Kopf rotieren,
Entlang des neu gewählten Pfades.

Tierisches Rascheln hier und da,
Verlangt nach Blicken wie ein Menschenwesen.
Was auf mich zu kommt, wie um zu genesen,
Wichtig ist es, ohne zu viel zu lesen.
Mein Sein scheint mir klar.

Ankommen, sind die Wege auch verschlungen.
Vorbei an jeder Bank, Ruhe tanken in Bewegung.
Der Lauf der Sonne, verleiht dem Gange Schwung.
Von der Gedanken, wie der Füße Wanderung,
Sind meine Sinne aufnahmebereit wie meine Lungen.

Fort von allem, was mich treibt.
Der Tag endet in Verkleidung.
Der Mond trägt leicht am Sternenhimmel, er ist stumm.
Über mir zerfällt das Universum,
Seit Anbeginn der Zeit.

JB-06-2019